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Marktberichte |
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Schweizer Kunst bei Sotheby’s in Zürich  Bübli mit Rübli

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 |  | Félix Vallotton, Lisière de fôret, 1920 | |
Sehr geheimnisvoll schimmert es durch Félix Vallottons Landschaft „Lisière de fôret“ aus dem Jahr 1920. In zahlreichen verschiedenen Grüntönen spiegelt sich das Licht einer nicht genau zu verortenden Sonne auf den Büschen und Bäumen des Waldrandes, mitunter fast edelsteingleich funkelnd. Dazwischen aber gähnen tiefe schwarze Löcher, die den Betrachter ins wesenlose Nichts regelrecht einsaugen und eine etwas unheimliche Atmosphäre hervorrufen. Eine romantische Landschaft ist dies eigentlich, die belegt, dass die sogenannte Neue Sachlichkeit, der Vallotton aufgrund seiner stilistischen Mittel mit einigem Recht zugeordnet wird, keineswegs ganz ausschließlich nüchtern-sachlich war. Auf der kommenden Versteigerung Schweizer Kunst bei Sotheby’s in Zürich ist dieser Waldrand mit 500.000 bis 800.000 Franken das Hauptlos. 200.000 bis 250.000 Franken soll Vallottons „Souvenir de Romanel“ von 1900 kosten. Der Garten mit einem Ausblick auf ein herrschaftliches Haus erinnert in seinen starken Kontrasten monochromer Farbflächen an die Holzschnitte des Künstlers.
Einen Millionenpreis, wie er doch gelegentlich die Schweizer Sektion bereichert, erwartet Sotheby’s am 3. Dezember für seine gut hundert Losnummern diesmal wohl nicht. Dafür gibt es eine reiche Auswahl im preislichen Mittelfeld vor allem aus der klassischen Moderne. Zu den besten Stücken der Auktion gehört Giovanni Giacomettis sonnenbeschienene „Winterlandschaft bei Capolago“ aus dem Jahr 1930 für 400.000 bis 600.000 Franken, die den breiten, teils heftigen Pinselstrich des Expressionisten mit der Schönlinigkeit und Farbharmonie eines versierten Vedutenmalers zu verschmelzen vermag. Etwas rascher hingeworfen hat er fünf Jahre zuvor einen Blick auf „Majola“ mit den im Nebel verschwindenden Bergeshöhen dahinter (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR). Für Giacometti eher ungewöhnlich ist der Anblick eines „Cavallo rosso“ aus dem Jahr 1922, auch noch von der Rückseite gegeben, so dass der große, in der Sonne glänzende Pferdepopo dem Betrachter zentral aus der Bildmitte heraus entgegen scheint. Franz Marc lässt zumindest aus der Ferne grüßen (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR).
Giovannis jüngerer Cousin Augusto Giacometti ließ sich sichtlich von der beginnenden Abstraktion inspirieren, als er 1917 seinen „Orangenwagen“ malte: Nur schemenhaft ist im Vordergrund eine dunkel verhüllte Figur zu erahnen, im Übrigen aber verschwindet das Gemälde in einem dichten Gewaber feinkörnig strukturierter Farbflächen (Taxe 400.000 bis 600.000 SFR). Später kehrte er zur Gegenständlichkeit zurück, doch die Malweise blieb auch „Im Atelier III“ von 1939 ähnlich pastos (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Am häufigsten tritt der Expressionist und zeitweilige Dresdner „Brücke“-Genosse Cuno Amiet auf, wobei von seinem koloristisch exquisiten „Bildnis Emilie Amiet-Baer“, seiner Stiefmutter, aus dem Jahr 1894 (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR) bis hin zu einem späten „Gewitterhimmel“ von 1932 die wichtigsten Schaffensphasen des Künstlers durchmessen werden (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR).
Von seinen besten Seiten zeigt sich Amiet bei einer aus dicht gesetzten kurzen Pinselstrichen modellierten „Mohnblume in blauer Vase“ 1908 (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR) und der von den Fauves ebenso wie von den avantgardistischen Kollegen in Deutschland profitierenden „Kindertoilette“ aus dem Jahr 1910 für 300.000 bis 500.000 Franken. Ein farbenfrohes Bildnis seiner Gattin Anna Amiet von 1923 mit Blumen in den Händen war 1934 sogar auf der Biennale in Venedig ausgestellt (Taxe 120.000 bis 160.000 SFR). Als Porträtist begleitet Sigismund Righini seinen Kollegen Amiet mit einem blau dominierten, frontalen Bildnis einer Frau samt ausladendem Hut aus dem Jahr 1909 (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Teuerer wird es bei Righinis weiblichem, am Tisch sitzenden Akt von 1899, der sich vom Betrachter abwendet. Hier stehen 30.000 bis 40.000 Franken auf dem Preisschild.
