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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Alte Kunst und Antiquitäten bei Neumeister in München

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Johann Baptist Drechsler,  Blumenstillleben mit Vogelnest, Trauben und Schmetterlingen, 1797

Johann Baptist Drechsler, Blumenstillleben mit Vogelnest, Trauben und Schmetterlingen, 1797

Die Alten Meister hatten auf der 361sten Versteigerung des Münchner Auktionshauses Neumeister wertmäßig die Nase vorn. Vor allem zwei Künstler des 17ten und 18ten Jahrhunderts erregten große Aufmerksamkeit. Da war zum einen der Wiener Stilllebenmaler Johann Baptist Drechsler, der gegen Ende des 18ten Jahrhunderts als Direktor der Zeichenschule der Porzellanmanufaktur an der dortigen Akademie eine enge Anknüpfung an die großer Vorgänger seines Metiers in der niederländischen Malerei suchte. Ein solches, sehr exakt ausformuliertes Stillleben aus dem Jahr 1797 mit Vogelnest, Trauben und Insekten hatte Neumeister für 25.000 bis 30.000 Euro im Angebot. Unter reger Beteiligung der Telefone behielt schließlich ein Interessent aus dem gut besetzten Saal bei 49.000 Euro die Oberhand. Kurz darauf ging es um Philips Wouwermans „Reiter vor dem Marketenderzelt“, die seit dem mittleren 19ten Jahrhundert zunächst in Paris, unter anderem in der Sammlung der Kaiserin Eugénie, nachweisbar sind. Hier kamen 80.000 Euro heraus, 10.000 Euro unterhalb der Erwartungen.


Von 10.000 Euro für Johann Georg Ziesenis’ 1756 datiertes Bildnis eines Geistlichen abgesehen (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR), hielten sich die Alten Meister am 18. September ansonsten eher bedeckt. In der Masse kam Neumeisters Domäne, das 19te Jahrhundert, zum Zuge. Am höchsten kletterten Eduard von Grützners „Zwei Mönche bei der Brotzeit im Klosterkeller“ von 1884, die ihren Wert auf 31.000 Euro fast verdoppeln konnten. Sein feister „Falstaff“, der den Betrachter mit Weinkanne in der Hand ebenso selbstbewusst wie listig anschaut, schloss mit 12.000 Euro ebenfalls gut ab (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Mit den eigentlichen Hauptlosen hatte Neumeister dagegen kein Glück, wobei mit Friedrich Adolf Hornemanns „Impfung auf dem Lande“ von 1868 (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR) und Georgios Jakobides’ „Großmutter mit ihrer Enkelin“ von 1889 zwei klassische Genre-Darstellungen das Nachsehen hatten (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Immerhin Adolf Wichmanns große historistische Szene „Pietro Aretino liest im Garten Tizians aus seinen Werken vor“, 1865 unter anderem von einem Gemälde des großen italienischen Renaissancemalers inspiriert, fand bei 26.000 Euro im Rahmen der Schätzung einen neuen Inhaber.

Bei den Landschaften reüssierten Heinrich Marrs biedermeierliche Szene „Vor der Dorfschmiede“ aus dem Jahr 1836 bei 6.500 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Simon Warnbergers wohl etwa gleichzeitige Waldlandschaft mit einer Hirtin und Ziegen an ruhig plätscherndem Bach für 6.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und Richard von Poschingers naturalistische „Dorfstraße nach dem Regen“ bei 5.000 Euro (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Eine Überraschung waren die 22.000 Euro, die eine stimmungsvolle Uferlandschaft des russisch-polnischen Impressionisten Stanislaw Zukowski erzielte. Lediglich 8.000 bis 12.000 Euro hatten die Experten für die gut einen Meter breite Hartfaserplatte veranschlagt. Seine nur zwanzig Zentimeter messende, eher summarisch aufgefasste Acker- und Wiesenlandschaft im Sommer war mit 5.000 bis 7.000 Euro aber wiederum zu teuer. Drei Tageszeitendarstellungen, die Anton von Werner 1882 als feine Ölstudien für das Berliner Café Bauer vorbereitete und in heitere Parkanlagen im antiken Rom verlegte, erlösten je nach Zustand zwischen 5.500 Euro und 9.500 Euro, was jeweils etwa dem Dreifachen der Schätzung entsprach.

