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Marktberichte |
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Hohe Preise waren bei der Kunst- und Antiquitätenauktion von Nagel in Stuttgart nicht gefragt  Panorama von Berlin

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 |  | Italien, Kabinettschränkchen, 17. Jahrhundert | |
Mit ungewohnten Absatzschwierigkeiten hatte das Stuttgarter Auktionshaus Nagel in seiner vergangenen Kunst- und Antiquitätenauktion zu kämpfen: Nur etwa ein Drittel des mehr als tausend Losnummern umfassenden Angebots konnte am 10. und 11. Oktober weitervermittelt werden. Selten waren auch die sonst fast obligatorischen, oft spannungsvollen Wettkämpfe um Stücke, die das Traditionsunternehmen verlockend günstig angesetzt hatte. Die Steigerung von 8.000 Euro auf 37.000 Euro für ein italienisches Barockkabinett aus reich graviertem Elfenbeinplaketten und Ebenholz bildete da schon eine Ausnahme. Auf der anderen Seite stand eine Reihe verschmähter Spitzenwerke wie ein Florentiner Pietra-Dura-Kabinett des Hochbarock für 110.000 Euro, ein lombardischer Schrein um 1600 für 70.000 Euro oder Michele Marieschis zwei Architekturcapricci vor südlicher Küsten- und Bergkulisse für zusammen 180.000 Euro. Auch an einer für 50.000 Euro angebotenen Jagdgarnitur des württembergischen Königs Friedrich I. von Büchsenmacher Christian Körber um 1810 herrschte kein gesteigertes Interesse.
Insgesamt weckte Nagels kunsthandwerkliche Seite größere Begehrlichkeiten als die Gemälde und Skulpturen. Ein schönes Ergebnis von 28.000 Euro gab es gleich zu Beginn für ein sizilianisches Schreibensemble, das mit seinen regelmäßig gesetzten Korallenperlen für die Entstehung im Barock des fortgeschrittenen 17ten Jahrhunderts bemerkenswert sachlich daherkommt (Taxe 20.000 EUR). Kurz darauf machte eine halbmeterhohe Porzellanvase von KPM um 1825 auf sich aufmerksam, um deren Wandung sich ein Panorama des Berliner Zentrums mit altem Dom, Zeughaus und Opernhaus zieht. Statt bei 20.000 Euro schlug der Hammer bei 33.000 Euro aufs Pult. Aus der gut bestückten, in den höheren Lagen jedoch seltener frequentierten Palette des 19ten Jahrhunderts ragte ein dekorativer Silberemailhumpen des Moskauer Meisters Pawel Owtschinnikow von 1894 hervor, der seine Schätzung von 30.000 Euro erreichte. Russland tat sich noch einmal mit einer gläsernen Weinkaraffe der Kaiserlichen Glasmanufaktur St. Petersburg bei 7.000 Euro hervor, die um 1890 mit einem radschlagenden Pfau, Blatt- und Astwerk sowie Ornamentbändern in Emailfarbe bemalt wurde (Taxe 1.600 EUR). Von 1.800 Euro auf 11.500 Euro arbeitete sich ein neobarocker, üppig geschmückter Elfenbeinhumpen empor. Es war das Werk eines unbekannten Miniaturschnitzers.
Von dem italienischen Elfenbeinkabinett abgesehen hatten die Möbel diesmal wenig Fortune. Taxgerechte 15.000 Euro für ein Paar lombardischer Sitzbänke mit schöner, aber beschädigter Bemalung oder 10.000 Euro für ein Quartett Louis XV-Fauteuils, gestempelt mit „M Pollet“, gehörten hier schon zum Höchsten der Gefühle (Taxe 5.000 EUR). 12.000 Euro spielte eine fast drei Meter hohe Bodenstanduhr des Amsterdamer Meisters Anthoni van Oostrom ein, 13.000 Euro ein Stollenschrank der Frührenaissance mit zwei schön geschnitzten Szenen aus der Frühzeit des Lebens Jesu (Taxen je 12.000 EUR). Recht erfolgreich gestaltete sich die Versteigerung mehrerer Tapisserien, von denen Nagel unter anderem für je 14.000 Euro zwei stilistisch recht ähnliche und auch wohl zusammengehörige Arbeiten frankoflämischer Herkunft mit Darstellungen aus der Serie der „Neun Helden“ abstoßen konnte. Unter anderem Karl der Große gehörte in diese Reihe illustrer Männer, die antike, christliche und mittelalterliche Mythologie mit Personen der Realgeschichte verknüpfte (Taxen je 8.000 EUR).
