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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Quittenbaum erzielt mit Design des 20. Jahrhunderts die erwarteten Erfolge, im Bereich moderner und zeitgenössischer Kunst bleibt ein Großteil unverkauft

Klein, aber oho



Paolo Venini,  Vase „Tessuto mosaico“, 1954

Paolo Venini, Vase „Tessuto mosaico“, 1954

Die Vase „Tessuto mosaico“ ist das erfolgreichste Objekt der Design-Auktion bei Quittenbaum. Paolo Venini kreierte das grün und blau schillernde, 16 Zentimeter hohe Gefäß 1954. Die Vase besteht aus farblosem Glas, auf welches Venini in Fadenoptik gearbeitete Glasplättchen in den Schattierungen des Meeres aufgebracht hat. Die Experten des Münchner Auktionshauses hatten die Taxe bei 10.000 bis 14.000 Euro angesetzt und konnten Ende letzten Jahres einen großen Sprung nach oben feiern. Nach einem Bietgefecht zwischen fünf Glasliebhabern wurde das Designstück für 41.000 Euro zugeschlagen. Insgesamt wechselten knapp 40 Prozent der angebotenen 214 hochwertigen Objekte den Besitzer.


Design 20. Jahrhundert

Mit einer Größe von nur guten vier Zentimeter schaffte es Henry van de Veldes Anhänger von 1899 auf Platz zwei der Zuschlagliste. Das kunstvoll mit Wirbeln und Voluten ornamentierte Schmuckstück hatte vermutlich die Funktion eines Duftanhängers, worauf seine Aufklappbarkeit hinweist. Der Designer ließ es in Brüssel aus Messing herstellen und vergolden. Zudem ist die Provenienz recht prominent: Das goldene Kleinod stammt aus dem Nachlass des mit dem Künstler befreundeten Malers Curt Herrmann und seiner Frau Sophie. Auch hier konnten mehr als die veranschlagten 20.000 bis 24.000 Euro, genauer 28.000 Euro, erreicht werden.

Eine Gruppe aus vier Stühlen und Tisch entwarf Otl Aicher um 1955. Sie belegt bei Quittenbaum den bronzenen Platz auf dem Siegertreppchen. Als Material für die filigranen, den industriellen Charakter betonenden Stühle wählte Aicher Stahlrohr und Schichtholz, die er weiß oder schwarz lackieren ließ. Die dreibeinigen Stühle mit dazugehörigem Tisch verließen die Auktion am 9. Dezember schon bei 15.000 Euro (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Ganz anders ging es einigen weiteren Sitzmöbeln, die keinen Käufer überzeugen konnten. Zu ihnen gehören beispielsweise Jean Prouvés unikater dunkelbrauner, schlichter Polsterstuhl (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR), zwei Paare des „ZigZag“-Stuhls von Gerrit Rietveld (Taxen zwischen 10.000 und 14.000 EUR), Arne Jacobsens schwarzer „Egg chair“ mit Ottoman (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder Stefan Zwickys Betonsessel „Grand confort, sans confort, dommage à Corbu“ von 1980 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Rietveld konnten vielmehr mit seinen sogenannten „Kistenmöbel“ punkten. Der aus naturbelassenen Kiefernholzplatten einfach zusammengezimmerte Tisch „Crate“ von 1934 erzielte 3.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), nachdem bereits zuvor ein dunkel gebeizter Schreibtisch mit Armlehnstuhl aus dieser Serie für 6.000 Euro an einen neuen Besitzer ging (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Ein Set aus vier Armlehnstühlen und einem Esstisch des Tschechen Josef Gocár wurde für die erwarteten 12.000 Euro an den Mann gebracht und reist nun nach Amerika. Das um 1914 geschaffene Ensemble aus dunkel gebeiztem Kiefernholz stammt ursprünglich aus einer Villa nahe Prag und stellt einen Übergang vom Jugendstil in den Kubismus dar. Erich Dieckmanns ebenso kantigen Kinderarmlehnstuhl von 1926 erwarb ein deutsches Museum für 8.000 Euro (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Richard Riemerschmids „Propeller-Tisch“ aus der „Einrichtung III“ von 1905 bestach dann durch seine klaren, aber extravaganten Formen und erreichte 7.500 Euro knapp unterhalb der Erwartung.

