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Marktberichte |
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Rückblick: Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber in München  Venedigträume

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 |  | Jan Asselijn, Südliche Gebirgslandschaft mit Rundtempel an einem Fluss | |
Ein unbekannter Maler des 19ten Jahrhunderts sorgte für die größte Überraschung auf der vergangenen Frühjahrsversteigerung Alter und Neuerer Meister beim Münchner Auktionshaus Karl & Faber: Mehr als zwanzig Bewerber stritten sich bis auf 29.000 Euro hinauf um eine Ansicht des Dogenpalastes in Venedig mit Blick über das Becken von San Marco auf die prominente Salutekirche im Hintergrund. Ein süddeutscher Bieter aus dem Saal behielt schließlich die Oberhand. Auf das Etikett geschrieben hatte das Unternehmen nur 3.000 bis 4.000 Euro. In guter alter Tradition der venezianischen Vedutenmalerei des 18ten Jahrhunderts ausgeführt, sind die zahlreichen Figuren und palastartigen Architekturen aus Gotik bis Barock mit feinstem Pinsel wiedergegeben. Qualität siegte also hier auch ohne großen Namen und setzte sich an die Spitze einer Veranstaltung, die trotz einiger Schwächeanfälle einmal mehr den Ruf von Karl & Faber als einem führenden Versteigerer alter Kunst im süddeutschen Raum bestätigte.
Die höchste Zuschlagsrate gab es am 27. April allerdings nicht für das 19te Jahrhundert, sondern für die Druckgrafik der Altmeister. Lückenlos für Preise von bis zu 1.700 Euro wurde beispielsweise das Dutzend Ansichten aus den „Vedute di Roma“ des Giovanni Battista Piranesi übernommen, ebenso wie fünf Genreszenen des Niederländers Adriaen van Ostade im dreistelligen Bereich. Die Spitzenwerke lieferten altbekannte Größen: Albrecht Dürer seine beiden 1519 datierten Kupferstiche „Maria das Kind stillend“ für 8.400 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und „Der heilige Antonius vor der Stadt“ für 12.500 Euro (Taxe 12.000 bis 13.000 EUR) sowie Rembrandt ein winziges Selbstbildnis mit offenem Mund aus dem frühen Jahr 1630 für 9.500 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und das „Studienblatt mit der im Bett liegenden Frau“ aus den frühen 1640er Jahren für 15.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).
Hinzu gesellte sich Martin Schongauers Kupferstich des Schmerzensmannes zwischen Maria und Johannes unter gotischem Spitzbogen für 12.000 Euro (Taxe 9.000 bis 10.000 EUR). Taxgerecht kam Claude Lorrains Radierung „La danse sous le Arbres“ mit Landleuten beim heiteren Reigen im Freien von etwa 1637 für 3.000 Euro ans Ziel. Auch bei den kleinen Preisen gab es schöne Steigerungen, etwa für Hans Baldung Griens Holzschnitt mit dem energischen heiligen Petrus von 1519 auf 800 Euro, Orazio Farinatis manieristische Kreuzabnahme, eine Radierung nach seinem Vater Paolo Farinati von 1583, auf 650 Euro (Taxen je 300 EUR) oder Georg Pencz’ kleinen, dennoch dicht gefüllten Kupferstich „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ auf 600 Euro (Taxe 400 EUR).
Bei den Papierarbeiten des 15ten bis 18ten Jahrhunderts blieb im Durchschnitt etwa jedes zweite Blatt unveräußert liegen. Dafür gab es punktuell einzelne hohe Zuschläge wie 4.200 Euro für einen Entwurf des frühklassizistischen Architekten und Bildhauers Edmé Bouchardon zum Reiterstandbild König Ludwigs XV. von Frankreich (Taxe 2.000 EUR) oder 5.200 Euro für die Darstellung des Martyriums der heiligen Afra aus der Feder des Konstanzer Meisters Johann Christoph Storer, gezeichnet um 1657/58 für ein Altarblatt im Augsburger Dom (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Etwas zäh gestaltete sich der Absatz der Ölgemälde: Nicht nur das Hauptlos, eine idyllische Landschaft mit Hirten von dem Rokokomaler Andrea Locatelli für mindestens 50.000 Euro, auch David de Conincks Tierstillleben in einer Parklandschaft für 22.000 bis 24.000 EUR, Theobald Michaus betont altmeisterliche Hügellandschaft mit Kirchgängern im Abendrot für 30.000 bis 40.000 Euro und Hermann David Salomon Corrodis Rinderhirte bei der Ruine eines römischen Aquädukts für 20.000 bis 25.000 Euro fanden keinen Abnehmer.
