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Marktberichte |
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Kunst, Grafik, Bücher und Autografen bei Venator & Hanstein in Köln  Schieferpinselrassel

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 |  | Pius Alexander Wolff, Unbekannter deutscher Künstler, Portrait um 1820/22 | |
Er könne nur einen Menschen nennen – so diktierte Johann Wolfgang von Goethe kurz vor seinem Tod 1832 seinem getreuen Eckermann in die Feder –, „der sich ganz nach meinem Sinne von Grund auf gebildet hat: das war der Schauspieler Wolff“. Pius Alexander Wolff, geboren 1782 in Augsburg und von seinen Eltern ursprünglich für den Beruf des Kaufmanns bestimmt, wurde 1803 bei Goethe in Weimar vorstellig, der sich rasch für den engagierten jungen Mann begeisterte und ihn für das Hoftheater gewann. Bis 1815 wirkte Wolff in Weimar, und auch danach bis zu seinem frühen Tod 1828 riss der Kontakt mit Goethe nicht ab. Aus dem umfangreichen Nachlass Wolffs bietet das Kölner Auktionshaus Venator & Hanstein nun eine knapp dreißigteilige Offerte an, die unter dem Begriff „Weilburger Goethe-Funde“ in die Literaturgeschichte eingegangen ist.
Zu den interessantesten Stücken gehört dabei ein 22seitiges Manuskript mit Goethes „Regeln für Schauspieler“, aufgezeichnet von Pius Alexander Wolff und neben „Dialect“ oder „Aussprache reine, vollständige“ auch beispielsweise Ratschläge zu „Stellung und Bewegung außer der Bühne“ enthaltend. 10.000 Euro hat das Auktionshaus für dieses erste Kollegheft jener Anweisungen veranschlagt. Ferner gibt es mehrere Briefe von Goethe und anderen Geistesgrößen der Zeit an Wolff, ein Fragment aus Goethes „Torquato Tasso“, Zeugnisse von Wolffs eigener schriftstellerischer Tätigkeit sowie einige Kostproben seines zeichnerischen Talents, darunter ein Skizzenbuch, in dem sich eine Reihe hübscher idyllischer Landschaften findet. Hier werden nur 300 Euro erwartet.
Alte Grafik
Zu den Hauptlosen der Auktion am 21. September gehört ein bekanntes Meisterwerk der alten Grafik: 15.000 Euro soll Albrecht Dürers komplette Folge der sechzehnteiligen „Kupferstichpassion“ von 1507/13 kosten. Auch die „Jungfrau mit dem Wickelkind“ um 1520 (Taxe 5.000 EUR) oder die derbe Charakterstudie „Der junge Bauer und seine Frau“ von circa 1497 für 2.400 Euro stammen aus der Hand des Nürnberger Frührenaissancekünstlers. Gute Beziehungen unterhielt er zu seinem niederländischen Kollegen Lucas van Leyden, dessen Kupferstich „Lot und seine Töchter“ von 1530 sichtlich um die perfekte Wiedergabe des nackten menschlichen Körpers ringt (Taxe 1.600 EUR). Leyden stellt weitere sieben, eher seltene Blätter zur Verfügung, darunter „Salomons Götzendienst“ von 1514 (Taxe 2.100 EUR), „Maria Magdalena in den Wolken“ von 1518 (Taxe 1.500 EUR) oder „Joachim und Anna unter der Goldenen Pforte“ von 1520 (Taxe 2.400 EUR). Der zweite große Name unter den Altmeistern ist einmal mehr Rembrandt, vertreten durch sein Selbstbildnis mit der flachen Kappe von circa 1642 für 2.700 Euro oder die „Große Kreuzabnahme“ aus dem Jahr 1633 für 4.000 Euro. In die Mitte der 1630er Jahre datiert seine Radierung „Niederblickender Greis in hoher Fellmütze“ für 5.000 Euro.
Aus dem deutschsprachigen Raum ragt im Barock besonders Michael Willmanns fast einen halben Meter hohe Radierung der Mariae Himmelfahrt mit den Aposteln von 1683 heraus. Dabei handelt es sich um die Wiedergabe eines Altarbildes für die Klosterkirche im mährischen Saar (Taxe 2.700 EUR). Landschaftliches findet sich vor allem bei den Niederländern; zu nennen sind hier etwa Hieronymus Cocks weite „Landschaft mit Merkur mit dem Haupt des Argus“ von 1558 (Taxe 900 EUR) oder Jacob van Ruisdaels Nahaufnahme der „Kleinen Brücke“ mit einem zerfallenden Bauernhaus neben dem Bach (Taxe 1.500 EUR). Reduziert mit einem ausladenden leeren Himmel schildert Esaias van de Velde seine „Landschaft mit einem Reiter und einem Wanderer auf der Straße bei Hillegom“ (Taxe 1.000 EUR).