„Tabula rasa“, ein faltbarer Tisch des Ginbande-Duos Uwe Fischer und Klaus-Achim Heine aus dem Jahr 1987, verzeichnete mit 9.500 Euro ebenfalls ein relativ gutes Gebot. In einem schwarzen Kasten sind die bis zu fünf Meter ausziehbare Tischplatte und zwei entsprechend lange Bänke verstaut (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Bei Philip Arctanders Modelle des „Clam Chair“, welche er 1944 mit flauschigem Scharffell überzog, bleibt die Nachfrage stabil, auch wenn die hohen Werte der vergangenen Frühjahrsauktion bei Quittenbaum nicht erreicht wurden. Jetzt kamen jeweils 8.000 Euro zusammen (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR). Das in gleicher Weise gestaltete Tagesbett aus den 1940/50er Jahren erreichte die obere Schätzung von 4.000 Euro.

Emile Gallé gab seiner Etagère „Ombelles“ von 1903 eine große Doldenblüte als Rückwand mit, die sich über die Ränder des Schränkchens ausbreitet. Das Möbel aus Edelhölzern erwarb ein Käufer für 9.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Aus dieser frühen Zeit überzeugten jeweils zur unteren Taxe noch Charles Robert Ashbees runde silberne Schale von 1902 mit ihren ausladenden Henkelarmen zu 4.000 Euro und Josef Hoffmanns rosafarbene Vase mit ihrem schwarzen geometrischen und floralen Dekor von 1911 zu 6.000 Euro. Für Ico Parisis Bar, einen mit Mahagonifurnier verkleideten globusartigen Polyeder auf Rollenfüßen aus den 1950er Jahren, konnte Quittenbaum keinen Käufer finden (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Dafür ließen sich zwei vierteilige Stuhlsets Hans J. Wegners aus dem Jahr 1950 taxkonform bei 5.000 Euro und 5.100 Euro übernehmen. Herbert Hirches Unikatsofa aus der Einrichtung von Heinrich Löffelhardt, das ebenfalls die neue Leichtigkeit der 1950er Jahre spiegelt, sicherte sich wiederum ein deutsches Museum bei 3.800 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR).

Einen besonderen Platz nahmen auch die Lampen bei Quittenbaum ein. Für 10.000 Euro konnte die auf die Hälfte dieser Summe geschätzte Schwenklampe von Heinrich Siegfried Bormann versteigert werden. Die von 1931 stammende „Nr. 830“ gestaltete der Designer in schlichtem Schwarz und eckigen aber fließenden Formen. Ebenfalls schwarz ist Serge Mouilles Stehleuchte „Lampadaire simple“ von 1953. 6.500 Euro brachte Quittenbaum der filigrane Dreifüßler ein (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Auch unter den Leuchten konnten einige Modelle nicht verkauft werden. Vor allem verwundert dies bei der besonders dekorativen Tischlampe „Dragonfly“. Eine an Blätter und Insekten erinnernde Struktur zieht sich über den Schirm der Leuchte, die Clara Driscoll 1899 für die Tiffany Studios in New York entwarf. Hier waren aber die 50.000 bis 60.000 Euro zu hoch angesetzt. Auch ein Dagobert Peche zugeschriebener Kronleuchter aus dem Jahr 1914, welcher sich aus Gold und Weiß bemalten Blüten und Blättern zusammensetzt, konnte keinen Käufer finden (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Wolfgang Tümpels extravaganter Prototyp einer Tischleuchte von 1927 aus Edelstahl und Aluminium ging ebenfalls leer aus (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Kunst des 20. Jahrhunderts