Spitzenreiterin bei den Skulpturen wurde eine gotische Mondsichelmadonna um 1450 aus dem Salzburger Raum für die anvisierten 28.000 Euro. 16.000 Euro erzielte der von Henri-Émile Allouard in weißen Marmor gehauene Frauenakt einer jungen Berberin mit Taube aus dem Jahr 1888 (Taxe 15.000 EUR). Bei den Gemälden Alter Meister konnte sich erwartungsgemäß das Eröffnungslos deutlich steigern: Nur mit 1.500 Euro hatte Nagel das Antwerpener Bildnis eines Herrn von circa 1540 angesetzt, und selbst die zuletzt gebotenen 11.000 Euro klingen noch bescheiden. Kenneraugen vermuten ferner wohl in der auf Kupfer gemalten Darstellung eines rege besuchten Marktes an einem Fluss mit Architekturstaffage mehr als das Auktionshaus: Vielleicht handelt es sich doch um das Originalwerk eines flämischen Meisters aus dem frühen 17ten Jahrhundert? Jedenfalls lässt die Preisexplosion von 1.800 auf 24.000 Euro einen derartigen Schluss zu. Münsteraner Lokalpatriotismus dürfte zur wertmäßigen Verdoppelung auf 13.000 Euro von Hermann tom Rings manieristischer Verbildlichung „Moses und die eherne Schlange“ geführt und damit die noch im Juni angesetzten 10.000 Euro übertroffen haben.
Die eigentlichen Hauptlose blieben indes liegen: Jan Breughels d.J. und Jan van Balens Allegorie der Gerechtigkeit und des Friedens für 70.000 Euro, ein Bildnis des Malers Jan Wildens angeblich aus der Werkstatt Peter Paul Rubens’ für 35.000 Euro und Frans Snyders’ Stillleben mit Traubenkorb, erlegten Wildvögeln und Erdbeeren in edlem Porzellan für 40.000 Euro. Bei den Neueren Meistern setzte sich überraschend das Werk eines kaum Bekannten an die Spitze: Von 4.800 Euro auf 24.000 Euro schoss Max Nonnenbruchs mondäner Halbakt einer jungen Bacchantin mit Thyrsosstab vor einer Marmorbrüstung aus dem Jahr 1899. Dahinter folgten bei 13.000 Euro und 15.000 Euro ebenfalls klar über den Schätzungen Carl Spitzwegs „Belauschtes Liebespaar“ in einer Dachkammer und Andreas Schelfhouts abendliche Winterlandschaft mit Figurenstaffage auf einem zugefrorenen Kanal (Taxen 9.000 und 8.000 EUR). Fast komplett übernommen wurde ein Konvolut des 1949 verstorbenen Grafikers Franz Stassen, darunter seine vier Mappen zu Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ für 8.000 Euro (Taxe 800 EUR).
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Nagel Auktionen Neckarstraße 189-191 DE-70190 Stuttgart |
 | Telefax:+49 (0711) 649 69 696 | Telefon:+49 (0711) 64 96 90 |  |  | E-Mail: contact@auction.de |
26.10.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 13 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (10) |  | •  | Veranstaltung vom: 10.10.2012, Kunst und Antiquitäten
|  | •  | Bei: Nagel Auktionen
|  | •  | Bericht: Freizügig anno dazumal
|  |  | •  | Kunstwerk:  Andreas Schelfhout, Abendliche
Winterlandschaft mit Personen auf einem zugefrorenen Kanal vor einer Stadt |  | •  | Kunstwerk:  Max Nonnenbruch,
Junge Bacchantin mit Thyrsosstab vor einer Marmorbrüstung, 1899 |  | •  | Kunstwerk:  Antwerpener Künstler, Bildnis eines Herrn in
rhetorischem Gestus, um 1540 |  |  | •  | Kunstwerk:  Stollenschrank, frühes 16. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Schreibtischset, Trapani, 2. Hälfte 17. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Vase, KPM, Berlin um 1825 |  |  |
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 Henri-Émile
Allouard, Junge
Berberin mit Taube,
1888 |  | Taxe: 15.000,- EURO Zuschlag: 16.000,- EURO Losnummer: 481 |  |  |  |  |  | 
 Vase, KPM, Berlin um
1825 |  | Taxe: 20.000,- EURO Zuschlag: 33.000,- EURO Losnummer: 49 |  |  |  |  |  | 
 Trapani,
Schreibtischset, 2.
Hälfte 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 20.000,- EURO Zuschlag: 28.000,- EURO Losnummer: 9 |  |  |  |  |  | 
 Antwerpen,
Antwerpener
Künstler, Bildnis
eines Herrn in
rhetorischem
Gestus, um 1540 |  | Taxe: 1.500,- EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 729 |  |  |  |  |  | 
 Stollenschrank,
frühes 16.
Jahrhundert |  | Taxe: 12.000,- EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 601 |  |  |  |  |  | 
 Andreas Schelfhout,
Abendliche
Winterlandschaft
mit Personen auf
einem zugefrorenen
Kanal vor einer Stadt |  | Taxe: 8.000,- EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 938 |  |  |  |  |  | 
 Carl Spitzweg,
Belauschtes
Liebespaar |  | Taxe: 9.000,- EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 933 |  |  |  |  |  | 
 Pawel
Owtschinnikow,
Deckelhumpen,
Moskau 1894 |  | Taxe: 30.000,- EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 236 |  |  |  |  |  | 
 Max Nonnenbruch,
Junge Bacchantin mit
Thyrsosstab vor
einer
Marmorbrüstung,
1899 |  | Taxe: 4.800,- EURO Zuschlag: 24.000,- EURO Losnummer: 945 |  |  |
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