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Das Deutsche Architekturmuseum zeigt in Frankfurt eine aufschlussreiche Werkschau des Künstlerarchitekten Johannes Peter Hölzinger  Lichte Wellen und eingefrorene geometrische Formen

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 |  | Johannes Peter Hölzinger, Haus Hölzinger, Bad Nauheim 1975-1977 | |
Oft sind Architektenhäuser gebaute Manifeste. Völlig unerwartet trifft der Kunstfreund im beschaulichen Bad Nauheim bei Frankfurt ein solches aus der Zeit nach 1945. Im hessischen Staatsbad dominiert die grandiose Anlage des zwischen 1905 bis 1910 nach Plänen von Wilhelm Jost im Spätjugendstil errichteten Sprudelhofes. Im Gegensatz hierzu steht das Wohn- und Geschäftshaus des Architekten Johannes Peter Hölzinger, an dem sich wohl öfters die Geister scheiden. Errichtet zwischen 1975 und 1977, füllt es eine Baulücke in einer gründerzeitlichen Villengegend. Die turmartige Fassade gibt sich fensterlos. Auf annähernd quadratischem Grundriss setzt sie sich aus streng axialsymmetrisch gesetzten, vertikalen Winkel- und Kreissegmenten zusammen. An den vier Ecken und den Mittelachsen finden sich Halbschalen, dazwischen stehen Wandscheiben. Durch Schlitze voneinander getrennt, ergeben sich Fensterbänder, die dazu führen, dass in den oberen Geschossen die lenkende Lichtintensität zunimmt. Alle Wände sind weiß, ebenso die mit italienischem Marmor ausgelegten Böden. Durch die Krümmungen der Wände wird jede sanfte Nuancierung der Himmelsfärbung reflektiert, das Haus wird zum bunten, dennoch hermetisch geschlossenen Farbobjekt.
Rasch tun sich dem Kunstkenner Analogien zu Stelen von Heinz Mack, Lichtfeldern von Günter Ferdinand Ris oder zu kalten Raumfühlern von Erich Hauser aus dieser Epoche auf. Dies kommt nicht von ungefähr: Durch Freundschaft mit dem ZERO-Künstler Hermann Goepfert ist Hölzinger eng an das Kunstgeschehen der 1960er und 1970er Jahre angebunden. In einer großen Werkschau präsentiert nun das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main ein durch Eigenständigkeit ausgezeichnetes Lebenswerk eines Baukünstlers, weniger das eines Architekten. Denn Johannes Peter Hölzinger hat sich stets vom Ideal der Durchdringung von Bauen und Kunst leiten lassen.
Zur Welt kam Hölzinger 1936 in Bad Nauheim, wo er auch heute noch zu Hause ist. Nach ersten künstlerischen Versuchen auf dem Feld der Malerei schließt sich von 1954 bis 1957 an der Städelschule in Frankfurt das Studium der Architektur an. Hier entsteht eine folgenreiche Freundschaft mit dem zehn Jahre älteren ZERO-Künstler Hermann Goepfert, der ebenfalls aus Bad Nauheim stammt. Nach jahrzehntelangem, freiberuflichem Schaffen übernimmt Johannes Peter Hölzinger 1991 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, die er bis zum Jahr 2002 innehat.
Die an der Chronologie orientierte Präsentation im DAM setzt ein mit an Ludwig Mies van der Rohe orientierten Studienarbeiten und frühen Einfamilienhäusern in Bad Nauheim, wo sich ein großes Ensemble von Hölzingers Arbeiten findet. Die Privatvillen der weißen Moderne zwischen 1958 bis 1962 zeigen in ihrer klaren stereometrischen Differenzierung und Ablösung des Hauptgeschosses vom Boden Anleihen an Le Corbusiers Elementarismus. Sie oszillieren zwischen plastischer Einheit und Fügung aus Einzelelementen. Schon hier beginnt die Integration von Kunst mit dem Bemühen, die Hierarchie der Architektur zu überwinden.
Vom unikaten Bau führt der weitere Weg in den 1960er Jahren zu Clustern. Johannes Peter Hölzinger verarbeitet die Megastrukturen und künstlerisch-architektonischen Visionen des Niederländers Constant Nieuwenhuys und entwirft Gitterkonstruktionen mit über der Erde schwebenden Wohneinheiten aus Fertigelementen, die Individuelles in ein Kollektiv einbinden. Mit den sozial-utopischen Projekten aus modularen Verdichtungen von Elementen in endlosen Räumen wendet er sich von Le Corbusiers geschlossener Formenwelt ab. Serien, Strukturen, Vielfalt von Elementen, das Licht, der Raum sowie Bewegungen werden bestimmend, protegiert durch immer stärkere Serienfertigungen von Gebrauchsgütern und die rasante Entwicklung des Automobilaufkommens.
Ab 1963 widmet sich Hölzinger den Planungen für die Bundesgartenschau in Karlsruhe. Herausragendes Werk in der Erlebnislandschaft aus Raumfolgen mit unterschiedlichen architektonischen und künstlerischen Schwerpunkten ist das nicht mehr existente Seerestaurant im Karlsruher Schlosspark. Dabei handelt es sich um ein Strukturfeld aus Lichtröhren, die in ein orthogonales Gitterraster eingehängt sind. Das über Glaswänden schwebende Dach ist quasi ein aus Lichtmodulationen bewegtes Objekt, das in den Park ausstrahlt und sich im See spiegelt. Daneben kreiert Hölzinger einen Lichtgarten, Wasserstelen und ein Bodenrelief.