Die älteste Malerei vertreten Landschafter wie Robert Zünd mit einer spätromantischen, in rotes Licht getauchten „Abendstimmung am Seeufer“ (Taxe 90.000 bis 120.000 SFR) und Tiermaler wie Rudolf Koller mit seinen scheuenden Pferden während eines Gewitters von 1846 (Taxe 40.000 bis 50.000 SFR) oder Giovanni Segantinis „Natura morta con due lepri“ von circa 1880 für 80.000 bis 90.000 Franken. Als messerscharfer und auch liebevoller Beobachter tritt wieder Albert Anker hervor, wenn auch diesmal nur mit einer Handvoll Aquarelle, darunter dem „Bübli mit dem großen Rübli“ aus dem Jahr 1904 für 80.000 bis 120.000 Franken und dem alten „Lesenden Bauer auf dem Ofentritt“ von 1907 für 100.000 bis 150.000 Franken. Zu den eigenwilligsten Bildern zählt wohl Ferdinand Hodlers „Zorniger Krieger“, ein relativ frühes Werk des berühmten Jugendstilkünstlers aus der Zeit um 1884. Schon hier deutet sich der zeitlebens gepflegte Figurenstil des Meisters an: Monumental aus der Untersicht ist die statisch aufragende Gestalt des Mannes in Renaissancetracht wiedergegeben, der seinen energischen Blick irgendwo seitwärts in die Ferne richtet, unterstrichen in ihrer Mächtigkeit durch tote Krieger, der hinter ihm im Gras liegen (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR).
An Werken weniger bekannter Meister sind Gustave Buchets neusachliche, fein ausgearbeitete „Nature morte aux fruits“ von 1938 (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR) und Ignaz Eppers perspektivisch stark verzerrte „Stadtlandschaft mit Bahngeleisen und Schornsteinen“ um 1920 für 20.000 bis 30.000 Franken zu nennen. In diese Zeit datiert auch seine ebenso aufgefasste Farbstiftzeichnung mit Sonnenstrahlen über dem See, die für 2.000 bis 3.000 Franken vorliegt. Ihr buntes Treiben auf einem Jahrmarkt hat Géa Augsbourg 1929 perspektivlos in einen dunklen Hintergrund verortet und stellt der launigen Fröhlichkeit eine düstere Stimmung gegenüber (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Als einzige ungegenständliche arbeitende Künstlerin der Zwischenkriegszeit tritt die Amerikanerin Florence Henri mit einer um 1924 gemalten „Composition“ gemusterter Farbflächen auf (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Eng mit Vallotton war der wenige Jahre ältere Marius Borgeaud befreundet, und seine düsteren, trotz menschlicher Personnage sehr unbelebt wirkenden Interieurs „La tireuse de cartes“ von 1919 und „La tasse de thé“ von 1917 lassen sich gut mit der ähnlich melancholischen Grundstimmung vergleichen, die auch Vallottons Werke häufig umweht (Taxen je 60.000 bis 80.000 SFR).
In etwa die Richtung von Hodlers stilisierter Landschaftsmalerei schlug wiederum Max Buri 1910 mit seinem Blick über den „Brienzersee“ auf das bergige Ufer (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR) und einer schönen „Frühlingslandschaft“ samt aufblühendem Apfelbaum ein (Taxe 50.000 bis 60.000 SFR). Für viele Schweizer Künstler war die heimische Bergwelt ein unerschöpfliches Reservoir für immer neue Bildfindungen. Das zieht sich von einer ebenfalls jugendstiligen, verschneiten Winterlandschaft bei Maloja Walter von Ruckteschells aus dem Jahr 1912 (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR) bis hin zu Andreas Rickenbachers fotorealistischem Aletschgletscher aus dem Jahr 2012 (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR) oder Walter Ropélés stets farbintensiven, schematisierten Darstellungen, wie etwa „Wechselnd bewölkt, Piz Palü bis Piz Bernina“ ebenfalls von 2012 (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Dazwischen positionieren sich etwa noch der Fotograf Albert Steiner mit seinem Postkartenmotiv eines Sommertags am Silvaplanersee für 8.000 bis 12.000 Franken, Alfred Heinrich Pellegrini mit dem frontal hoch aufragenden Berg in der Winterlandschaft „Wenn es aufhellt, Grindelwald“ von 1950 (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR) oder Waldemar Fink, der exakt den selben Standpunkt und Ausblick im winterlichen Adelboden wählte, um eine Abendstimmung und Morgenstimmung zu malen. Sotheby’s hat die Pendants aus dem Jahr 1912 getrennt und bietet die Gouachen einzeln für 10.000 bis 15.000 Franken und 8.000 bis 12.000 Franken an.
