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Marktberichte |
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Alte Meister bei Sotheby’s in London mit Turner an der Spitze  Würmer schreiben Künstlernamen

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 |  | Joseph Mallord William Turner, Rome, from Mount Aventine, 1835 | |
Wieder einmal schickt sich der englische Maler Joseph Mallord William Turner an, mit einer seiner berühmten römischen Veduten seine Verehrer und vor allem seine Sammler zu Höchstleistungen zu animieren. Im Juli 2010 war es das Getty Museum in Los Angeles, das sich für Turners fulminante Ansicht „Modern Rome – Campo Vaccino“ auf einer Auktion von Sotheby’s mit 26,5 Millionen Pfund netto ins Zeug legte und damit den Auktionsrekord für den englischen Maler aufstellte. „Rome, from Mount Aventine“ ist etwas ruhiger gestaltet, der Blick geht über den seicht dahinfließenden Tiber hinweg nach Norden mit den Kuppeln und Türmen des Petersdomes und des Kapitols in der Ferne. Der Himmel leuchtet in einem abendlichen Zitronengelb. Nur eine einzelne Pinie und ein paar Figuren tummeln sich im Vordergrund unterhalb des Punktes, auf dem wir mit Turner zusammen stehen. Die Provenienz des Gemäldes ist erlesen: 1878 wurde es von Archibald Philip Primrose, 5. Earl of Rosebery, erworben, der 1894/95 kurzzeitig sogar Premierminister war – wenn auch nicht sehr erfolgreich – und sich später seinen schriftstellerischen und künstlerischen Neigungen widmete. Während der vergangenen 35 Jahre hing es als Dauerleihgabe in der National Gallery of Scotland in Edinburgh. Jetzt soll es für 15 bis 20 Millionen Pfund versteigert werden, so die Erwartungen.
Der Turner bildet den Schluss- und Höhepunkt der 44 Losnummern umfassenden Auktion Alter Meister am 3. Dezember bei Sotheby’s in London. Auf Platz zwei der Schätzpreisliste rangiert eine weitere italienische Vedute, diesmal von einem Italiener selbst gemalt: Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, schuf etwa zu Beginn der 1730er Jahre eine seiner Ansichten des Markusplatzes in Richtung Markusdom und Campanile. Das Wetter ist mittelmäßig, zwar trocken, aber etwas diesig; dennoch tummeln sich etliche Menschen zum Karneval mit Masken auf dem Platz. Seit 1857 war das gut neunzig Zentimeter breite Gemälde wohl nicht mehr öffentlich ausgestellt (Taxe 5 bis 7 Millionen GBP).
An weiteren Italienern warten Davide Ghirlandaio, der jüngere Bruder des berühmteren Domenico Ghirlandaio, mit einer Beweinung Christi vor einer weiten Weltlandschaft (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP) sowie mit Artemisia Gentileschi ausnahmsweise auch eine Künstlerin auf Kundschaft. Ihre „Bathsheba im Bade“ mit zwei Dienerinnen bei der Toilette wohl aus den 1640er Jahren ist für 200.000 bis 300.000 Pfund zu haben. Barock bewegt gibt sich auch der reuige Petrus mit der klein gemalten Gefangennahme Jesu im Hintergrund von Lodovico Carracci (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP), während Antonio Jolis weiter Blick auf „Aranjuez. La Iglesia y la Plaza de San Antonio“ um 1753/54 die Eleganz der Rokoko spiegelt (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP).
Adriaen Coorte gilt als Kandidat für einen weiteren Millionenpreis. Sein bescheidenes Stillleben mit drei Pfirsichen, auf die sich gerade ein Schmetterling stürzt, erzielte vor drei Jahren bei Bonhams 1,8 Millionen Pfund – bei einer Schätzung von 300.000 bis 500.000 Pfund! Nach einer Restaurierung sind jetzt 2 bis 3 Millionen Pfund veranschlagt. Auch bei Lucas Cranach d.Ä. wird es vielleicht noch einmal klappen mit seiner „Familie eines Fauns“ aus dem Jahr 1531, die früher Teil der renommierten Sammlung Heinz Kisters war (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Diesem Unternehmer gehörte einst auch eine „Krönung Mariens“ aus der Hand des niederrheinischen Meisters Bartholomäus Bruyn d.Ä. an, die noch in der Tradition spätgotischer Tafelmalerei des mittleren 15. Jahrhunderts wurzelt, aber auch schon Elemente der Renaissance aufnimmt (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP). 700.000 bis 1 Million Pfund soll Pieter Breughels d.J. Dorfstraße mit fröhlich tanzenden Bauern kosten. In den 1970er Jahren wechselte die Eichenholztafel mehrmals den Besitzer, zuletzt 1978 für 1 Million D-Mark.
Allerlei Unfug treiben zahllose Würmer, Schlänglein, Raupen und anderes Gezücht auf zwei Blättern des Antwerpener Tiermalers Jan van Kessel d.Ä.. Auf einem von beiden bringen sie mit ihren Körpern sogar den Namen des Künstlers zu Papier (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP). Einen Strauß voll Blumen, darunter auch vielen Gräser, hat Ambrosius Bosschaert d.Ä. irgendwann im frühen 17. Jahrhundert in eine hohe zylinderförmige Glasvase gestopft, um ihn mitsamt einiger Insekten als verschlüsseltes memento mori abzukupfern (Taxe 600.000 bis 900.000 GBP). Eine weitere Berühmtheit hat Sotheby’s in Person Peter Paul Rubens’ im Programm. Das ausgeführte Hochaltarbild, das er wohl gegen Ende seines Lebens in den späten 1630er Jahren für das nahe Brüssel gelegene Rood Klooster geschaffen hat, ist schon lange verloren. Doch der Entwurf existiert noch: Er zeigt das Martyrium des heiligen Apostels Paulus – ihm werden soeben die Augen verbunden und dann der Kopf abgeschlagen – und wird jetzt für 600.000 bis 800.000 Pfund offeriert.