Jacques Callot bereichert seine querformatige Waldgegend 1619 dann mit einer figurenreichen „La grande Chasse“ (Taxe 1.200 EUR). Reinier Nooms, der sich auch Zeeman nennen ließ, hielt es dann, wie sein Zusatzname sagt, eher mit der Schifffahrt und der See. So zeigt seine Radierung zwei zum Kalfatern kielgeholte Schiffe (Taxe 750 EUR). Für Italien steht wie immer eine Serie römischer Veduten Giovanni Battista Piranesis im Wert von bis zu 2.700 Euro, während mit Angelika Kauffmanns Radierung „Rinaldo und Armida“ für 1.800 Euro auch der Klassizismus recht prominent vertreten ist. Eine frühromantische, fast ein wenig surrealistische Bildfindung gelingt Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. in der „Landschaft mit großem Kräuterwerk rechts und totem, knorrigem Baum“ um 1815/20 (Taxe 900 EUR). Gute Exemplare aus Symbolismus und Jugendstil sind Frederick Hollyers Platindruck von George Frederic Watts’ Gemälde „Love and Life“ für 1.500 Euro und Alphonse Muchas hochformatige Farblithografie der herbstlichen Schönheit „Automne“ von circa 1903 auf Seide für 2.000 Euro.
Moderne und zeitgenössische Kunst
Da wo Venator & Hanstein im 19ten Jahrhundert enden, setzen sie am 22. September in der modernen und zeitgenössischen Kunst wieder an: Mit dem Jugendstil und Carl Thiemanns flächigem Farbholzschnitt ruhiger „Windmühlen“ von 1910 (Taxe 400 EUR). Wenngleich auch hier die Grafik den Schwerpunkt bildet, gibt es doch auch einige beachtenswerte malerische Arbeiten. Eberhard Viegener tritt mit dem weitgehend abstrakten Spätwerk „Vollmond mit Landschaft“ aus dem Jahr 1965 auf (Taxe 3.200 EUR), dem sich – in noch tieferes Blau getaucht – unmittelbar Friedrich Vordemberges „Fischerjunge am Boot“ von 1974 bei 2.700 Euro anschließt. So weit wie Kuno Gonschior, 1986 eine Leinwand nur mit zahllosen kurzen Pinselstrichen in verschiedenen Rot- und Blautönen zu bedecken, wollten Viegener und Vordemberge allerdings nicht gehen (Taxe 5.000 EUR). Recht nah an der Wirklichkeit finden sich wohl die Bildnisse Hanns Sprungs, so des pfeiferauchenden Koblenzer Architekten Robert Tauschke von 1922 oder eines „Negers mit weißem Umhang“ von 1912 für jeweils 2.400 Euro.
Eine Reihe von Blättern stammt wieder von Angehörigen des deutschen Expressionismus, so Max Beckmanns prägnante, auf zwei mehr melancholisch als lustig gestimmte Personen konzentrierte Kaltnadelradierung „Fastnacht“ von 1922 (Taxe 6.000 EUR), Käthe Kollwitz’ 1919 als verworfene Fassung für die Folge „Krieg“ entstandene Kreidelithografie „Mütter“ (Taxe 6.000 EUR) oder Karl Schmidt-Rottluffs kantiger Holzschnitt „Drei Männer im Gespräch, im Hintergrund Holzfäller“ von 1924 für 5.000 Euro. Auch Heinrich Zilles gemäldehafte Kohle- und Federzeichnung „Gesperrt – Passantin auf der Baustelle“ ließe sich hier einordnen (Taxe 9.000 EUR). Auf belgischer Seite beeindruckt James Ensors komplette Folge der „Scènes de la vie du Christ“ aus dem Jahr 1921 mit 31 Farblithografie auf Bütten (Taxe 6.000 EUR).
