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Opulente Wiederentdeckung eines bedeutenden Landschaftsmalers der Goethezeit: Die Hamburger Kunsthalle zeigt Skizzen, Radierungen, Zeichnungen und Gemälde des Deutschrömers Johann Christian Reinhart

Das Ideale und das Gesehene



Johann Christian Reinhart, Ansicht des Tibers an der Quelle von Acqua Acetosa, 1808

Johann Christian Reinhart, Ansicht des Tibers an der Quelle von Acqua Acetosa, 1808

Eine „nicht entschuldbare Glätte der Ausführung“ attestierte Ludwig Schorn, Kunstkritiker und Herausgeber der im 19. Jahrhundert einflussreichen Kunstfachzeitschrift „Kunst-Blatt“, der Malerei Johann Christian Reinharts (1761-1847). Mit der überaus harschen Reaktion des Kritisierten dürfte er nicht gerechnet haben. Der gedemütigte Reinhart tat sich mit anderen in Rom arbeitenden deutschen Malern zusammen und brachte als Gegenreaktion auf die als ungerecht und aufgeblasen empfundene Kritik aus der alten Heimat eine Streitschrift „gegen Kunstschreiberei aus Deutschland“ heraus. Deren Titelblatt zierte eine nicht eben schmeichelhafte Karikatur des verhassten Ludwig Schorn. Dargestellt als hochnäsigen Bildbetrachter mit überdimensionaler Lupe, Eselsschweif und beigesellten Affen als Kunstrichter, verhöhnt Reinhart den „Doctor, der sich prepariert, daß er fein kritische Blätter schmiert“.


Zu sehen ist das Blatt jetzt in der Ausstellung „Johann Christian Reinhart – Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom“ in der Hamburger Kunsthalle. Andreas Stolzenburg, der Hauptkurator, zeigt in nicht weniger als 15 Räumen die bisher größte Schau zu Leben und Werk des Deutschrömers. Neben 90 Zeichnungen, 30 Aquarellen und 75 Radierungen sind auch über 30 der noch erhaltenen rund 40 Gemälde Reinharts versammelt. Ein erst während der vierjährigen Recherchearbeiten im Berliner Kupferstichkabinett entdecktes Skizzenbuch rundet die Schau ab. Etliche Reinhart-Bildnisse anderer Künstler und ein eigenes Kabinett mit seinen mitunter deftig-bissigen Karikaturen vermitteln einen Eindruck von der Person Reinhart.

Obwohl es auch einige wenige Tierdarstellungen und Bearbeitungen christlicher oder mythologischer Motive gibt, hat sich Johann Christian Reinhart doch vorrangig der Landschaftsmalerei und der Anfertigung von Stadtprospekten seiner Wahlheimat Rom gewidmet. Die Hamburger Schau nähert sich dem umfangreichen Werk zunächst chronologisch, um später die wichtigsten Aspekte in konzentrierten Themenräumen abzuhandeln. Reinharts Weg nach Rom, wo er die letzten 58 Jahre seines Lebens verbrachte, führte ihn aus dem elterlichen Pfarrhaus in seiner Geburtsstadt Hof zunächst zum Studium der evangelischen Theologie nach Leipzig. Dort wechselte er jedoch rasch auf die Kunstakademie, um bei Adam Friedrich Oeser, der auch Johann Wolfgang von Goethe in der Zeichenkunst unterrichte hatte, zu studieren. Nach Aufenthalten in Dresden, Meiningen und Studienreisen nach Böhmen und an den Rhein fasste Johann Christian Reinhart 1789 im Alter von 28 Jahren den Entschluss, nach Rom zu ziehen. Sein Kontakt in die Heimat riss jedoch nie ab. Sein überwiegend in Deutschland vertriebenes druckgrafisches Werk darf wohl als seine Haupteinnahmequelle angesehen werden. Zudem korrespondierte er viele Jahre lang mit Friedrich Schiller, den er 1785 kennengelernt hatte.

