|
 | 
 |
Marktberichte |
|
|
Möbel, Skulpturen und Antiquitäten im Wiener Dorotheum  Krokodil frisst Kind

|
 |  | Rom, Kommode, Mitte 18. Jahrhundert | |
Teuerstes Möbelstück der kommenden Versteigerung von Antiquitäten im Wiener Dorotheum ist eine barocke Kommode römischer Herkunft des mittleren 18ten Jahrhunderts, die sich ehemals im Besitz der Joséphine Maximilienne Eugénie Napoléonne de Beauharnais, einer Stiefenkelin Kaiser Napoleons I., befand. Das ausladende und bombierte Möbelstück stand im königlichen Palazzo Caprara Montpensier in Bologna, den Napoleon Bonparte 1806 von Graf Carlo Capara mit sämtlichem Inventar abgekauft und ihn Joséphine zum Geschenk gemacht hatte. Darauf verweist ein Papieretikett auf der Unterseite der Kommode, bei der das von streifenartigem Nussholz gerahmte, unruhige innere Wurzelmaserfurnier besonders ins Auge sticht. Auf die imperiale Provenienz scheinen auch die Füße des fast zwei Meter breiten Stücks in Form von Adlerklauen zu verweisen, die sich um goldene Kugeln krallen. Das Dorotheum und der Einlieferer erwarten hierfür 65.000 bis 80.000 Euro.
Historismus pur zeigen am 14. Oktober ein großes Bureau plat mit reichem Wechselspiel zwischen Schildplatt und Messingeinlagen im Stil André-Charles Boulles (Taxe 28.000 bis 35.000 EUR) und ein dreibeiniger Rundtisch des Münchner Meisters Franz Xaver Fortner mit feinem Akanthus- und Bandelwerk, er sowohl Formen des Barock wie der Renaissance aufgreift (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Original noch aus der Zeit um 1750/60 stammt eine ebenfalls italienische Kommode aus der Lombardei mit filigranen Elfenbeineinlagen, unter anderem einer galanten Rokokoszene (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Auf den französischen Ebenisten Bon Durand verweist der Stempel auf einer strengeren Kommode, die bereits die Zeit der Transition um 1770 und damit den Übergang zum Klassizismus markiert (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).
Das älteste Objekt aus der Skulpturenabteilung geht noch auf das ausgehende 13te Jahrhundert zurück: eine französische Madonna, die in ihrem starken S-Schwung und dem andächtigen Lächeln noch Reflexe der Meister von Reims und Straßburg erkennen lässt (Taxe 30.000 bis 36.000 EUR). Ansonsten bildet die Zeit um 1500 einen Schwerpunkt, etwa mit einem mantelteilenden heiligen Martin oberösterreichischer Herkunft für 20.000 bis 26.000 Euro, einer im Faltenwurf reich bewegten Schutzmantelmadonna um 1480 mit einer Gruppe kleiner Mönche zu ihren Füßen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder einer trauernden Maria aus einer niederrheinischen Kreuzigungsgruppe für 50.000 bis 60.000 Euro.
Aus der Barockzeit sticht eine einen Meter hohe Marmorgruppe mit dem Kampf zweier Männerakte hervor, wohl des Polydeukes gegen Lynkeus. Der berühmte Sachse Balthasar Permoser wird für diese ebenso kraftvolle wie virtuose Verbildlichung in Anspruch genommen, die mit 100.000 bis 130.000 Euro eines der Hauptlose der Auktion ist. Aufmerksamkeit verdient auch die seltene Darstellung einer heiligen Anna mit ihrem Enkelkind auf dem Arm von Giovanni Giuliani und seiner Werkstatt, der vor allem für seine Ausstattung im niederösterreichischen Zisterzienserstift Heiligenkreuz berühmt wurde (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Johann Franz Schwanthaler zeichnete wohl für eine Madonna in polychrom gefasstem Relief um 1720/30 verantwortlich (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).
Noch bei den Möbeln ist Philippe Poitevins lebensgroße Marmorskulptur einer jungen Dame in antikischer Gewandung eingeordnet, die sich zierlich einem schaletragenden Putto hinabwendet. Um 1872 wird das elegante Salonstück datiert (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Auch eine „Junge Mutter mit Kind“ als weiblicher Akt mit Weinlaubbekränzung, signiert mit Francesco Bienaimé, lässt sich wohl am ehesten dem Neobarock zuordnen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Bei den übrigen dekorativen Einrichtungsgegenständen steht ein Paar französischer Empire-Kandelaber mit antikischen Viktorien als Trägerinnen der siebenflammigen Leuchter mit 100.000 bis 150.000 Euro auf der Schätzpreisliste ganz oben. Eine der ältesten Stücke ist eine romanische Löwenskulptur aus Silber mit blauen Lapislazuliaugen. Die Arbeit aus dem 12ten oder 13ten Jahrhundert hat wohl als Dekorationsobjekt an einem Thron gedient (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).
Höchste Ansprüche werden auch bei den Uhren gestellt: 200.000 bis 300.000 Euro soll eine gut erhaltene Stockuhr des berühmten englischen Uhrmachers Thomas Tompion aus der Zeit um 1690 kosten, und mit 50.000 bis 80.000 Euro schlägt eine „Bernard Geissler in Wien“ signierte Laterndl-Bodenstanduhr zu Buche, wie sie typisch für das Biedermeier im ersten Drittel des 19ten Jahrhunderts ist. Über eine nicht allzu umfangreiche Glassuite, bei der Johann Joseph Mildners Becher mit der Portrait der Marie Antoinette von 1799 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und Anton Kothgassers Ranftbecher mit dem Wiener Stephansdom von 1823 herausragen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), gelangt man zum Porzellan.
Diese Abteilung ist zahlenmäßig am umfangreichsten bestückt. Beim Dorotheum stammt naturgemäß ein Großteil aus der kaiserlichen Manufaktur in Wien, etwa eine Gruppe mit dem Urteil des Paris aus der Mitte des 19ten Jahrhunderts in Biskuit-Porzellan (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder ein ebenfalls monochrom weißer Apoll mit Lyra noch aus der Zeit um 1750 (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). Dann aber drängt auch Meißen in den Vordergrund ebenfalls mit Figürlichem, wie einer buntfarbigen Schäfergruppe um 1750 (Taxe 26.000 bis 38.000 EUR), einem galanten „Verlöbnis“ zwischen vornehmen Herrschaften (Taxe 26.000 bis 30.000 EUR) oder auch der eher grausamen Darstellung eines Krokodils mit einem Kleinkind im Maul um 1740 (Taxe 5.500 bis 8.000 EUR), allesamt nach Entwürfen Johann Joachim Kändlers. Die berühmte Serie „Cris de Paris“ von Peter Reinicke nach Vorlagen Christophe Huets steht mit 34 Einzelstücken zur Verfügung, allerdings nur in einer Ausformung aus dem zweiten Drittel des 20sten Jahrhunderts (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).
Als hübsches Meißner Gefäß ist ein um 1738/40 von Kändler entworfenes Likörfässchen samt Gestell zu nennen, auf dem sich ein kleiner Bacchusknabe bereits fröhlich betrinkt (Taxe 22.000 bis 30.000 EUR). 90.000 bis 140.000 Euro stehen auf dem Etikett einer St. Petersburger Vedutenvase mit einer umlaufenden feinen Landschaft, die unter anderem den rauchenden Vesuv, die Bucht von Neapel und die Certosa di San Martino zeigt. Das über einen Meter hohe, teilvergoldete Prachtstück stammt aus der Zeit Zar Nikolaus I. um 1825/55. Noch im frühen 19ten Jahrhundert lief in derselben Manufaktur das monochrome Standbild des Gottes Apoll aus Biskuitporzellan mit vier weiblichen Allegorien der Künste vom Band (Taxe 25.000 bis 40.000 EUR). Den Abschluss der Versteigerung bildet ein knapp drei Meter hoher Kachelofen des Rokoko aus dem Wiener Palais Liechtenstein für 25.000 bis 40.000 Euro.
Die Auktion beginnt am 14. Oktober um 14 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
09.10.2013 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
 |
|
 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 29 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Adressen (1) • Kunstwerke (27) • Im Verkauf - Events (1) |  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Kunstwerk:  Paar Kandelaber, Frankreich, 1. Drittel 19.
Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Thomas Tompion, Stockuhr No. 175, London um 1690 |  |  | •  | Kunstwerk:  Anton Kothgasser, Ranftbecher, Wien 1823 |  | •  | Kunstwerk:  Paris
und die drei Grazien, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, 1830/58 |  | •  | Kunstwerk:  Apoll mit Lyra, Kaiserliche
Porzellanmanufaktur Wien, um 1750 |  |  | •  | Kunstwerk:  Johann Joachim Kändler, Schäfergruppe, um 1744 |  | •  | Kunstwerk:  Johann Joachim Kändler, Krokodil mit Kind im Maul, um 1740 |  | •  | Kunstwerk:  Johann Joachim Kändler, Das Verlöbnis, 1747 |  |  |
| | 

