Karl Otto Götz in Chemnitz Morgen feiert Karl Otto Götz seinen 100. Geburtstag. Nach der Neuen Nationalgalerie in Berlin und dem Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen stellen sich rechtzeitig auch die Kunstsammlungen Chemnitz als Gratulanten ein. Dabei kann sich das sächsische Museum auf einen reichen eigenen Fundus stützen. Die über 150 Werke des Chemnitzer Bestandes kamen zu einem guten Teil über mehrere großzügige Schenkungen des Künstlers sowie seiner Frau Rissa und über die gemeinsame Stiftung des Paares in den Besitz der Kunstsammlungen. Daraus präsentiert das Museum einen Querschnitt mit einer Auswahl an Lithografien, drei Gemälden, dem Stahlrelief „Ingrid“ oder dem großen Glasfenster im Treppenhaus sowie den dazugehörigen Entwurfszeichnungen. Alle diese Werke entstanden zwischen 1958 und 2004.
Karl Otto Götz ist der letzte noch lebende bekannte Protagonist des deutschen Informel, einer gestisch-spontanen Malerei, die ihren Höhepunkt in den 1950er Jahren hatte. Als Initialzündung für sein informelles Schaffen gilt seine im Sommer 1952 gefundene neue Maltechnik, die auf der Rakel, einem Stück Holz mit Gummilippe, und einer Mischung von Kleister und Gouachefarbe basiert. Diese Technik ermöglichte es ihm, Gemälde in hoher Geschwindigkeit und Spontaneität zu schaffen, in denen er den malerischen Zufall präzise kontrollieren konnte. Dabei greifen während des Arbeitsprozesses künstlerische Aktion und Reflexion eng ineinander. Im Ergebnis sind dadurch Schwünge, Wirbel, Farbspritzer, Schlieren und Verwerfungen entstanden, die allesamt auf einer nichtlinearen Abstraktion aufbauen. Vorne und Hinten, Figur und Grund, sind zudem in diesen Bildern derart eng miteinander verflochten, dass eine Abgrenzung innerhalb des Bildraumes kaum mehr möglich ist. Diese einmal gefundene Maltechnik wendet Götz auch immer wieder auf andere Objekte und Bereiche wie Keramiken, Terrakotten, Stahlreliefs und Luminografien an.
Die Hauptausstellung ergänzt eine kleine Präsentation mit Fotografien von Oliver Mark. Der 1963 geborene Fotograf hatte im vergangenen Jahr die Gelegenheit, Karl Otto Götz mehrere Tage in seinem privaten Lebensumfeld zu besuchen. Es entstanden eindringliche und intime Fotografien, die den Künstler ungeschminkt und facettenreich zeigen – stolz und nachdenklich, aber auch zerbrechlich und zart, gezeichnet von einem schaffensreichen Künstlerleben. Begleitet werden die 18 Bilder von sieben berührenden Gedichten, die Götz über mehrere Jahre schrieb.
Die Ausstellungen „K.O. Götz – zum 100. Geburtstag“ und „Oliver Mark: Aus den Trümmern kriecht das Leben – Fotografien von Karl Otto Götz“ laufen vom 23. Februar bis zum 4. Mai. Die Kunstsammlungen Chemnitz haben täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. An Samstagen, Sonn- und Feiertagen findet um 16 Uhr eine öffentliche Führung statt. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung erscheint der Bestandskatalog, in dem erstmals alle Werke der Kunstsammlungen Chemnitz publiziert werden. Er kostet 22 Euro.
Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
D-09111 Chemnitz
Telefon: +49 (0)371 – 488 44 24
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