Recht beliebt waren auch die routinierten Schöpfungen bekannter Tiermaler, etwa Otto Geblers „Familienglück“ einer kleinen Schaffamilie für 6.500 Euro (Taxe 2.800 bis 3.200 EUR) oder Franz Gräßels im frühlingshaften Sonnenlicht schwimmende „Enten im Wasser“ für 9.000 Euro (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR). Gelegentlich blitzten auch große internationale Namen auf, etwa der französische Vorimpressionist Jean-Baptiste Camille Corot mit der kleinen Leinwand „Sentier tortueux sur un plateau“ wohl aus der Zeit um 1855, die allerdings nur 9.000 Euro einspielte (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Zu nennen sind schließlich die 14.000 Euro, die Ferdinand Wagners d.J. vierteiliger Gemäldezyklus mit Kindern und Amoretten an einem Teichufer erreichte. Dabei handelt es sich vermutlich um Bestandteile eines Paravents (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

In der Abteilung Grafik und Handzeichnung machte die jüngere Kunst mit einem großformatigen Deckfarbenaquarell wohl von Alexander Nikolajewitsch Benois auf sich aufmerksam. Es stellt eine Szene aus dem Leben Zar Peters des Großen dar und verbesserte sich von 2.000 bis 2.500 Euro auf 8.500 Euro. Auch die übrigen Blätter mit russischen Künstlernamen schnitten gut ab. So legte die Kohlezeichnung mit dem Portrait des Malers Valentin Serow in Dreiviertelansicht auf einem Sofa, die sein Künstlerfreund und spätere Hauptvertreter des frühen Sozialistischen Realismus Isaak Israilewitsch Brodski 1906 ausdrucksstark skizzierte, von 500 Euro auf 3.000 Euro zu, und die schon höher bewertete Karikatur eines russischen Bauernpaares in der guten Stube, von Ilja Repin 1878 in schwarzer Kreide niedergelegt, platzierte sich innerhalb der Schätzungen bei 4.200 Euro.

Lief die Auktion mit den Fayencen recht schleppend an, gehörte im Anschluss eine Reihe Meißner Porzellane aus einer fränkischen Privatsammlung zu den erfolgreichsten Rubriken beim Kunsthandwerk. Die gut 50 Positionen konnten fast komplett weitervermittelt werden. So verdoppelte eine fein mit chinoisen Landschaften bemalte Deckelschale samt Untertasse von circa 1725/35 ihren Wert auf 10.500 Euro, für ein fünfteiliges Teeservice etwa der gleichen Zeit gab es 5.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), und für einen Fächerteller um 1740 mit Schachbrettmuster sowie zwei Weinstöcken mit gelbem und rotem Eichhörnchen 3.700 Euro (Taxe 2.200 bis 2.500 EUR). Ihren Wert konnte eine gleichaltrige Zuckerdose mit türkisfarbenem Fond und Kranichen auf 2.400 Euro gar versechsfachen. Dieser Preis sprang auch für eine Butterdose um 1730/35 in Kakiemondekor heraus (Taxe 800 bis 1.000 EUR).