In diese Phase fällt die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Goepfert, die offiziell ab 1965 als Pionierteam unter der Bezeichnung „Planungsgemeinschaft für neue Formen der Umwelt“ firmiert. Hier wollen sie ihre Ideen der Verschränkung von Kunst und Bauen verwirklichen. Über einhundert Kunstprojekte im öffentlichen Raum werden bis zu Goepferts Tod am 4. Februar 1982 in Antwerpen gemeinsam entwickelt, darunter der „Löffelwald“ in der Bonner Rheinaue im Jahr 1979 oder ein Kunstkonzept für das neue Bonner Bundeskanzleramt. Immer sind sie von den Gedanken getragen, Passanten aktiv über Bewegungen mit einzubinden. Die Entwicklung einer kreuzungsfreien „Psycho-dynamischen Straße“ 1968 zeigt sich mehr als ideologisch-idealtypischer Wunschtraum denn realitätsbezogen.
In Bad Nauheim entsteht bis 1972 eine Wohnanlage expressiv-dynamischen Charakters, bei der wellenförmige Betonscheiben als Grund- und Traggerüst mit der Topografie korrespondieren sowie Licht- und Schattenspiele entfachen. Dem selben Prinzip folgt das in Etappen bis 1983 realisierte evangelische Gemeindezentrum von Bad Nauheim. Ab 1980 schlägt das Team mit Erdreliefs eine neue Richtung ein. Der Erdkörper wird in den menschlichen Lebensraum einbezogen, indem sie den Boden mittels Erdaufklappungen öffnen. So wird in den 1980 erstellten Entwürfen für das neue Museum für Kunsthandwerk in Frankfurt der Erdkörper durch einen Zick-Zack-Schnitt aufgebrochen und auseinandergerückt. Ausgehend von der Kubatur der historischen Villa Metzler stellt Hölzinger getrennt nach Epochen Pavillons in das „Museumstal“ ein. Ähnlich spannungsreich wie kristallin ausgeformt, sind die Planungen für eine Erweiterung der Neuen Nationalgalerie in Berlin oder für eine weitere, bis 1983 realisierte Wohnanlage in Bad Nauheim.
Vom Anfang der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre beschäftigt sich Johannes Peter Hölzinger mit umfangreichen Neubauten des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn. Markant in dem riesigen Ensemble aus Ministergebäude, Führungs- und Konferenzzentrum ist das Kasino. Die Erdoberfläche wurde mit einem Kreuzschnitt aufgeklappt und öffnet den Erdraum für die Restaurationsbereiche. Darüber hinaus entwirft Hölzinger ein ganzheitliches visuelles Leitsystem des Geländes aus den Grundstrukturen Winkel, Welle, Halbschale und Spirale. Immer stärker reduzieren sich Hölzingers bildnerische Eingriffe auf den Schnitt und Richtungsverlauf. Von 1987 bis 1994 konzipiert er das Wohn- und Atelierhaus Anthes in Liederbach am Taunus als aufklappendes „Erdkeilhaus“.
Das Jahr 1991 ist eine Zäsur im Schaffen Hölzingers. Er übernimmt in Nürnberg eine Professur, in dessen Rahmen er 1992 die erstmalige Gründung der interdisziplinären Klasse „Kunst und öffentlicher Raum“ auf den Weg bringt. Frei von Rücksichtnamen und Auftragsdruck, kann er sich nun „Protestplanungen“ leisten, so 2006 gegen die Form des Wiederaufbaus des Frankfurter Römerberges.
Hölzingers Œuvre lässt sich in keine Schublade der Architekturgeschichte pressen. Es zeichnet sich durch große Eigenständigkeit aus, orientiert am Ideal der Durchdringung von Architektur und Kunst. Fast bühnenhaft anmutende kinetische Erfahrbarkeit im Sinne von ZERO und die der Land Art nahestehenden Erdreliefs demonstrieren in ihrer assoziativen Bezugnahme auf Stilepochen eine gelungene Verschmelzung verschiedener Ideen. Zum 75sten Geburtstag übereignete Hölzinger 2011 seinen Bestand an Skizzen, Zeichnungen, Modellen und Skulpturen dem DAM.
Die Ausstellung „Johannes Peter Hölzinger – Psychodynamische Raumstrukturen“ ist noch bis zum 13. Januar 2013 zu besichtigen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr und sonntags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßig 3,50 Euro. Zur Ausstellung ist an der Museumskasse ein umfangreicher Katalog für 39 Euro erhältlich. |  | Kontakt: Deutsches Architekturmuseum Schaumainkai 43 DE-60596 Frankfurt am Main |
 | Telefon:+49 (069) 21 23 88 44 | Telefax:+49 (069) 21 23 63 86 |  |  | Startseite: www.dam-online.de |
26.12.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke |  |
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 Adressen (1) • Variabilder (12) • Künstler (2) • Im Verkauf - Events (1) |  | •  | Bei: Deutsches
Architekturmuseum |  | •  | Variabilder:  Johannes Peter Hölzinger, 2002 |  | •  | Variabilder:  Planungsgemeinschaft Goepfert-Hölzinger, Wohnbebauung Höhenweg 11, Bad Nauheim 1969-1972 |  |  | •  | Variabilder:  Planungsgemeinschaft Goepfert-Hölzinger, Wohnanlage Hochwaldstraße 44, Bad Nauheim 1979-1983 |  | •  | Variabilder:  Planungsgemeinschaft Goepfert-Hölzinger, Evangelisches Gemeindezentrum, Friedberg-West 1969-1983 |  | •  | Variabilder:  Planungsgemeinschaft Goepfert-Hölzinger, Evangelisches Gemeindezentrum, Friedberg-West 1969-1983 |  |  | •  | Variabilder:  Johannes Peter Hölzinger,
Erdkeilhaus Anthes, Liederbach/Taunus 1987-1994 |  | •  | Variabilder: 
Johannes Peter Hölzinger, Kasino Bundesministerium der Verteidigung, Bonn 1987-1997 |  | •  | Variabilder: 
Johannes Peter Hölzinger, Kasino Bundesministerium der Verteidigung, Bonn 1987-1997 |  |  |
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 Johannes Peter
Hölzinger, 2002 |  | |  |  |  |  |  | 

