Nazi-Beutekunst: Fund von Auktionsprotokollen Die Provenienzforschung zu enteigneter Kunst während der Nazi-Zeit kommt einen bedeutenden Schritt voran. Denn vor einigen Tagen sind in München Auktionsprotokolle der Firmen Adolf Weinmüllers, eines der wichtigsten Händler von Beutekunst, entdeckt worden. Dabei handelt es sich um Versteigerungskataloge mit Notizen aus den Jahren 1936 bis 1945. Das teilte das Auktionshaus Neumeister, der Nachfolger Weinmüllers, heute mit. Das aufgefundene Konvolut umfasst handschriftlich annotierte Kataloge und Handexemplare aller 33 Münchner Versteigerungen im Zeitraum von 1936 bis 1945 sowie elf von 18 Wiener Versteigerungskatalogen zwischen 1938 und 1945. Damit liegen zum Großteil der insgesamt 34.500 in diesem Zeitraum gehandelten Objekte nun wesentlich genauere Informationen als bisher vor.
Die Angaben umfassen auch die Einlieferer und Käufer der Kunstwerke. So lassen sich die frühren Besitzverhältnisse nun einfach rekonstruieren. Die Kataloge lagerten jahrzehntelang in einem Keller im Rückgebäude des heutigen Auktionshauses. Dieses wichtige Material soll der Forschung so schnell wie möglich zugänglich gemacht werden. Im Rahmen einer Sofortmaßnahme sollen die Unterlagen daher digitalisiert, ausgewertet und die Daten in geeigneter Weise zugänglich gemacht werden.
Bereits im November 2009 hat das Kunstauktionshaus Neumeister gemeinsam mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München eine Untersuchung der Naziverstrickung seiner Vorgängerfirma Weinmüller initiiert. Die Studie „Die Kunsthandlungen und Auktionshäuser von Adolf Weinmüller in München und Wien 1936-1945“ von Meike Hopp, Kunsthistorikerin und Leiterin des Projekts, wurde in Mai 2012 vorgestellt. Dabei traten in der Person Weinmüllers grundlegende Erkenntnisse zum Kunsthandel im Nationalsozialismus zutage. So stieg er zum nahezu konkurrenzlosen Münchener Kunstversteigerungshaus auf, nachdem der jüdische Kunsthändler Hugo Helbing 1936 sein Auktionshaus schließen musste. 1938 arisierte Weinmüller auch das Traditionshaus der jüdischen Kunsthändlerfamilie Kende in Wien. |