Gegen die Mitte des Jahrhunderts dünnt sich die Riege berühmter Künstler aus der Schweiz zumindest in dieser Auktion aus – Alberto Giacometti wird ja lieber auf internationalem Parkett in London oder New York verkauft. Dafür gibt es ein schönes „Maquette mobile“ des 1920 geborenen Bildhauers Robert Müller aus den 1950er Jahren, aus Eisen geschmiedet und auf einen groben Holzsockel montiert. Auffällig ist die frühe Verwendung alltäglicher Gegenstände, die Müller als einen frühen Vertreter dieser Richtung ausweist (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Für seine farbig gefasste Holzskulptur „Ozon Opus I“ von 1947 legte Le Corbusier schon 1941 erste Ideen in einem Aquarell amorpher Formen nieder (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Von 1963 datieren Meret Oppenheims reliefartige „Zwei Vögel“: Die beiden stilisierten Tiere, deren Schnäbel sich um einen spiralförmigen roten Angelpunkt herum berühren, sind reliefartig in Weiß von einem beigefarbenen Fond abgehoben (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Max Bills bekannte Plastik „Zwilling als Viertelskugel“ liegt in einer kleinen Fassung aus sardischem Granit von 1969 für 60.000 bis 80.000 Franken bereit.
Die Auktion beginnt am 3. Dezember um 18 Uhr. Die Besichtigung läuft vom 30. November bis zum 2. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Katalog listet die Kunstwerke unter www.sothebys.com. |  | Kontakt: Sotheby’s Zürich Talstrasse 83 CH-8001 Zürich |
 | Telefax:+41 (044) 226 22 01 | Telefon:+41 (044) 226 22 00 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
29.11.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 22 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (19) |  | •  | Veranstaltung vom:
03.12.2012, Schweizer Kunst / Swiss Art |  | •  | Bei: Sotheby's
|  | •  | Bericht: Frau mit Hut sehr
teuer |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Bergschlucht mit Wasserfall |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Cavallo rosso, 1922 |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Hochgebirgslandschaft (Oberengadin), um 1918 |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Maloja, 1925 |  | •  | Kunstwerk:  Félix Vallotton, Souvenir de Romanel, 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Walter von
Ruckteschell, Winterlandschaft bei Maloja, 1912 |  |  |
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 Walter von
Ruckteschell,
Winterlandschaft
bei Maloja, 1912 |  | Taxe: 25.000 - 30.000 SFR Losnummer: 83 |  |  |  |  |  | 
 Ferdinand Hodler,
Der zornige Krieger,
um 1884 |  | Taxe: 100.000 - 150.000 SFR Zuschlag: 80.000,- SFR Losnummer: 1 |  |  |  |  |  | 
 Albert Anker,
Lesender Bauer auf
dem Ofentritt, 1907 |  | Taxe: 100.000 - 150.000 SFR Zuschlag: 100.000,- SFR Losnummer: 8 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Segantini,
Natura morta con due
lepri, um 1880 |  | Taxe: 80.000 - 90.000 SFR Losnummer: 6 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti,
Bergschlucht mit
Wasserfall |  | Taxe: 12.000 - 18.000 SFR Zuschlag: 12.000,- SFR Losnummer: 42 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti,
Hochgebirgslandschaft
(Oberengadin), um
1918 |  | Taxe: 12.000 - 18.000 SFR Zuschlag: 16.000,- SFR Losnummer: 41 |  |  |  |  |  | 
 Félix Vallotton,
Souvenir de Romanel,
1900 |  | Taxe: 200.000 - 250.000 SFR Zuschlag: 200.000,- SFR Losnummer: 72 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti, Maloja,
1925 |  | Taxe: 300.000 - 500.000 SFR Losnummer: 67 |  |  |  |  |  | 
 Marius Borgeaud, La
tasse de thé, 1917 |  | Taxe: 60.000 - 80.000 SFR Losnummer: 57 |  |  |  |  |  | 
 Sigismund Righini,
Frau mit Hut, 1909 |  | Taxe: 8.000 - 12.000 SFR Zuschlag: 62.000,- SFR Losnummer: 28 |  |  |  |  |  | 
 Robert Zünd,
Abendstimmung am
Seeufer |  | Taxe: 90.000 - 120.000 SFR Losnummer: 4 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti, Cavallo
rosso, 1922 |  | Taxe: 200.000 - 300.000 SFR Losnummer: 63 |  |  |
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