Andere Gemälde wurden unterhalb der veranschlagten Schätzpreise weitervermittelt, etwa Jan Asselijns mediterrane Abendlandschaft mit Rundtempel an einem Fluss für 9.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Eduard Charlemonts Rückenansicht eines sitzenden Mädchens mit japanischem Fächer inmitten einer Fülle stilllebenartiger Utensilien von 1877 für 14.000 Euro (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR) oder Georges-Marie-Julien Girardots Verbildlichung der sterbenden Cleopatra aus dem Jahr 1884 für 11.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Einige Wertsteigerungen gab es dagegen bei den kleineren Preisen für eine hügelige Waldlandschaft mit Wasserschloss aus der Hand des Düsseldorfer Akademiegewächses Caspar Scheuren für 5.000 Euro (Taxe 2.900 EUR), für Fritz von Uhdes Profilbildnis einer jungen „Oberin“ von 1884 für 4.600 Euro (Taxe 1.800 EUR) oder für Albert Venus’ seltsam undefinierbaren Blick auf eine Bergkette hinter einer weiten Ebene für 2.800 Euro (Taxe 1.900 EUR).
Bei den Handzeichnungen des 19ten Jahrhunderts tat sich der Dresdner Venus mit dem romantischen Aquarell „Dorf Schreckenstein“ von 1864 bei 4.200 Euro sogar noch deutlicher hervor (Taxe 1.800 EUR). Als teuerstes Blatt reüssierte hier bei 10.000 Euro Wilhelm von Kobells Ablichtung stehender Rinder im seichten Wasser am Ufer der Isar mit Blick auf Oberföhring von 1809 (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Biedermeierliche Aquarelle wie diese führten auch Johann Adam Klein in seiner „Hufschmiede im Felde“ und Johann Jakob Dorner d.J. in der Kiesgrube mit Fuhrwerk in oberbayerischer Voralpenlandschaft von 1840 für jeweils 4.000 Euro aus (Taxen je 4.000 bis 5.000 EUR). Denselben Betrag gab es ebenfalls für Friedrich Gauermanns Ölstudie eines toten erlegten Kranichs, für die lediglich 800 Euro erwartet waren.
Zulegen konnten ebenso Franz Skarbinas kraftvoll mit Zimmermannsbleistift erfasster, ausschnitthafter Gartenpavillon auf 3.200 Euro (Taxe 2.100 EUR) und das Innere des Baptisteriums der Kathedrale von Ravenna in der ursprünglichen Farbgebung des als Hofmaler des Zaren tätigen Emanuel Stöckler auf 2.000 Euro (Taxe 1.800 EUR). Ferdinand Oliviers Lithografie „Montag. Roseneckergarten vor Salzburg“ von 1822/23 und Adrian Ludwig Richters spätes Aquarell spielender Kinder in idyllischem Garten von 1869 blieben mit 6.000 Euro und 8.500 Euro jeweils ein wenig unterhalb ihrer Schätzungen, und eine männliche Aktstudie des Romantikers Philipp Otto Runge musste sich gar mit 8.000 Euro begnügen (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR).
