Stipendiatinnen für NRW-Medienkunst stehen fest  |  | Céline Berger erhält das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen | |
Die Stipendien des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen gehen heuer an Marianna Christofides und Céline Berger. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Inke Arns, künstlerische Leiterin des HMKV in Dortmund, Denise Ritter, Künstlerin und NRWMedienkunst-Stipendiatin des Jahres 2012, und Thomas Thiel, Direktor des Bielefelder Kunstvereins, hat die Stipendiatinnen aus 55 Bewerbungen ausgewählt. Christofides überzeugte mit ihrem Gesamtwerk und ihrem Projektvorschlag, sich mittels einer filmischen Montage mit der Oberflächenprägung der Landschaft um Los Angeles auseinanderzusetzen und dort sozioökonomische, geologische und architekturhistorische Spuren der Zeitgeschichte zu verfolgen. Céline Berger beeindruckte die Jury mit ihrer präzisen Arbeit, aus der funktionalen Sprache unserer Arbeitswelt künstlerische Reflexionen über die zunehmend von ökonomischem Denken geprägte Gegenwart zu destillieren. Die Künstlerin untersucht in ihren Installationen, auf welche Weise Sprache eingesetzt wird, um die persönlichen Karriereziele innerhalb des Unternehmens zu erreichen.
Marianna Christofides wurde 1980 in Nikosia geboren. Sie studierte Visual Arts auf der Burg Giebichenstein in Halle und an der Academy of Fine Arts in Athen, außerdem absolvierte sie ein Studium in Media Arts an der Slade School in London und an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo sie aktuell lebt und arbeitet. 2011 vertrat Christofides Zypern bei der 54. Biennale in Venedig. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, darunter von der Stiftung Kunstfonds, dem Künstlerhaus Schloss Balmoral oder dem Kölnischen Kunstverein. Ihr Werk umfasst Multimediainstallationen, Diaprojektionen, Objekte, Fotografien und Texte, ausgehend von Reiseerlebnissen, spezifischen Orten oder persönlichen Geschichten. Christofides kombiniert alte Glasdias, Foto und Kartografien, Texte, Film- und Tonmaterial und kombiniert diese in räumlichen Installationen mit eigenen Bildern und Objekten. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Videoarbeit „Here let me stand“ steht ein umfangreicher Foliant von 1881 mit dem Titel „Cyprus Antiquities – Excavated by Major Alexander Palma di Cesnola“ aus den National Archives of London. Christofides vereint die detailreichen Bilder archäologischer Funde und ihre chronologisch subjektive Klassifizierung zu einer langsamen Kamerafahrt.
Céline Berger, geboren 1973 im französischen Saint-Martin-d’Hères bei Grenoble, studierte ebenfalls an der Kunsthochschule für Medien in Köln und Ingenieurwissenschaften an der Universidad Politécnica Valencia sowie 2012/13 als Stipendiatin an der Rijksakademie in Amsterdam. Sie lebt und arbeitet in Köln. Berger erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Nam June Paik Förderpreis der Kunststiftung NRW und ein Stipendium der Andrea von Braun Stiftung. Ihre multimedial umgesetzten poetischen Erzählungen, etwa die 2013 entstandenen „Rare birds in these lands“ oder „La Ronde“, spiegeln eine äußerst genaue, teils beängstigende Analyse der gegenwärtigen Unternehmenswelt. Sogenannte Business Coaches bedienen sich einer Vielzahl Gesprächstechniken, darunter neurolinguistisches Programmieren, systemische Aufstellung, Transaktionsanalyse oder emotionale Intelligenz, die Berger in ihrer Arbeit aufgreift und hinterleuchtet.
Das Stipendium für Medienkünstlerinnen wird seit 2000 alle zwei Jahre vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen vergeben. Die Förderung richtet sich an weibliche Medienkünstlerinnen, die ihren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen haben. Voraussetzung ist, dass sie ein neues Projekt realisieren möchten und sich mit einem entsprechenden Konzept bewerben. Die Stipendiatinnen erhalten jeweils ein halbes Jahr lang eine Unterstützung von monatlich 1.000 Euro sowie eine einmalige Materialpauschale in Höhe von 1.660 Euro. Ziel ist die Förderung der Medienkunst im Austausch zwischen Künstlerinnen und Institutionen aus den Bereichen Forschung, Lehre, Produktion, Präsentation, Archivierung und Vermittlung. |