Noch weit heftiger umworben war ein Silberstück: Der vergoldete Deckelpokal des Nürnberger Meister Heinrich Mack mit den Darstellungen der heiligen Bischöfe Norbert und Friedrich sowie Frucht- und Blumengirlanden, geschaffen um 1612/26, wurde von 20.000 bis 25.000 Euro auf 41.000 Euro gehoben. Bei 32.000 Euro wechselte eine schon um 1520 gewebte Brüsseler Tapisserie mit der feinen Darstellung Bathsebas am Brunnen den Besitzer (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR), während ein Jugendstil-Ameublement nach Entwurf des Münchner Designers Richard Riemerschmid bis zu 15.000 Euro ebenfalls teils über den Taxen erforderte. 6.500 Euro spielte Franz von Stucks grüblerisch-schwermütiges Relief mit Kopf Beethovens ein (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Einen eigenen Sonderkatalog hatte Neumeister einer Sammlung von Architekturzeichnungen aus dem künstlerischen Nachlass Franz Jakob Kreuters gewidmet. Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 70 Prozent wurden die auf 49 Losnummern verteilten Blätter heftiger umworben, als der Rest der Auktion mit rund 60 Prozent. Kreuter war zunächst in Bayern und später in Wien tätig. Vor allem seine Entwürfe für Villen stießen auf großes Interesse. So fand ein Konvolut mit acht Plänen zu verschiedenen Bauten dieser Art bei 3.800 Euro einen neuen Sammler (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). 6.500 Euro kosteten seine Entwürfe für die Villa Gruber – heute „Lindenhof“-Villa – von 1842/47 in Lindau (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), und von 2.800 Euro auf 3.800 Euro stieg sein Material für das Casino auf der Roseninsel im Starnberger See von 1851/52. Am teuersten wurden die besonders prachtvollen, ebenso feinen wie farbenreichen Blätter, die Franz Jakob Kreuter ab 1857 für den Innenumbau des Palazzo Sina, des heutigen Palazzo Grassi, in Venedig anfertigte. Auch sein berühmterer Wiener Kollege Theophil von Hansen war an diesem Projekt beteiligt. Diese zwanzig großteils aquarellierten Feder- und Bleistiftzeichnungen wanderten zur oberen Schätzung von 12.000 Euro ab.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



16.10.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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18.09.2013, Alte Kunst

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Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

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Einen übern Durst getrunken

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Jean-Baptiste Camille Corot, Sentier tortueux sur un plateau, wohl um
 1855
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Franz Jakob Kreuter,  Entwürfe für die Villa Gruber (heute Villa „Lindenhof“) in Lindau, 1842/47

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Taxe: 5.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 1020

Anton von Werner,  Abend, 1882

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Taxe: 2.500 - 3.000 EURO

Zuschlag: 9.500,- EURO

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Heinrich Mack,  Deckelpokal, Nürnberg um 1612/26

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 41.000,- EURO

Losnummer: 110

Eduard von Grützner,  Zwei Mönche bei der Brotzeit im Klosterkeller, 1884

Eduard von Grützner, Zwei Mönche bei der Brotzeit im Klosterkeller, 1884

Taxe: 17.000 - 19.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 538

Ferdinand Wagner d.J.,  Kinder und Amoretten am Teichufer

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Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 14.000,- EURO

Losnummer: 608

Richard Riemerschmid,  Schreibtisch, 1898

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Taxe: 8.000 - 9.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 326

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Taxe: 2.500 - 3.000 EURO

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Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

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Losnummer: 325

Adolf Wichmann,  Pietro Aretino liest im Garten Tizians aus seinen Werken vor, 1865

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Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

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Otto Gebler, Familienglück

Taxe: 2.800 - 3.200 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

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Philips Wouwerman,  Reiter vor dem Marketenderzelt

Philips Wouwerman, Reiter vor dem Marketenderzelt

Taxe: 90.000 - 120.000 EURO

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Losnummer: 508

Franz Jakob Kreuter,  Planmaterial für das Casino auf der Roseninsel im Starnberger See, 1851/52

Franz Jakob Kreuter, Planmaterial für das Casino auf der Roseninsel im Starnberger See, 1851/52

Taxe: 2.800 - 3.200 EURO

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Losnummer: 1027




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