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Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Die Art Brussels hat sich fest im internationalen Messereigen etabliert. Mit Katerina Gregos stand diesmal eine neue Leiterin an der Spitze

The future is a secret?



Dieser Satz prangte in großen Lettern inmitten der Koje der Galerie Aeroplastics aus Brüssel neben zwei überdimensionierten Bienen, die signalisieren sollen, dass selbst die Natur über uns hinauswachsen kann. Die wichtigste Frage zu Beginn der Messe war wohl: Wie sieht es mit der neuen Leitung der Art Brussels aus? Wird sie über das Niveau, das Karen Renders seit 1997 ständig steigerte und bis zu ihrem plötzlichen Tod hielt, hinauswachsen? Katerina Gregos hat einen langen Weg vor sich. Sie ist Griechin, in Brüssel ansässig, verantwortlich für Newtopia in Mechelen, Kuratorin der letzten Manifesta in Genk. Eine Frau mit Erfahrung, aber genügt das auch für eine Messe? Die Art Brussels begann schon mit einer Panne begann, die von den Verantwortlichen totgeschwiegen wurde. Bei drei amerikanischen Galerien hielt der Zoll die Kunstwerke vor dem Presserundgang zurück. Man war in Belgien durch die terroristischen Ereignisse in Amerika verunsichert und nahm es mit der Prüfung genauer. So jedenfalls munkelt man hinter vorgehaltener Hand. Vielleicht lag es aber auch an den Kunstwerken von Ai Weiwei oder dem chinesischen Nachwuchskünstler Wu Jian’an, den Chambers Fine Art aus New York im Gepäck hatte.


Neben den überdimensionierten Bienen von Jean-François Fourtou zeigte Aeroplastics eine abstrakte Farbarbeit von Daniele Buetti, bei der der Schweizer Glas über abstrakte Farbfelder legt und damit einen Vergrößerungseffekt evoziert. Die Galerie Transit aus Mechelen setzte auf neue Werke von Mehdi-Georges Lahlou. Der Künstler mit marokkanischen Wurzeln ist sowohl im Islam als auch im Christentum verankert. Immer wieder spielt er mit religiösen Assoziationen, die den Betrachter zum genauen Hinschauen zwingen, um etwa zu erkennen, dass in der Arbeit „Fontaine“ kein Davidstern abgebildet ist. Denn das vermeintlich jüdische Symbol besteht aus acht anstelle der sonst üblichen sechs Sternspitzen. In dem Motor betriebenen Brunnen schwimmen ineinander verschränkte Hände aus Wachs, gedacht als Anspielung auf das rituelle Waschen der linken Hand im Islam. Für 6.000 Euro ist dieses Werk mit echten Blattgoldflocken zu haben.

Mit Geld und wofür es auf dieser Welt ausgegeben wird, beschäftigt sich Carlos Aires bei der ADN Galeria aus Barcelona. Verschiedene Währungen werden zu Insekten, Menschen, Tieren, Pflanzen zusammengeschnitten und in einen neuen Bildkosmos gestellt; andere Geldscheine zeigen in ihrer Mitte hässliche Szenen von Leid, Elend und Folter. Thomas Brambilla kehrte mit leichtem Gepäck nach Italien zurück. Für den im Bergamo ansässigen Galeristen war Art Brussels die beste Messe der letzten zwei Jahre. Allein sieben Kunstwerke des Amerikaners Grayson Revoir fanden neue Besitzer. Tucci Russo, ebenfalls aus Italien, machte Furore mit der deutschen Zeichenkünstlerin Christiane Löhr, die ihren Erfolg sofort an ihren deutschen Galeristen Werner Klein per Telefon durchgab. Außerdem nahm die Galerie eine Option auf Tony Craggs Würfelskulptur mit nach Hause.

„Young Talents“ ist ein altes Thema der Brüsseler Messe, das besonders Karen Renders am Herz lag. In diesem Jahr wurde das Format neu aufgemischt und die junge Galerienszene in Bewährtes integriert. Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal erstaunlich viel Nachwuchs aus Berlin. Auffallend war ein kinetische Bild von Pe Lang, der eigentlich Peter Lang heißt, aus der Schweiz und nicht aus China stammt, wie der Name vermuten lässt. In dieser technisierten und trotzdem ästhetischen Arbeit ziehen bewegliche schwarze Schnüre bewegliche schwarze Kreise aus Kunststoff übereinander und das in einem ziemlichen Tempo, ohne sich zu verheddern. Die „Moving Objects“ gab es für 14.000 Euro bei der Berliner Galerie Mario Mazzoli.