Die Hamburger Schau vermittelt anhand zahlreicher Gegenüberstellungen, wie sich Reinhart demselben Landschaftsausschnitt in verschiedenen künstlerischen Techniken genähert hat. „Wir haben in der Ausstellung alle Gattungen zusammengefügt, um Werkprozesse zu zeigen“, so Andreas Stolzenburg. Vor der Natur entstandene Handzeichnungen realer Landschaften münden in stark idealisierende Landschaftskompositionen voller Staffagefiguren, mythologischem Personal und arkadischer Unberührtheit. Im krassen Gegensatz dazu sind allerdings auch die ohne jegliche Heroisierung auskommenden, teils großformatigen Detailstudien Reinharts von botanisch präzise wiedergegebenen Bäumen sowie Felsformationen oder Ruinen bemerkenswert.

In der Ausstellung zu sehen sind zwei ungewöhnliche, als Gemälde realisierte Waldpartien aus dem Park der Villa Borghese, die aus dem Besitz des ebenfalls in Rom tätigen und mit Reinhart befreundeten dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen stammen. Freie, durchaus modern und innovativ anmutende Naturstudien dieser Art waren bei den Auftraggebern der damaligen Zeit so gut wie gar nicht gefragt. Dass Johann Christian Reinhart sie trotzdem mit großer Akribie angefertigt hat, zeigt, dass er zwischen genuiner künstlerischer Neugier und den konventionelleren Vorlieben seiner Auftraggeber gut zu unterscheiden wusste.

Die Ausstellung „Johann Christian Reinhart – Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom“ läuft vom 26. Oktober bis zum 27. Januar 2013. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. An Heiligabend, dem ersten Weihnachtstag und an Silvester bleibt das Museum geschlossen. Der 498seitige Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 35 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengießerwall 5

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



26.10.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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26.10.2012, Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom

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Hamburger Kunsthalle

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Kritik und Erlösung bei William Blake

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Johann Christian Reinhart, Alte Olivenbäume an einer Felswand bei Ariccia, um 1809/10
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Johann Christian Reinhart, Schönburg an der Saale, 1783
Johann Christian Reinhart, Schönburg an der Saale, 1783

Variabilder:

Johann Christian Reinhart, Arkadische Landschaft mit Fluss, Baumgruppe
 und antikem Sarkophag (Friedrich Schiller gewidmet), 1787
Johann Christian Reinhart, Arkadische Landschaft mit Fluss, Baumgruppe und antikem Sarkophag (Friedrich Schiller gewidmet), 1787

Variabilder:

Johann Christian Reinhart, Karikatur auf Dr. Ludwig Schorn in München!, 1829/33
Johann Christian Reinhart, Karikatur auf Dr. Ludwig Schorn in München!, 1829/33

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Johann Christian Reinhart, Landschaft mit antiken Denkmälern (Die
 Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos), 1846
Johann Christian Reinhart, Landschaft mit antiken Denkmälern (Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos), 1846







Johann Christian Reinhart, Alte Olivenbäume an einer Felswand bei Ariccia, um 1809/10

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Johann Christian Reinhart, Schönburg an der Saale, 1783

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Johann Christian Reinhart, Arkadische Landschaft mit Fluss, Baumgruppe und antikem Sarkophag (Friedrich Schiller gewidmet), 1787

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Johann Christian Reinhart, Karikatur auf Dr. Ludwig Schorn in München!, 1829/33

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Johann Christian Reinhart, Landschaft mit antiken Denkmälern (Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos), 1846

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Johann Christian Reinhart, Ideallandschaft mit Hirt und Ziegen, 1824

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Johann Christian Reinhart, Baumgruppe mit Kühen an der Tränke, 1836

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Johann Christian Reinhart, Heroische Felslandschaft mit Bärenjäger, 1834

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Johann Christian Reinhart, Gewitterlandschaft mit Gebirgsfluss und Wasserfall (Der Jäger und der eingeschlafene Fischer), 1831

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