Bemerkenswert geringen Anklang fand die reiche Auswahl von rund siebzig Papierarbeiten aus der Sammlung des ehemaligen Frankfurter Opernintendanten Michael Hocks. Gerade einmal elf Losnummern erhielten hier ausreichende Gebote. Von den teuren Stücken konnte sich lediglich eine Gouache des Neapolitaners Gioacchino La Pira, die eine Bootspartie in der blauen Grotte von Capri zeigt, bei 5.000 Euro absetzen (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Für Vasili Petrovich Vereshchagins kleines Ölgemälde eines Klosters an der Küste in der Abendsonne gab es 3.000 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), für George Clarkson Stanfields Aquarell eines venezianischen Kanals 1.600 Euro (Taxe 2.000 EUR). Ein Fernblick auf die maltesische Hauptstadt Valletta aus der Hand eines englischen Meisters um 1850 kletterte dann doch von 400 Euro auf 3.000 Euro.
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Karl & Faber Auktionen Amiraplatz 3 DE-80333 München |
 | Telefon:+49 (089) 22 18 65 | Telefax:+49 (089) 22 83 350 |  |  | E-Mail: info@karlundfaber.de |
05.08.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 39 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4 • 5
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (36) |  | •  | Veranstaltung vom: 27.04.2012, Alte Meister - Kunst des 19. Jahrhunderts |  | •  | Bei: Karl &
Faber Auktionen |  | •  | Bericht: Schlichter
Xaverio |  |  | •  | Kunstwerk:  Edmé Bouchardon, Entwurf für
das Reiterstandbild Ludwig XV. von Frankreich |  | •  | Kunstwerk:  Rembrandt, Selbstbildnis mit offenem Mund, 1630 |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Battista
Piranesi, Veduta del Ponte Molle sul Tevere, 1762 |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Battista Piranesi,
Veduta dell’Anfiteatro, detto il Colosseo, 1757 |  | •  | Kunstwerk:  Georg Pencz, Judith mit dem Haupt des Holofernes |  | •  | Kunstwerk:  Adriaen van Ostade, Das Konzert, um 1644 |  |  |
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 Friedrich
Gauermann, Kranich |  | Taxe: 800,- EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 259 |  |  |  |  |  | 
 Rembrandt,
Rembrandt,
Studienblatt mit der
im Bett liegenden
Frau, um 1641/42 |  | Taxe: 8.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 94 |  |  |  |  |  | 
 Hans Baldung Grien,
Der heilige Petrus,
1519 |  | Taxe: 300,- EURO Zuschlag: 800,- EURO Losnummer: 5 |  |  |  |  |  | 
 Johann Jakob Dorner
d.J., Kiesgrube mit
Fuhrwerk in
oberbayerischer
Voralpenlandschaft,
1840 |  | Taxe: 4.000 - 5.000 EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 244 |  |  |  |  |  | 
 Orazio Farinati, Die
Kreuzabnahme, 1583 |  | Taxe: 300,- EURO Zuschlag: 650,- EURO Losnummer: 39 |  |  |  |  |  | 
 Franz Skarbina, Der
Gartenpavillon |  | Taxe: 2.100,- EURO Zuschlag: 3.200,- EURO Losnummer: 309 |  |  |  |  |  | 
 Martin Schongauer,
Der Schmerzensmann
zwischen Maria und
Johannes |  | Taxe: 9.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 99 |  |  |  |  |  | 
 Adriaen van Ostade,
Das Konzert, um 1644 |  | Taxe: 600,- EURO Zuschlag: 560,- EURO Losnummer: 61 |  |  |  |  |  | 
 Heinrich
Aldegrever, Merkur,
1533 |  | Taxe: 300,- EURO Zuschlag: 480,- EURO Losnummer: 2 |  |  |  |  |  | 
 Venedig, Blick auf
den Dogenpalast und
das Becken von San
Marco in Venedig, 1
Hälfte 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 29.000,- EURO Losnummer: 212 |  |  |  |  |  | 
 Albrecht Dürer, Der
heilige Antonius vor
der Stadt, 1519 |  | Taxe: 12.000 - 13.000 EURO Zuschlag: 12.500,- EURO Losnummer: 33 |  |  |  |  |  | 
 Fritz von Uhde, Die
Oberin, 1884 |  | Taxe: 1.800,- EURO Zuschlag: 4.600,- EURO Losnummer: 211 |  |  |
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