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Georg Aerni bei Bob Gysin in Zürich

Georg Aerni, Loma de Guillén I, 2012

Es kann noch so schönes Wetter sein, noch so herrlich die Sonne scheinen – Georg Aernis Fotografien aus der Serie „El jardín de los ciclopes“ wirken auf den Betrachter dennoch überwiegend melancholisch, manchmal fast trist. Der Grund liegt freilich nicht in einer etwa mangelhaften Technik, sondern in den Motiven, die sich Aerni in dieser 2012 entstandenen Fotofolge gewählt hat. Es sind gebirgige Gelände im Gebiet Campo de Dalías östlich der Stadt Almeria im sogenannten „Armenhaus“ Südspaniens. Seit den 1960er Jahren hat die Region zwar große wirtschaftliche Fortschritte gemacht, doch damit einher ging ein großer Wandel der örtlichen Gegebenheiten, der nicht selten die Zerstörung der natürlichen Umwelt beinhaltete. Die Galerie Bob Gysin in Zürich stellt Aernis neue Fotoserie nun seit dem Wochenende in ihren Räumen in der Ausstellungsstrasse nahe dem Hauptbahnhof vor.

So sind es vor allem die Spuren einer teils gewaltsam anmutenden Bautätigkeit, die Georg Aerni in seinen neuen Aufnahmen festhält: riesige Wasserbecken, menschenleere Stadtwüsteneien, unvollendete Straßen mit sinnlos in der Gegend herumstehenden Brückenpfeilern, Strommasten auf schroffen Felsblöcken und immer wieder weiße Planen, mit denen verlassene Baustellen in teils unübersehbarer Weite abgedeckt sind. Eine in ihrer sachlichen Ästhetik leicht unterkühlte Formschönheit, die die handwerkliche Sicherheit des Meisterfotografen belegt, und abstoßende Hässlichkeit liegen in diesen folglich nur scheinbar rein dokumentarischen, in Wahrheit aber auch schon kritisch kommentierenden Aufnahmen manchmal fast untrennbar eng beieinander.

Immer wieder beschäftigt sich Georg Aerni in seinem künstlerischen Schaffen mit nachhaltig beschädigten Umräumen, die als häufig unvorhergesehene Folge bewusster oder auch unbewusster, weil planloser Expansion menschlicher Zivilisation entstanden sind. Vor allem die gescheiterte Utopie der rein funktionalen und dadurch menschenfreundlich gedachten Stadt im 20. Jahrhundert ist dabei ein großes Thema – kein Wunder: Der 1959 in Winterthur geborene Aerni selbst machte 1986 zunächst sein Architekturdiplom an der ETH Zürich, bevor er sich verstärkt der Fotografie zuwandte. In Einzelausstellungen ist er überwiegend in der Schweiz aktiv, so 2005 in der Kunsthalle Winterthur. Von der Galerie Bob Gysin wird Aerni seit 2006 vertreten.

Die Ausstellung „Georg Aerni – El jardín de los ciclopes“ läuft bis zum 30. März. Die Galerie Bob Gysin hat dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

Galerie Bob Gysin
Ausstellungsstrasse 24
CH-8005 Zürich

Telefon: +41 (0)44 – 278 40 60
Telefax: +41 (0)44 – 278 40 50


11.02.2013

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 Aerni, Loma de Guillén I, 2012
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