Planungsgemeinschaft
Goepfert-Hölzinger,
Wohnbebauung
Höhenweg 11, Bad
Nauheim 1969-1972 |  | |  |  |  |  |  | 

Planungsgemeinschaft
Goepfert-Hölzinger,
Wohnanlage
Hochwaldstraße 44,
Bad Nauheim
1979-1983 |  | |  |  |  |  |  | 

Planungsgemeinschaft
Goepfert-Hölzinger,
Evangelisches
Gemeindezentrum,
Friedberg-West
1969-1983 |  | |  |  |  |  |  | 

Planungsgemeinschaft
Goepfert-Hölzinger,
Evangelisches
Gemeindezentrum,
Friedberg-West
1969-1983 |  | |  |  |  |  |  | 
 Johannes Peter
Hölzinger,
Erdkeilhaus Anthes,
Liederbach/Taunus
1987-1994 |  | |  |  |  |  |  | 
 Johannes Peter
Hölzinger, Kasino
Bundesministerium
der Verteidigung,
Bonn 1987-1997 |  | |  |  |  |  |  | 
 Johannes Peter
Hölzinger, Kasino
Bundesministerium
der Verteidigung,
Bonn 1987-1997 |  | |  |  |  |  |  | 
 Johannes Peter
Hölzinger, Kasino
Bundesministerium
der Verteidigung,
Bonn 1987-1997 |  | |  |  |  |  |  | 
 Johannes Peter
Hölzinger, Haus Dr.
Bongartz, Bad
Nauheim 1958-1960 |  | |  |  |  |  |  | 

Planungsgemeinschaft
Goepfert-Hölzinger,
Seerestaurant für
die
Bundesgartenschau
1967 im Schlosspark
Karlsruhe,
1964-1967 |  | |  |  |
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