 |  | Martin Boyce, White Desaster, 2000 | |
Sammeln auf höchstem Niveau: Bereits zum fünften Mal seit 2001 zeigt die Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg eine Auswahl von Kunstwerken aus einer befreundeten Privatsammlung. Diesmal ist das Ehepaar Haubrok aus Berlin zu Gast. Die beiden Sammler, die ursprünglich aus dem Rheinland stammen, haben in den vergangenen fast 25 Jahren eine der angesehendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst zusammengetragen. Der Schwerpunkt von Axel und Barbara Haubrok, die 1988 ihr erstes Bild erwarben, liegt dabei auf jüngerer Konzeptkunst von internationalen Künstlern wie Jonathan Monk, Carol Bove, Martin Boyce oder Willem de Rooij. „Die Haubroks eifern nicht den notorischen Rankings in Kunstmagazinen nach“, erläutert Deichtorhallenintendant Dirk Luckow die Ausrichtung der Arbeiten aus der Sammlung Haubrok, die, eingebettet in ein künstlerisches Konzept, häufig auch politische oder sozialkritische Themen reflektieren. „Es geht um die Zwischenräume zwischen den Dingen, die aus der Wahrnehmung herausfallen.“
Während bei den letzten Sammlungspräsentationen in der Sammlung Falckenberg die eingeladenen Privatsammler in einen inhaltlichen Dialog mit den oft provokant aufgeladenen Arbeiten des Hamburger Sammlers traten, erhielt das Ehepaar Haubrok „Carte Blanche“ und richtete die Präsentation mit dem Titel „No Desaster“ autonom ein. „Der Sammler wird hier zum Kurator“, erläutert Dirk Luckow. Die Haubroks haben Erfahrung mit der Hängung eigener Arbeiten. Seit 2007 betreiben sie am Strausberger Platz in Berlin ihren eigenen Showroom mit wechselnden Ausstellungen. Bereits 2002 zeigten die Sammler eine Auswahl ihrer Werke im Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Mittlerweile haben sie eine Stiftung gegründet und etliche besonders markante Arbeiten als Dauerleihgabe den Staatlichen Museen in Berlin zur Verfügung gestellt. „Es geht darum, dass die Arbeiten gezeigt werden“, so Axel Haubrok, der bis vor zwei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Düsseldorf hatte und sein Vermögen mit der Beratung von Finanzdienstleistern gemacht hat. In Berlin sucht er in Zukunft weitere neue Herausforderungen. Das Ehepaar möchte seinen Showroom auf ein weitläufiges Gelände in Lichtenberg verlegen und dort in Dialog mit dem Ort und anderen Kultureinrichtungen treten.
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal haben die Haubroks ihren Auftritt in Hamburg und versuchen, die Hanseaten für ihre Vorliebe für politisch konnotierte und formal elegante Konzeptarbeiten von Willem de Rooij, interaktive Lichtarbeiten von Olafur Eliasson, den Tisch einer fiktiven Klofrau von Christoph Büchel oder komplexe Filme von Rodney Graham zu begeistern. Die Arbeiten sind dabei keineswegs spröde, oft aber intellektuell unterfüttert und erklärungsbedürftig. Axel Haubrok, der selber gerne Führungen gibt, erläutert: „Wir finden es gerade dann interessant, wenn Geschichten darin verborgen sind. Nur man muss die Geschichten lesen können.“ Harald Falckenberg als Gastgeber ist seit Jahren mit den Haubroks befreundet und schätzt deren in die Tiefe gehende Begeisterung für Konzeptkunst. Auch in seiner eigenen Sammlung befinden sich etliche konzeptuelle Arbeiten. In einen Kampf der Giganten allerdings soll der Gastauftritt nicht ausarten. Falckenberg versöhnlich: „Wir wollen hier keinen Leistungsvergleich machen.“
Die Ausstellung „Sammlung Haubrok bei Falckenberg: No Desaster“ läuft vom 8. Dezember bis zum 24. Februar 2013. Die Sammlung Falckenberg kann nur nach vorheriger Anmeldung in Hamburg-Harburg besucht werden. Öffentliche Führungen finden mittwochs und donnerstags um 18 Uhr, freitags um 17 Uhr sowie samstags und sonntags um 11 und 15 Uhr statt. Anmeldung unter 040 – 3250 6762 oder www.sammlung-falckenberg.de. Der Katalog ist in Vorbereitung. |