Karl Otto Götz in der Neuen Nationalgalerie Im Februar 2014 feiert Karl Otto Götz, einer der Schlüsselfiguren der abstrakten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg, seinen 100sten Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet ihm die Neue Nationalgalerie in Berlin ab kommendem Wochenende eine umfassende Werkschau. Rund 70 Arbeiten geben einen umfassenden Einblick in Götz’ vielschichtiges, nunmehr über acht Jahrzehnte währendes Œuvre. Die Präsentation stellt Hauptwerke des Künstlers aus allen Schaffensphasen vor, die den Blick auf die vielschichtige Ästhetik der Abstraktion lenken. Das Spektrum reicht dabei von frühen „Luftpumpenaquarellen“, Bildfakturen und Rasterbildern über die berühmten Rakelwerke der 1950er und 1960er Jahre, die von Claude Monet inspirierte „Giverny“-Serie der 1980er Jahre bis hin zu den jüngsten, 2010 entstandenen monumentalen Schwarz-Weiß-Kompositionen.
Karl Otto Götz wurde am 22. Februar 1914 in Aachen geboren, wo er ab 1932 die Kunstgewerbeschule besuchte und seine ersten abstrakten Arbeiten schuf. Ab 1935 erhielt er von den Nationalsozialisten ein Mal- und Ausstellungsverbot, woraufhin er heimlich weiterarbeitete. Seine Offiziersausbildung brachte ihn 1940 nach Dresden, wo er kurzzeitig an der Akademie der Bildenden Künste studierte. 1941 wurde er schließlich bis Kriegsende nach Norwegen versetzt. Danach heiratete er seine Lebensgefährtin Anneliese Hager und zog mit ihr und ihren gemeinsamen Kindern zunächst nach Königsförde bei Hannover und später nach Frankfurt am Main. Durch persönliche Kontakte nach Frankreich waren Götz’ Werke bald in einer Pariser Galerie zu sehen, und er wurde zu einem wichtigen Mittler zwischen der deutschen und der französischen Kunstszene. 1959 zog Götz nach Düsseldorf, wo er eine Professur an der Kunstakademie inne hatte. 1965 heiratete er seine ehemalige Schülerin Rissa mit der er seit 1975 in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Niederbreitbach lebt und arbeitet.
Das Werk von Karl Otto Götz, dem Hauptvertreter des Informel in Deutschland, ist geprägt von der systematischen Suche nach einer unverbrauchten, visionären Bildsprache, losgelöst von klassischen Bild- und Zeichenbegriffen, einer unmittelbaren, freien Form und dem „poetischen Ausdruck im Ungegenständlichen“. Seine oft großformatigen Bilder spiegeln mit wirbelnden, explodierenden Formen und zeichenhaften Schemen die Energie des Schaffensaktes wider und folgen doch wohl kalkulierten Bildstrategien. Während er in den frühen 1930er Jahren noch surrealistisch anmutende Fabelwesen, abstrakte Fotogramme und Fotoporträts schuf, entwickelte er ab 1945 kraftvolle Farbmetamorphosen, die den Grundstein für sein späteres Schaffen legten. Mit Kleister, Farbe und Rakel entwickelte er 1952 eine Technik, die ihm eine spontane, rasante Arbeitsweise ermöglichte, obgleich seine Kompositionen durch zahlreiche Skizzen vorbereitet waren. Der dynamische Malakt und das zugleich kritisch-analytische Denken, das sich in Götz’ Werk niederschlägt, hatten großen Einfluss auf spätere Künstlergenerationen, allen voran auf seine berühmten Schüler Sigmar Polke und Gerhard Richter.
Die Ausstellung „K.O. Götz“ läuft vom 13. Dezember bis zum 2. März 2014. Die Neue Nationalgalerie hat werktags außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und Silvester. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der Katalog zur Schau ist vor Ort erhältlich und kostet 30 Euro.
Neue Nationalgalerie
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