Unter den niederländischen Landschaften ist Jan Asselijns Momentaufnahme eines Deichbruchs während der sogenannten Petriflut im März 1651 zu nennen, der zu einer Überschwemmung Amsterdams führte. Auch andere Maler widmeten sich dem dramatischen Geschehen in tiefer Nacht, aber Asselijns Szenerie mit sturmgrauen Wolken unter stahlblauem Himmel ist wohl eine der packendsten Fassungen, die schon romantisch-dämonische Züge annimmt (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Stürmischer See müssen sich auch die Segelschiffe in einem Gemälde Willem van de Veldes d.J. erwehren und vor allem versuchen, nicht gegen die steil aus dem Wasser ragenden Felsen zu prallen. Bei einem der Kähne soll es sich um die „Jupiter“ handeln, die im Englisch-Niederländischen Seekrieg 1652/54 eine Rolle spielte. Geschaffen wurde das Bild aber erst in den 1680er Jahren (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Sanfte Idylle herrscht dagegen in seiner ruhigen See mit einigen Fischerbooten und einem größeren Kriegsschiff im Hintergrund vor (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP), und auch Claude Joseph Vernet verbreitet in seiner mediterranen Küste mit schroffen Felsen vor der untergehenden Sonne aus dem Jahr 1765 gelöste Abendstimmung (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP). |  | Kontakt: Sotheby’s London 34-35 New Bond Street GB-W1A 2AA London |
 | Telefax:+44 (020) 72 93 59 24 | Telefon:+44 (020) 72 93 51 84 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
30.11.2014 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 Willem van de Velde
d.J., Ein Kaag und
eine Boeier auf
ruhiger See nahe der
Küste |  | Taxe: 300.000 - 400.000 GBP Zuschlag: 600.000,- GBP Losnummer: 4 |  |  |  |  |  | 
 Willem van de Velde
d.J., Die „Jupiter“
und ein weiteres
holländisches
Schiff im Sturm,
1680er Jahre |  | Taxe: 400.000 - 600.000 GBP Zuschlag: 600.000,- GBP Losnummer: 38 |  |  |  |  |  | 
 Jan Asselijn, Der
Bruch des Sint
Anthonisdijk in der
Nacht von 5. auf 6.
März 1651, 1651 |  | Taxe: 300.000 - 400.000 GBP Zuschlag: 500.000,- GBP Losnummer: 6 |  |  |  |  |  | 
 Bartholomäus Bruyn
d.Ä., Die Krönung
Mariens, wohl um 1515 |  | Taxe: 600.000 - 800.000 GBP Losnummer: 14 |  |  |  |  |  | 
 Artemisia
Gentileschi,
Bathsheba im Bade,
wohl 1640er Jahre |  | Taxe: 200.000 - 300.000 GBP Zuschlag: 500.000,- GBP Losnummer: 20 |  |  |  |  |  | 
 Davide Ghirlandaio,
Christus gestützt
von der Jungfrau
Maria und den
Heiligen Johannes
Evangelist und
Joseph von Arimathäa |  | Taxe: 300.000 - 500.000 GBP Losnummer: 15 |  |  |  |  |  | 
 Pieter Breughel
d.J., Dorfstraße mit
tanzenden Bauern,
Ende 1620er Jahre |  | Taxe: 700.000 - 1.000.000 GBP Zuschlag: 2.250.000,- GBP Losnummer: 3 |  |  |  |  |  | 
 Jan van Kessel d.Ä.,
Spinnen, Schlangen
und Raupen bilden den
Namen des Künstlers –
Ein Zweig
Johannisbeeren mit
Insekten, 1657 |  | Taxe: 500.000 - 800.000 GBP Zuschlag: 450.000,- GBP Losnummer: 36 |  |  |  |  |  | 
 Adriaen Coorte,
Stillleben mit drei
Pfirsichen und einem
Schmetterling |  | Taxe: 2.000.000 - 3.000.000 GBP Zuschlag: 3.000.000,- GBP Losnummer: 37 |  |  |  |  |  | 
 Claude Joseph
Vernet, Mediterrane
Küste bei
Sonnenuntergang mit
Fischern, 1765 |  | Taxe: 300.000 - 500.000 GBP Zuschlag: 300.000,- GBP Losnummer: 10 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Die Familie des
Fauns, 1531 |  | Taxe: 1.200.000 - 1.800.000 GBP Losnummer: 13 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Antonio
Canal, Venedig. Die
Piazza San Marco mit
Blick auf die
Basilika, wohl um
1730 |  | Taxe: 5.000.000 - 7.000.000 GBP Zuschlag: 4.800.000,- GBP Losnummer: 11 |  |  |  |  |  | 
 Lodovico Carracci,
Der reuige Petrus |  | Taxe: 300.000 - 400.000 GBP Zuschlag: 300.000,- GBP Losnummer: 19 |  |  |
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