Die freie Kunst des 20. Jahrhundert, die Quittenbaum zunehmend mit ins Boot nimmt und am 10. Dezember in einem eigenen Katalog präsentierte, hatte bei teils anspruchsvollen Schätzungen etwas Absatzprobleme. Losbezogen wanderten nur knapp über 30 Prozent der 215 Arbeiten in neue Hände. Mit Abstand das höchste Gebot brachte Hans Herrmanns Aquarell des Berliner Reichstagsgebäudes von 1893, kurz vor dessen Fertigstellung. Das nachimpressionistische Werk kaufte ein deutsches Museum für 30.000 Euro zur unteren Schätzung. Weit hinter diesem Erfolg lassen sich die anderen Aufrufe des Abends ansiedeln. Weitaus besser als am von Herrmann gewählten Regentag ist das Wetter am „Strand in der Bretagne“. Eugen Spiro konnte mit seinem Ölgemälde von 1929 aber nur 5.200 Euro verzeichnen (Taxe 7.000 bis 7.500 EUR). 6.200 Euro wurden für Ernst Ludwig Kirchners etwas unspektakuläre schwarzweiße Lithografie des „Altmarkts in Dresden mit Jahrmarkt“ von 1910 geboten (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Einige schöne Frauen konnten bei Quittenbaum keinen Liebhaber überzeugen. So erging es Paul Klees Farblithografie der „Heiligen vom Innern Licht“ von 1921 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und auch Josef Scharls junger Dame mit blauem Umhang von 1945 (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Al Hansens angedeuteter nackter Frauenkörper, den er 1982 aus gebrauchtem Zigarettenpapier auf schwarzen Grund collagierte, könnte dagegen für 4.600 Euro den Besitzer wechseln (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR). Eine sich sonnende Dame und ihr Bikiniabdruck auf der Brust zeigt Tom Wesselmann mit „Nude“ von 1965. Die plakative Pop Art-Serigrafie brachte 4.500 Euro ein (Taxe 5.000 bis 5.500 EUR). Unverkauft blieb eines der Highlights der Auktion: Acht auf Leinwand gedruckte Fotografien von Claudia Schiffer, welche Gunter Sachs im Stil Andy Warhols nachbearbeitete und 1991 auf diese Weise eine „Hommage à BB et Andy“ schuf (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Den zweiten Platz der Auktion belegt ein unscheinbares Blatt von Martin Kippenberger. Seine „Collage aus Dummies zu Telefonkarten mit ‚Roger’“ von 1992 ging für 8.500 Euro und damit für etwas mehr als erwartet über den Ladentisch. Daran schlossen sich noch zwei weitere Arbeiten Kippenbergers mit Telefonkarten aus einer süddeutschen Sammlung einträglich für 3.300 Euro und 3.500 Euro an. Im Bereich der fotografischen Arbeiten war Michelangelo Pistolettos 500 Mal verlegte Mappe „Cartella B“ von 1983 für 3.700 Euro am erfolgreichsten (Taxe 3.700 bis 4.000 EUR). Die bestbezahlteste Plastik war Renée Sintenis’ „Junger sitzender Terrier“ in Bronze von 1925 mit 6.000 Euro (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR). Keinen Käufer konnte im dreidimensionalen Sektor das teuerste Werk, Walter de Marias 1966 geschaffener Quader aus blank poliertem rostfreiem Stahl „High Energy Bar“, finden (Taxe 42.000 bis 48.000 EUR). Das Relief war mit Horst Kuhnerts geometrischer Arbeit von 1971 vertreten. Das Quadrat, gebildet aus einem schwarzen und weißen Dreieck, konnte sich von 3.000 Euro auf 4.200 Euro verbessern. Jesús Rafael Sotos an einen Webrahmen erinnerndes „Kinetisches Objekt“ von 1968 belegt mit 7.500 Euro Platz drei der Kunstauktion (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

Zu den hochpreisigeren und unverkauften Werken gehören Ernst Fuchs’ verschwommen und erst auf den zweiten Blick erkennbare „Mohnblüten in schwarzer Vase“ von 1986 (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Auch das Motiv von Uwe Lindaus in Öl und Mischtechnik gefertigtem Werk von 1984 ist unklar. Die titellose, ornamental-figürliche Leinwand spielte 4.200 Euro ein (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Mimmo Rotellas emulgierte Leinwand „Il traffico (Der Verkehr)“ von 1965 blieb ebenfalls liegen (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR), und auch Jean Tinguelys „L’Enfer dans la Coupole“ von 1989, bunte Formen unter einer halbkreisförmigen Rundung als Entwurf für ein Glasfenster, war mit 90.000 bis 100.000 Euro zu hoch angesetzt.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Quittenbaum Kunstauktionen

Theresienstraße 60

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 273 702 125

Telefax:+49 (089) 273 702 122

E-Mail: info@quittenbaum.de

Startseite: www.quittenbaum.de



18.01.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Mona Zimmer

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