Gotthard Graubner gestorben Gotthard Graubner ist tot. Der Maler, der mit seinen „Farbraumkörper“ internationale Bekanntheit erlangte, starb am vergangenen Freitag in Neuss. Er wurde 82 Jahre alt. Das gab die Stiftung Insel Hombroich in Neuss bekannt, mit der Graubner viele Jahre lang eng verbunden war und wo er die Ausstellungspräsentation verantwortete. Zur Welt kam Graubner 1930 in Erlbach im Vogtland. Nach seiner Ausbildung an der Meisterschule für Textilindustrie in Plauen und dem Kunststudium an der Staatlichen Kunstakademie Dresden von 1948 bis 1952 ging Graubner 1954 in den Westen und studierte nochmals bis 1959 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Georg Meistermann. Danach unterrichtete er zunächst als Kunsterzieher an einem Düsseldorfer Gymnasium, wechselte 1965 als Lehrbeauftragter an die Hochschule für bildende Künste nach Hamburg und erhielt dort 1969 eine Professur. 1976 kehrte Graubner nach Düsseldorf zurück und war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 Professor für Freie Malerei an der Kunstakademie.
Thema von Gotthard Graubners Kunst ist die Qualität der Farbe. Seit 1962 beschäftigte er sich mit dieser Grundkonstante der Malerei. Dafür arbeitete mit Leinwänden, die er mit synthetischer Watte unterfütterte und so in den Raum ausbauchte. Darauf trug Graubner die lasierenden Farben auf, die in die Kissen einsanken und so mittels variierender Intensität etwas Dreidimensionales und Körperhaftes suggerierten. So entstanden seine vielgestaltigen „Kissenbilder“ und später die „Farbraumkörper“, damit ein Universum aus Licht und Dunkelheit, aus Tönen, Sättigungsgraden, Verläufen, Nebeln, Übergängen und Verfestigungen. Seine Gemälde, die in den großen Museen der Welt hängen, öffnen sich nicht nur zu imaginären Lichträumen, sondern wachsen auch plastisch in den realen Raum zu organisch sanft gewölbten, ausgedehnten, atmenden Bildleibern aus. Dieses Konzept erweiterte Graubner in den 1960er Jahren zu environmentartigen Nebel- und Farblichträumen, um dem Besucher ganz in seine Arbeit zu integrieren.
Graubners meditative Bildorganismen, die in der Verdichtung der Farbmaterie entstehen und von der Farbaufspaltung in feine Modulationen leben, gefielen der Kunstwelt. 1960 lud der legendäre Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela ihn zu einer Ausstellung in seine Räume ein. 1968 folgte der große internationale Durchbruch mit Grauberns Teilnahme an der Documenta in Kassel, die sich 1977 wiederholte. 1979 war Gotthard Graubner auf Biennale von São Paulo zugegen, 1982 vertrat er die Bundesrepublik Deutschland bei der Biennale in Venedig. Fast in allen großen deutschen Museen wurden ihm Einzelausstellungen zuteil. Neben zahlreichen Auszeichnungen, wie dem August-Macke-Preis der Stadt Meschede im Jahr 1987, dem Wiesbadener Otto Ritschl-Preis im Jahr 2001 oder der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes im Jahr 2002, ließ 1988 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker den Empfangssaal in Schloss Bellevue mit Grauberns Diptychon „Begegnungen“ ausstatten. Zudem hängt eines seiner Werke im Berliner Reichstagsgebäude. |