Georges Braques stille Lithografie „Oiseau verni (Oiseau VII)“ von 1954 (Taxe 4.500 EUR) und eines der fünfzig Exemplare von Marc Chagalls auch nicht gerade bunter Farblithografie „L’oiseau dans d’atelier“ von 1976 stehen stellvertretend für die große Riege französischer Meister der klassischen Moderne (Taxe 7.500 EUR). Aufmerksamkeit beansprucht Salvador Dalí: Seine 13teilige Lithografiefolge „Pages choisies de Don Quichotte de la Manche“ von 1957 liegt bei Venator & Hanstein in einer der zehn Exemplare für Mitarbeiter vor, hier für den Verleger Joseph Foret, und besitzt wie die übrigen neun Stück Unikatcharakter. Der große Namenszug des Künstlers prangt mit einer Widmung auf der Rückseite des zweiten Blattes, darunter hat unter anderem auch Dalís Künstlerkollege Georges Mathieu unterzeichnet. 35.000 Euro stehen hier auf dem Etikett.
Ein früher „Kopffüßler“ Horst Antes’ von 1966 zählt zu den wichtigsten Werken gegenwärtiger Künstler (Taxe 4.000 EUR), ebenso Elvira Bachs „Liegende auf Rot (mit Rosenkleid)“ auf 100 mal 140 Zentimetern von 2006 (Taxe 6.000 EUR). Dem Minimalismus schließt sich Ulrich Erben in seinen vier durch weiße Quadrate strukturierten weißen Bildern „Walther von der Vogelweide“ von 1976 an (Taxe 6.000 EUR). Eine ähnlich reduzierte Bildsprache, die sich ebenfalls hauptsächlich der Farbe Weiß bedient, formulierte in den 1960er Jahren der Rheinländer Peter Royen. Zarte Erinnerungen an Natur und Landschaft werden in seinen meist quadratischen, bis zu 1.200 Euro teueren Bildern wach, während seine gleichaltrigen Papiercollagen einen kräftigeren Duktus aufweisen (Taxen zwischen 400 und 1.000 EUR).
Als brillanter Techniker mit manchem hintersinnigen Bezug zur Kunst der Vergangenheit erweist sich Johannes Grützke in seinen Pastellen „Thora (Dixy Dix)“ von 1985 und „Fußakt“ von 1987 (Taxen 4.500 und 4.000 EUR). Zeichnerisches Talent offenbaren zudem ein „Gekreuzigter mit weiblicher Figur“ von Werner Tübke aus dem Jahr 1979 (Taxe 3.000 EUR) und Jan Voss’ humorvolle Fluss- und Hügelgegend von 1966 (Taxe 2.000 EUR). Doppelbödige Arbeiten sind auch C.O. Paeffgens mit Filzstift und Pastellkreiden überarbeiteter Offsetdruck, in dem sich ein Mann auf den Rahmen eines weiblichen Aktbilds stützt (Taxe 1.200 EUR), Konrad Klaphecks Zeichnung eines nähmaschinenartigen Produktionsgeräts von 1960 (Taxe 3.000 EUR) oder Martin Kippenbergers Collage „Auch dabei?“ von 1982 (Taxe 1.800 EUR). Laurenz Berges’ Fotografie einer Backsteinwand mit großer Fensteröffnung unter dem Titel „Lönningen“ oder Gert und Uwe Tobias’ aquarellierte Zeichnung eines menschlichen Zwitterwesens vertreten die jüngere Künstlergeneration (Taxen je 400 EUR).
Ins Ausland weist das Angebot noch einmal mit David Hockneys Aquatintaradierung des etwas gelangweilt blickenden „Kasim twice“ von 1967 (Taxe 2.000 EUR) oder Lee Bontecous titellosem Siebdruck, auf dem wie so oft in ihrem Schaffen ein schwarzes Loch klafft (Taxe 1.500 EUR). Jorge Castillo erzeugt 1979 in seinem Gemälde „Metello en el Campo“ eine erdverbundene, träumerische Landschaft (Taxe 1.800 EUR), dem sich noch Antoni Tàpies’ überarbeitete Farbradierung „L’arc“ von 1975 passend hinzufügt (Taxe 1.800 EUR). Humor besitzt der britische Konzeptkünstler und Fluxus-Vertreter Robin Page, sei es dass er einem Portrait Maos einen Bart anklebt und es 1971 mit „Maona Lisa“ betitelt (Taxe 1.000 EUR), dass er 1974 in „Phoenix Painting“ die Bilder mit Feuer wegbrennt (Taxe 2.000 EUR) oder 1973 ein „Second Hand Self-Portrait“ zeichnet (Taxe 600 EUR).
