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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Artefakte aus dem alten Ägypten, Griechenland und Rom bereichern die Kunstgewerbeauktion von Lempertz in Köln

Die liebestolle Armida



 Ägypten, Statue einer Trauernden, um 1600/1500 v. Chr.

Ägypten, Statue einer Trauernden, um 1600/1500 v. Chr.

Das Auktionshaus Lempertz gilt eigentlich nicht als Spezialist für archäologische Funde. Doch weht gleich mehrmals der Atem kultureller Frühgeschichte durch die aktuelle Versteigerung von Kunstgewerbe in Köln: Preziosen der ägyptischen und römischen Antike aus unterschiedlichen europäischen Privatsammlungen bilden einige der Toplose der Versteigerung, so die dunkel patinierte, hieratische Holzstatue einer trauenden Frau mit vor die Brust erhobener rechter Hand aus der Zeit um 1600 bis 1500 vor Christus für 160.000 bis 200.000 Euro, die seit den 1890er Jahren im rheinischen Privatbesitz beheimatet war. Rund fünfhundert bis tausend Jahre jünger – so genau lässt sich das nicht bestimmen – datiert eine bronzene Sitzstatue des Gottes Amun, der im alten Ägypten insbesondere für Luft, Wind und die Fruchtbarkeit zuständig war. Hier sollen es 30.000 bis 40.000 Euro für einen Schweizer Sammler werden.


Antiken

In die Spätzeit Altägyptens, der ptolemäischen Zeit im dritten bis ersten vorchristlichen Jahrhundert, gehört der Bronzehohlguss eines hockenden Ibis, der wohl auf den Gott der Schreiber, Thoth, verweist (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Im Reich der Hethiter, dessen Ende im zwölften vorchristlichen Jahrhundert kam, ist ein gut vierzig Zentimeter langer Ochsenwagen aus Bronze anzusiedeln, bei dem besonders die vollplastische Gestaltung der beiden Tiere beeindruckt (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Aus dem antiken Rom gelangen eine Herme mit Satyrkopf und der elegante Torso einer Kopie der berühmten Aphrodite Anadyomene – beide Marmorfiguren stammen ungefähr aus den ersten zwei nachchristlichen Jahrhunderten – für Schätzpreise zwischen 30.000 und 60.000 Euro zum Aufruf. In die Abteilung mit Antiken hat Lempertz auch einige Schmuckstücke aufgenommen, so das Collier des Münchner Goldschmieds Johann Michael Wilm, der darin in den 1960er Jahren mehrere antik römische Kameen und Gemmen verarbeitet hat (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), oder eine Halskette aus Glasperlen, die in die Zeit der Merowinger datiert (Taxe 300 EUR).

Silber

Von diesen ganz alten Stücken abgesehen bietet die Versteigerung wieder einen umfassenden Querschnitt durch das kunsthandwerkliche Schaffen vom späten Mittelalter bis in die beginnende Moderne mit Hochkarätigem aus fast allen Branchen. Besonders das Silber ist mit rund 250 Objekten gut bestückt, wobei am 16. November Höchstpreise vor allem für das 17te Jahrhundert erwartet werden: 50.000 bis 60.000 Euro soll ein prächtiger Münzdeckelhumpen kosten, den um 1620 Christoph Peschel aus dem schlesischen Oels für den dort beheimateten Herzog Heinrich Wenzel von Bernstadt schuf. 48.000 bis 50.000 Euro stehen dann auf dem Etikett für ein Paar Augsburger Barockleuchter von Hans Petrus III. aus den 1660er Jahren in Gestalt gedrehter Säulen mit Weinranken und ausladenden Füßen samt Vogel- und Blumendarstellungen.

Etwas günstiger wird es mit einem Danziger Deckelhumpen Peter Rohdes II. um 1689/94, auf dessen Wandung Moses mit der Teilung des Roten Meeres beschäftigt ist (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Die Formen der deutschen Hochrenaissance mit reichlich Beschlagwerk zeigt ein Hermannstädter Deckelhumpen von Michael Letz um 1590, dessen Bekrönung die vollplastische Figur eines modisch gekleideten Landsknechts bildet (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR). Für den rheinischen Adligen Friedrich Wilhelm Florenz von Pallandt zu Keppel schmiedete der Potsdamer Meister Johann George Hobermann um 1750 eine große Deckelterrine in den kräftigen Formen des friderizianischen Rokoko (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Etwa gleichzeitig entstand im Moskauer Atelier Peter Semenows ein Akeleipokal, der sich stilistisch an der deutschen Spätrenaissance orientiert (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Zwei bärtige Figuren wohl niederländischer Herkunft der zweiten Hälfte des 17ten Jahrhunderts zeigen, dass in der Silberkunst auch hochwertige Skulpturen möglich waren. Die beiden alttestamentarischen Hohepriester Aaron und Melchisedech sollen zusammen 60.000 bis 70.000 Euro erwirtschaften. Weltgeschichte umweht ein in neugotischem Stil gehaltenes Turmreliquiar aus der Zeit um 1860: Papst Pius IX. machte das von unbekannter Hand außerordentlich fein gearbeitete Gerät Kaiserin Elisabeth – „Sisi“ – von Österreich zum Geschenk, wohl nicht zuletzt um ihre Unterstützung im Kampf um den Fortbestand des Kirchenstaates zu gewinnen – vergebens, wie sich ja dann zeigte. Das gut einen halben Meter hohe Reliquiar gelangte später in süddeutschen Privatbesitz und wird jetzt für 120.000 bis 130.000 Euro angeboten.

