Felixmüller im Würzburger Auktionshaus Mars Manchmal tauchen auch in der Provinz Schätze auf. Das Würzburger Auktionshaus Mars kann sich für seine kommende Auktion mit einem Gemälde von Conrad Felixmüller schmücken. Wohl um 1920 schuf der deutsche Expressionist die nächtlich entrückte „Waldlandschaft mit Brücke“ in einem Farbklang aus Dunkelblau, Grün und Violett. Die Bäume, der Aufgang zur Brücke und der Steg selbst sind aus der Perspektive geraten und in eine kosmische Schwingung versetzt. Wie Heinz Spielmann, der Herausgeber des Werksverzeichnisses von Felixmüller, in seiner Expertise hinweist, steht das Gemälde „im Wechsel von einer expressiven Form zu einer realistischeren Darstellungsmodalität im Sinn der Neuen Sachlichkeit“. Spielmann bringt das Bild in einen engen Zusammenhang mit dem Gruppenportrait der Familie Kirchhoff, das sich im Besitz des Museums Wiesbaden befindet. Aus der Ähnlichkeit der Landschaften schließt er, dass „die beiden Bilder in großer oder größerer zeitlicher Nähe zueinander“ entstanden sind. Die Waldlandschaft ging wohl als Schenkung des Künstlers an den bedeutenden Wiesbadener Kunstsammler Heinrich Kirchhoff und von da in Würzburger Privatbesitz. Mit einem Limit von 30.000 Euro ist das Werk nicht zu hoch angesetzt und lässt noch Spielraum nach oben.
Beinahe in die gleiche Preiskategorie stößt eine vielfigurige „Schmiede des Vulcanus“ vor, die ein Prager Künstler um 1600/20 in spätmanieristischen Formen gemalt haben soll. Die letzten Expertisen stammen aus den späten 1970er Jahren und weisen die Leinwand Matthäus Gundelach zu, dem Kammermaler Kaiser Rudolfs II. Die veranschlagten 20.000 Euro sind angesichts der Qualität recht ambitioniert. Schon einen Zug ins Realistische weist August Christian Geists dichte romantische Waldlandschaft mit ruhig fließendem Bach auf. Expressionistisch wird es noch einmal mit Friedrich Einhoffs in Aquarell und Kreide ausformuliertem Rückenakt in Gelb von 1926 (Taxe je 2.600 EUR), und mit einer abstrakten, verlaufenden Farbflächenkomposition, einer Mischtechnik auf Papier von Fred Thieler aus dem Jahr 1972, streift die Offerte sogar die zeitgenössische Kunst (Taxe 3.900 EUR).
Auch im Bildhauerischen gibt es Zeitgenössisches, so Günter Ferdinand Ris’ kleine Skulptur „Jan von Werth“. Den Reitergeneral aus dem Dreißigjährigen Krieg hat der Rheinländer 1965 für den Düsseldorfer Kunstverein zu einer kubistischen Bronzefigur mit wehrhaftem Äußeren umgestaltet (Taxe 980 EUR). Teuerstes Stück in der Skulpturensuite ist der spätgotische heilige Ulrich. Die Statue aus dem süddeutschen Raum soll 7.900 Euro kosten. Diese Herkunft zeichnet zudem einen Tabernakelaufsatzsekretär aus, der um 1790 in den schon strengen Formen des Klassizismus gefertigt wurde (Taxe 4.500 EUR). Der Möbelsektor hat noch Mackay Hugh Baillie Scotts Eichenholzstuhl aus der englischen Arts & Crafts-Bewegung zu bieten. Für 5.000 Euro gibt es dazu auch einen passenden Beistelltisch. In den holländischen Jugendstil geht es mit drei Mokkatassen teils mit Untertassen der Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg zwischen 300 und 800 Euro und nach Frankreich mit Emile Gallés milchig weißer Vase mit orangefarbenen Mohn- sowie Azaleenblüten für 1.400 Euro.
Die Auktion beginnt am 11. Oktober um 10:30 Uhr. Die Besichtigung ist am 9. und 10. Oktober von 10 bis 18 Uhr möglich.
Auktionshaus Mars
Ludwigstraße 4
D-97070 Würzburg
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