 |  | Egon Schiele, Allegorische Figur (Selbstporträt mit Masken), 1909 | |
„Ich fand einen schlanken, jungen Mann von mehr als mittlerer Grösse und aufrechter, ungezierter Haltung; blasses, aber nicht krankhaftes, schmales Gesicht, große dunkle Augen und üppiges, halblanges, dunkelbraunes, emporstehendes Haar. Sein Verhalten war ein wenig scheu, ein wenig zaghaft und ein wenig selbstbewusst.“ Mit diesen Worten hat H. Benesch den Künstler Egon Schiele beschrieben. Doch Bilder sagen mehr als Worte:
„Allegorische Figur“ (Selbstporträt mit Masken) ist ein 1909 entstandenes Aquarell, das sich in eine Gruppe von Selbstporträts einordnen lässt. Interessant ist die fragliche Zeit, da sich Schieles künstlerischer Wandel in dieser Periode von einer noch sehr an Klimt orientierten ornamentalen Komposition hin zu einer formreduzierten Linie vollzieht. Geometrische Einheiten bestimmen das Bild, dominierend das Schwarze Rechteck des Umhangs, das den Unterleib des Körpers verhüllt. Die Arbeit steht für das Verhüllen der eigenen Persönlichkeit, die mittels Masken ausgewechselt werden kann. Dieses Werk ist nicht nur eines der interessantesten der Auktion „Alte Meister, Bilder des 19. und 20. Jahrhunderts“ des Palais Kinsky, sondern hebt sich mit einer Taxe von 9 bis 12 Millionen Schilling auch preislich von den anderen Losen ab.
Am 15. Mai werden, wie der Titel der Auktion schon erahnen lässt, nicht nur Kunstwerke des 20. Jahrhundert versteigert, sondern auch Gemälde Alter Meister. So zum Beispiel ein Familienportrait der Reclams, das dem Künstler Johann Friedrich August Tischbein zugeschrieben wird. Das großformatige Werk (159,5 x 185 cm) reflektiert den gesellschaftlichen Wandel vom Höfischen zum Bürgerlichen und trägt eine Preiserwartung von 400.000 bis 600.000 Schilling. Ein thematisch konträres Feld beschreitet der Maler Johann Peter Krafft mit seinem Gemälde „Erzherzog Karl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern“ von 1809. Das auf 3 bis 5 Millionen Schilling taxierte Bild ist eine spätere und verkleinerte Version des Gemäldes, das für den Ehrensaal des Invalidenhauses gefertigt wurde. Dargestellt ist die siegreiche Schlacht Österreichs gegen Napoleon im Mai 1809 vor den Toren Wiens, die den ersten Sieg gegen den französischen Feldherrn bedeutete.
Das 1879 entstandene Gemälde „Pferde, Wasser trinkend auf der Dorfstrasse“ von Eugen Jettel zeigt, dass auch scheinbar alltägliche und einfache Motive ein großes Potential an Poesie bergen können. Jettel versucht in seiner Kunst, Werte wie Wahrheit und Authentizität darzustellen. Seine Bilder, die sonnenblumenbestückte Bauerngärten oder - wie hier - trinkende Pferde zeigen, wirken wie pittoreske Zeugen des Alltags. Die Taxe für das Ölbild beträgt 600.000 bis 900.000 Schilling. Vom Landidyll ins pulsierende Großstadtleben: Beim Anblick dieser Lithographie wird Plakatsammlern das Herz höher schlagen. Toulouse-Lautrecs 1892 entstandenes Blatt „Le divan Japonais“ war als Werbeplakat für Edouard Fourniers Konzertcafé in der Rue des Martyrs 75 gedacht, das in japanischer Manier dekoriert war. Von der Wirkung, die von Lautrecs Plakaten ausgingen, blieben selbst gestandene Kritiker wie Félix Fénéon nicht unberührt: „Tausend Teufel ist der unverschämt dieser Lautrec: er ziert sich nicht, weder was seine Zeichnung noch was seine Farben angeht. Einen wie ihn gibt es nicht noch einmal, der so treffend die Fratzen der vertrottelten Kapitalisten wiedergibt...“. Die Taxe für diese Farblithographie, der ein Gutachten von Louis Boubier beiliegt, ist zwischen 80.000 und 120.00 Schilling angesetzt.
Am darauffolgenden Tag, dem 16. Mai, findet im Palais Kinsky eine Antiquitätenversteigerung statt.
Ab 15 Uhr kommen unter anderem eine Vielzahl von Pokalen zum Aufruf, wie ein Zwischengoldpokal aus Böhmen. Das um 1730 entstandene Gefäß mit einem feingeschliffenen Schaft ist auf 28.000 Schilling taxiert. Bei den Möbeln kommt ein Paar Biedermeierstühle mit konisch verlaufenden Beinen unter den Hammer (10.000 bis 15.000 ATS). Für Liebhaber ausgefallener Stücke wäre auf eine Rokoko-Sänfte hinzuweisen, deren geschwungenes Gehäuse mit Voluten verziert ist. Die Taxe liegt bei 100.000 bis 150.000 Schilling.
Die Vorbesichtigungen für „Alte Meister, Bilder des 19. und 20. Jahrhunderts“ finden vom 8. bis 11. Mai von 10 bis 19 Uhr statt. Am 12. Mai von 10 bis 17 Uhr. Am 13. Mai von 12 bis 17 Uhr. Am 14. Mai von 10 bis 19 Uhr und am 15. Mai von 10 bis 17 Uhr. Beginn der Versteigerung ist 17 Uhr.
Die Vorbesichtigungen für die Antiquitätenauktion finden vom 8. bis 11 Mai von 10 bis 19 Uhr statt. Am 12. Mai von 10 bis 17 Uhr. Am 13. Mai von 12 bis 17 Uhr. Am 14. Mai von 10 bis 19 Uhr. Am 15. Mai von 10 bis 17 Uhr und am 16. Mai von 10 bis 15 Uhr. Die Versteigerung beginnt um 15 Uhr.
Wiener Kunstauktionen
Palais Kinsky
Freyung 4
A-1010 Wien
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