Möbeln und Einrichtungsgegenstände

Seinem hohen Alter von rund 450 Jahren gemäß hat ein Paar Bildteppiche die Zeit nicht unbeschadet überstanden. Dennoch sind die in Flamen hergestellten Verdüren, die zwischen dichtem Rankenwerk zahlreiche, teils fabelhafte Wesen zeigen, mit 80.000 bis 100.000 Euro das Hauptlos unter den Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Bei Cozette in Paris lief 1766 das Fragment eines weiteren Bildteppichs vom Band, dessen Entwurf bereits 1737 Charles-Antoine Coypel vorlegte. Dargestellt ist die höchst dramatische Schlussszene aus Jean-Baptiste Lullys Oper „Armide“, in der die titelgebende Zauberin aus Liebesverzweiflung ihren eigenen Palast zerstört (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Teuerstes Möbelstück mit 50.000 bis 70.000 Euro ist eine sizilianische Schreibkommode des fortgeschrittenen 18ten Jahrhunderts mit goldenen Chinoiserien auf rotem Lackgrund, gefolgt von einem Dresdner Schreibschrank um 1730, ehemals Inventar des Schlosses Pillnitz, mit exaltiert gesprengtem Rundgiebel für 30.000 bis 50.000 Euro. Aus dem frühen 19ten Jahrhundert ragen ein feiner, norddeutsch-thüringischer Schreibschrank um 1805 aus dem Besitz der Herzogin Caroline Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und ein Exemplar der originellen Globustische aus dem Wiener Biedermeier um 1825 für 26.000 bis 30.000 Euro hervor. Bereits den Jugendstil um 1900 vertritt eine weibliche Bronzeschönheit des Franzosen Julien Caussé, „La fée de glace“ betitelt und auf einen transluziden Opalinglas als Eisberg gesockelt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Porzellan und Keramik

Für Porzellan, Keramik und Glas hat Lempertz einen eigenen Katalog vorgelegt, der am 15. November rund 280 Nummern umfasst. Frühe Böttgerporzellane aus Meißen der 1710er Jahre wie eine kleine, rotbraune Vase mit ganz schlichtem Dekor gehören hier zu den ältesten Arbeiten (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ein Meißner Walzenkrug mit einer Silbermontierung des Augsburger Meisters David Fischer beeindruckt vor allem durch die feine Goldmalerei in chinesischem Stil, die wohl der darauf spezialisierte Bartholomäus Seuter um 1720 schuf (Taxe 38.000 bis 40.000 EUR). Zwei sogenannte Augustus Rex-Vasen der 1730er Jahre mit polychromen Schlachtenszenen wohl nach Georg Philipp Rugendas d.Ä. und Bronzemontierungen wohl aus dem 19ten Jahrhundert stehen für 30.000 bis 40.000 Euro bereit.

An Figürlichem verdienen die Meißner Zweiergruppe „Hanswurst und Colombine“ von Johann Joachim Kändler um 1743 (Taxe 40.000 bis 60.000 Euro) und eine um 1757 von Friedrich Elias Meyer modellierte Lautenspielerin unter einem Baum Hervorhebung (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Viel Platz wird der Ersteigerer eines umfangreichen Speiseservice mit Kurländer Muster benötigen, das bei KPM in Berlin anlässlich der Hochzeit Augustes von Preußen mit Wilhelm von Hessen-Kassel 1797 hergestellt wurde (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Eine klassizistische Kratervase um 1820 dürfte ihrer Form auf einen Entwurf Karl Friedrich Schinkels zurückgehen. Der feine Rosendekor trug eine unbekannte Hand nach Vorlagen des französischen Blumenmalers Pierre-Joseph Redouté auf (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Highlights bei den Majoliken ist eine Schüssel aus Urbino, auf die ein Mitarbeiter der Werkstatt Fontana in der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts die Enthauptung des Holofernes durch Judith malte. Der assyrische Feldherr scheint eben seine letzten Zuckungen zu machen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auf ein Motiv Raffaels aus den Loggien des Vatikans griff Bartolomeo Terchi in Siena bei seinem Teller zurück und schmückte ihn um 1720 mit einem muskulösen Handwerker beim Bau des Tempels (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bei den Fayencen macht eine imposante Deckelterrine der lothringischen Manufaktur Niderviller um 1760 auf sich aufmerksam, die sich neben den fein gemalten Blumenbouquets vor allem durch ihre plastisch aus Blumenkohlrose, Erbsenschote, Lauchstange und Pilzen gestaltete Handhabe auszeichnet (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Diesen überbordenden Realismus führte Paul Anton Hannong in seiner Manufaktur in Straßburg zu Blüte, wenn er um 1750 Terrinen und Dosen als Salatkopf, Spargelbündel und Melone naturalistisch ausführte (Taxen je 4.000 bis 6.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 15. November um 17 Uhr mit der Abteilung Porzellan, Keramik und Glas und wird am 16. November ab 10:30 Uhr mit dem Kunstgewerbe fortgeführt. Die Besichtigung der Objekte ist noch bis zum 14. November täglich von 10 bis 17:30 Uhr und am 15. November von 10 bis 13 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



14.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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