Preiswert ab 2.000 Euro waren dagegen die kleinen sinnlichen Ölgemälde von Manuele Cerutti ausgezeichnet, der seine vorwiegend stilllebenhaften Sujets bei 401contemporary aus Berlin ausstellte. Die Berliner Kollegin Société von Hans Bülow und Daniel Wichelhaus fuhr in diesem Jahr zweigleisig. Sie war mit dem exakt gleichen Programm und exakt dem gleichen Aufbau mit den exakten gleich aussehenden Kunstwerken sowohl in Brüssel als auch in Köln vertreten. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der Karen Renders-Preis für die beste Galeriepräsentation im Bereich „Young Talent“ ausgelobt. Die einzige Jurorin dafür war Katerina Gregos, die Gewinnerin die Galerie D+T Project aus Brüssel. Da bleiben einige Fragen offen.

Der Wechsel von Halle 3 zu Halle 1 war gleichbedeutend mit dem Wechsel aus der Grundschule in das Gymnasium. Hier wurde viel verlangt, vor allen Dingen finanziell, denn in dieser Halle wurde Altbewährtes präsentiert. Samuel Vanhoegaerden aus Knokke verkaufte schon am ersten Tag, an dem nur geladene Gäste Zutritt zu den Messehallen hatten, ein seltenes Werk von Damien Hirst. Dabei handelt es sich um eine kleine farbige Abstraktion, das Original aus einer Auflage von 250 Stück. 100.000 Euro sind dafür ein beachtlicher Preis. 100.000 Euro waren auch für ein abstraktes Werk von Alexander Calder von 1965 angesetzt. Weiße Arbeiten von Bram Bogart, die sich wohltuend beruhigend von seinen farbigen pastosen Bildern absetzen, gab es für 95.000 Euro und 55.000 Euro. Der ortsansässige Xavier Hufkens ist Stammgast der Art Brussels und hatte auch die teuerste Arbeit aufs Messegelände mitgebracht: Roni Horns 2008 entstandene Glasskulptur „Pink Around“ für 900.000 Dollar.

Ursula Krinzinger präsentierte stolz das neueste und 60.000 Euro teuere Werk von Jonathan Meese mit dem vieldeutigen Titel „Colonel Halligulli hat immer untenrum Recht“, in dem das einzig Provokante ein Blechschild mit der Aufschrift „Deutsches Reich“ in einem Rausch aus Farben ist. Aus der letzten Ausstellung des Jahres 2012 hatte die Wien Galerie eine Bronze für 49.000 Euro auf die Messe transferiert, in der Meese Alltagsgegenstände zu einer Skulptur zusammenfügt. Mario Mauroner setzte auf den großen belgischen Künstler Jan Fabre. Aus der Serie „Tribute to Hieronymus Bosch in Congo“ stellte die Salzburger Galerie das Werk „King Leopold II“ vor, ein großes Materialbild mit den typischen grünen Käfern, die die königlichen Insignien dreidimensional werden lassen. Es sollte 245.000 Euro kosten. Außerdem gab es dort verwirrende Spiralbilder aus feinsten Hobelspänen von Alfred Haberpointner mit dem Titel „Zentralisation“, die den Betrachter unwillkürlich wie in einem Sog in das Kunstwerk ziehen.

Die 31ste Ausgabe der Art Brussels begrüßte in diesem Jahr über 30.000 Besucher. Es gab einige Neuerungen wie in ein rundes Kino und neue Uniformen für die Hostessen. Ansonsten zeigte sich die Messe etabliert und selten aufregend. Das Experiment ist der Solidität gewichen. Wer auf Entdeckungstour unterwegs war, hatte hier wenig zu erwarten. Wer die Qualität suchte, war hier richtig. Viele Westflamen – das sind die, die in Belgien das Geld haben – waren unterwegs. Das war schon mal nicht schlecht. Aber reicht das für die Zukunft?

www.artbrussels.be



24.04.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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