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Die Neue Pinakothek in München wagt neue Wege. Mit dem Erwerb früher Italienfotografien der Sammlung Dietmar Siegert zieht die Lichtbildkunst dauerhaft in die berühmte Gemäldegalerie mit Malerei des 19. Jahrhunderts ein. Startschuss der Umorientierung ist die Ausstellung „Venedig sehen…“  Der Glanz von Venedig in Schwarz-Weiß

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 |  | Carlo Naya, Blick auf San Giorgio von der Galerie des Dogenpalastes, um 1865 | |
In deutschen Museen beginnt ein Umdenken in Sachen früher Fotografie. Nachdem das Städel in Frankfurt einige Sammlungen historischer Lichtbilder in seinen Bestand integriert hat und sie zum Teil parallel zu den Gemälden des Hauses zeigt, folgt ihr nun auch die Neue Pinakothek in München auf diesem für Deutschland relativ ungewohnten musealen Pfad. Seit ein paar Wochen besitzt die Neue Pinakothek etwa 9.700 frühe Italienfotografien aus der Sammlung Dietmar Siegert. Sie werden nicht der fotografischen Abteilung der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in der Pinakothek der Moderne zugeordnet, sondern erweitern den Bestand des von Bayerns König Ludwig I. gegründeten Museums, das Gemälde von Joseph Anton Koch und Friedrich Overbeck bis Edouard Manet und Lovis Corinth birgt.
Der erste Versuch des Hauses, Malerei und Fotografie in einen Dialog zu versetzen, ist nicht unbedingt ein gelungener Auftakt. Die Ausstellung „Venedig sehen…“ stellt in zwei kleineren Kabinetten Veduten des 18. Jahrhunderts Fotografien aus der Zeit von 1840 bis etwa 1865 gegenüber. Nur es scheint, dass da höchstens das Motiv der zu allen Zeiten umschwärmten Lagunenstadt die gemeinsame Klammer bildet. Selten hat die Fotografie in einer derartigen Konfrontation solche Anziehungskraft entwickelt wie hier. Man kann sich kaum etwas Malerischeres vorstellen als die um 1865 entstandene Fotografie „Blick auf San Giorgio von der Galerie des Dogenpalastes“ von Carlo Naya. Wie ein großes Gatter, ornamental und architektonisch zugleich, unterteilt die Säulenreihe des Arkadenganges das Bild in Vorder- und Hintergrund und gibt nur spärlich den Blick frei auf die Klosterinsel mit der prächtigen Fassade der Kirche. Die gotische Architektur gibt dem Lichtbild einen neoromantischen Zug und erinnert eher an die Venedigveduten eines Friedrich Nerly. Die spätbarocken Ansichten eines Francesco Guardi und Michele Marieschi hingegen, die durch die Renovierung der Alten Pinakothek problemlos verfügbar waren, lassen nur schwerlich den Diskurs nachvollziehen, den die Neue Pinakothek mit ihrem neuen „Schatz“ vollführen will.