Die Konkrete Kunst führte Klaus Staudt 1981 mit seinem weiß gestrichenen „Schattengitter 1“ in der Dreidimensionalität fort (Taxe 6.000 EUR), ebenso Rudolf Vombek mit seinem vierteiligen, quadratischen Wandrelief mit Farbverläufen in Weiß, Rot, Grün und Schwarz von 1972 (Taxe 1.000 EUR).
Sigmar Polke schließlich zeichnet für eine der wenigen skulpturalen Arbeiten verantwortlich: 1994 sperrte er die Spitze eines Borstenpinsels zusammen mit kleingestampftem Ölschiefer in eine Glasbirne ein und nannte dieses neue Kinderspielzeug „Schieferpinselrassel“ (Taxe 10.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 21. und 22. September jeweils um 10 Uhr. Die Besichtigung der Kunstwerke ist bis zum 20. September täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog unter www.venator-hanstein.de abrufbar. |  | Kontakt: Venator & Hanstein KG Cäcillienstraße 48 DE-50667 Köln |
 | Telefax:+49 (0221) 257 55 26 | Telefon:+49 (0221) 257 54 19 |  |  | Startseite: www.venator-hanstein.de |
18.09.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 23 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (20) • Im Verkauf - Events (1) |  | •  | Bei: Venator &
Hanstein |  | •  | Bericht: Casting mit
Goethe |  | •  | Kunstwerk:  Johann
Wolfgang von Goethe und Pius Alexander Wolff, Regeln für den Schauspieler, Weimar 1803 |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Battista Piranesi, Veduta di Piazza Navona sopra de rovine del Circo Agonale, 1751 |  | •  | Kunstwerk:  Jacob van Ruisdael, Die kleine Brücke |  | •  | Kunstwerk:  Lucas van Leyden, Joachim
und Anna unter der Goldenen Pforte, 1520 |  |  | •  | Kunstwerk:  Hieronymus Cock, Landschaft
mit Merkur mit dem Haupt des Argus, 1558 |  | •  | Kunstwerk:  Jacques Callot, La grande chasse, 1619 |  | •  | Kunstwerk:  Reinier Nooms, genannt Zeeman, Two vessels careend für
caulking the hall |  |  |
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 Pius Alexander
Wolff, Skizzenbuch,
um 1814 |  | Taxe: 300,- EURO Zuschlag: 400,- EURO Losnummer: 558 |  |  |  |  |  | 
 Hieronymus Cock,
Landschaft mit
Merkur mit dem Haupt
des Argus, 1558 |  | Taxe: 900,- EURO Losnummer: 329 |  |  |  |  |  | 
 Rembrandt,
Rembrandt,
Niederblickender
Greis in hoher
Fellmütze, um 1635 |  | Taxe: 5.000,- EURO Losnummer: 409 |  |  |  |  |  | 
 Angelika Kauffmann,
Rinaldo und Armida |  | Taxe: 1.800,- EURO Losnummer: 450 |  |  |  |  |  | 
 Pius Alexander
Wolff, Johann
Wolfgang von Goethe
und Regeln für den
Schauspieler,
Weimar 1803 |  | Taxe: 10.000,- EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 540 |  |  |  |  |  | 
 Lucas van Leyden, Lot
und seine Töchter,
1530 |  | Taxe: 1.600,- EURO Zuschlag: 1.600,- EURO Losnummer: 371 |  |  |  |  |  | 
 Albrecht Dürer, Die
Jungfrau mit dem
Wickelkind, um 1520 |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 3.800,- EURO Losnummer: 337 |  |  |  |  |  | 
 Reinier Nooms,
genannt Zeeman, Two
vessels careend für
caulking the hall |  | Taxe: 750,- EURO Zuschlag: 560,- EURO Losnummer: 441 |  |  |  |  |  | 
 Michael Willmann,
Mariae Himmelfahrt
mit den Aposteln,
1683 |  | Taxe: 2.700,- EURO Losnummer: 439 |  |  |  |  |  | 
 Alfons Maria Mucha,
Alphonse Mucha,
Automne, um 1903 |  | Taxe: 2.000,- EURO Losnummer: 486 |  |  |  |  |  | 
 Lucas van Leyden,
Joachim und Anna
unter der Goldenen
Pforte, 1520 |  | Taxe: 2.400,- EURO Losnummer: 373 |  |  |  |  |  | 
 Rembrandt,
Rembrandt, Das
Selbstbildnis mit
der flachen Kappe, um
1642 |  | Taxe: 2.700,- EURO Zuschlag: 2.400,- EURO Losnummer: 397 |  |  |
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