 |  |  |  |  | 
 Anton Kothgasser,
Ranftbecher, Wien
1823 |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Losnummer: 297 |  |  |  |  |  | 
 Philippe Poitevin,
Dame mit Putto, um
1872 |  | Taxe: 40.000 - 50.000 EURO Losnummer: 70 |  |  |  |  |  | 
 Johann Franz
Schwanthaler,
Madonna mit Kind, um
1720/30 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Losnummer: 203 |  |  |  |  |  | 
 Kaiserliche
Porzellanmanufaktur
Wien, Paris und die
drei Grazien,
1830/58 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Losnummer: 361 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich, Bureau
plat, Frankreich, 2.
Hälfte 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 28.000 - 35.000 EURO Losnummer: 93 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich, Paar
Kandelaber,
Frankreich, 1.
Drittel 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 100.000 - 150.000 EURO Losnummer: 218 |  |  |  |  |  | 
 Johann Joachim
Kändler,
Likörfässchen mit
Bacchusknaben, um
1738/40 |  | Taxe: 22.000 - 30.000 EURO Losnummer: 528 |  |  |  |  |  | 
 Wien, Kachelofen,
Mitte 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 25.000 - 40.000 EURO Losnummer: 592 |  |  |  |  |  | 
 Venedig, Löwe, wohl
12. oder 13.
Jahrhundert |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Losnummer: 213 |  |  |  |  |  | 
 Johann Joachim
Kändler, Krokodil
mit Kind im Maul, um
1740 |  | Taxe: 5.500 - 8.000 EURO Losnummer: 462 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich, Madonna
mit Kind,
Frankreich, Ende 13.
Jahrhundert |  | Taxe: 30.000 - 36.000 EURO Losnummer: 151 |  |  |  |  |  | 
 Vedutenvase,
Kaiserliche
Porzellanmanufaktur
St. Petersburg,
1825/55 |  | Taxe: 90.000 - 140.000 EURO Losnummer: 566 |  |  |
|

 |
 |