Dietmar Siegerts unvergleichlich umfangreiche, komplexe und bedeutende Sammlung an Italienfotografien vor 1900 wird als Ergänzung zu dem stark von der romantischen Italiensehnsucht geprägten Bestand an Gemälden aus dem 19. Jahrhundert gesehen. Als Vorbild diente wohl auch das Musée d’Orsay in Paris. „Es präsentiert als eine Art Epochen-Museum permanent Fotografie im Kontext mit anderen Gattungen und betrachtet sie als eine Stimme im großen Konzert der Künste“, so Pinakotheken-Kurator Herbert Rott. Die Diskussion um Position und Bewertung der Lichtbilder aus der Pionierzeit sei noch nicht ausdiskutiert, so Rott weiter. „Wir als Institution des 19. Jahrhunderts müssen uns dieser Frage stellen.“
Die Sammlung Dietmar Siegert umfasst große Konvolute der wichtigsten, in Italien tätigen Fotografen. James Anderson und Giacomo Caneva zählen heute zu den prominentesten Autoren zahlreicher Rom-Ansichten. Und auch darüber herrscht unter Kennern kein Zweifel: Domenico Bresolin, dessen Arbeiten bereits in der aktuellen Ausstellungen zu sehen sind, hat wohl die eindringlichsten frühen Architekturfotografien von Venedig hinterlassen. Die Furcht der Maler vor der fotografischen Konkurrenz war Mitte des 19. Jahrhunderts groß. Die Moderne der Malerei konnte dieses Gefühl nicht für ewig wegwischen. Aus dem Abstand von mehr als 150 Jahren wissen wir, dass auch die Fotografie eine Entwicklung durchlaufen hat, die sie zu einer der progressivsten Kunstgattungen hat werden lassen. Den Weg, den die Neue Pinakothek mit dem Erwerb – übrigens durch den Pinakotheks-Verein und das Mäzenatentum der Ernst von Siemens Stiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe realisiert werden konnte – nun eingeschlagen hat, ermöglicht vor allem, nach den Schnittstellen von Fotografie und Malerei zu forschen. Ein großes Projekt dazu ist für Mai kommenden Jahres angekündigt.
Doch wer glaubt, dass die Fotografie erst nach 150 Jahren in die Neue Pinakothek eingezogen ist, der irrt. Schon zu Lebzeiten König Ludwigs I. unmittelbar nach der Eröffnung des Hauses im Jahr 1853 waren im sogenannten Vedutensaal Fotografien aus Italien und Griechenland neben gemalten Ansichten aus dem Süden ausgestellt.
Die Ausstellung „Venedig sehen… Malerei des 18. Jahrhunderts – Fotografie vor 1900 aus der Sammlung Dietmar Siegert“ läuft bis zum 2. Februar 2015. Die Neue Pinakothek hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, erstem Weihnachtstag, Silvester und Heilige Drei Könige. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. |  | Kontakt: Neue Pinakothek Barer Straße 29 DE-80799 München |
 | Telefax:+49 (089) 23 80 52 21 | Telefon:+49 (089) 23 80 51 95 |  |  | E-Mail: info@pinakothek.de |  | Startseite: www.pinakothek.de |
26.10.2014 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler |  |
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 Domenico Bresolin,
Palazzo Contarini
del Bovolo, um
1851/55 |  | |  |  |  |  |  | 
 Domenico Bresolin,
Palazzo Agnusdio, um
1851/53 |  | |  |  |  |  |  | 
 Domenico Bresolin,
Die vier Rosse von San
Marco, um 1851/55 |  | |  |  |  |  |  | 
 Giuseppe Cimetta,
Seufzerbrücke, um
1850/53 |  | |  |  |  |  |  | 
 Francesco Guardi,
Blick auf Santa Maria
della Salute und die
Dogana, um 1775/80 |  | |  |  |  |  |  | 
 Paolo Salviati,
Kräuter- und
Gemüsemarkt am
Rialto, um 1885 |  | |  |  |  |  |  | 
 Carlo Ponti,
Wasserträgerin aus
Chioggia, um 1860 |  | |  |  |  |  |  | 
 Antonio Perini,
Rialtobrücke von
Süden, um 1858 |  | |  |  |  |  |  | 
 Carlo Naya, Ausblick
auf das Bacino di San
Marco mit der Kirche
Santa Maria della
Salute, um 1868 |  | |  |  |  |  |  | 
 Michele Marieschi,
Der Canal Grande bei
Ca’ Pesaro, um
1734/35 |  | |  |  |  |  |  | 
 Francesco Guardi,
Regatta auf dem
Canale della
Giudecca, um 1784/89 |  | |  |  |  |  |  | 
 Domenico Bresolin,
Gondel vor einer
Hausfassade, um
1851/55 |  | |  |  |  |  |  | 
 Francesco Guardi,
Blick auf den Rialto
und den Palazzo dei
Camerlenghi, um 1760 |  | |  |  |
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