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Marktberichte |
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Porzellan, Malerei, Silber, Asiatika und Mobiliar satt offerierte das Traditionshaus Leo Spik in Berlin bei seiner umfangreichen Auktion  Königlich serviert

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 |  | Jupiter im Himmelswagen, Meißen, um 1860 | |
Ein Göttervater ist es gewohnt, an der Spitze zu stehen. Getreu diesem Anspruch rauschte ein Porzellan-Jupiter bei der Versteigerung im Berliner Haus Leo Spik mit seinem Meißner Himmelswagen an vielen der Artefakte vorbei und holte sich einen der vorderen Plätze. Die um 1860 in der berühmten Porzellanstadt entstandene Plastik bietet dem gekrönten Zeus, der mit blauem Lendentuch, Blitzbündel und Zepter in der Hand ausgestattet ist, auf ihrem mit goldenen Zierbändern geschmückten, vorne geschweiften Sockel Platz. Sein Streitwagen ragt aus einer wattig anmutenden Anhäufung von Wolken heraus, die mal hier mal da kleine Blitze mit sich herumträgt. Zwei mächtige Greifvögel ziehen das Gespann des Göttervaters, der zur Verstärkung einen kleinen Putto bei sich hat; er greift ebenso tatkräftig um sein kleines Blitzbündel. Ein besonderes Schmankerl sind neben der liebevoll und detailreich umgesetzten farbigen Fassung die zarten Ketten des aus Messing bestehenden Zaumzeugs. Die aus zwei Teilen verschraubte Gruppe ging mit einem Schätzwert von 3.500 Euro ins Rennen. Zur Freude des Einlieferers korrigierte ein Interessent die Taxe nach erstem Zögern auf einen Endpreis von erfreulichen 6.800 Euro deutlich nach oben und erhob die Figur damit zum standesgemäßen Iuppiter Optimus Maximus.
Insgesamt wurden Anfang Dezember losbezogen rund 45 Prozent des reichhaltigen Angebots umgesetzt, das über 2000 Objekte aus den Bereichen Grafik, Gemälde, Bücher, Porzellan, Silber, Schmuck, Uhren, Mobiliar, Kunstgewerbe, Teppiche und Asiatika umfasste. So manch höherpreisige Hoffnungsträger ließen sich jedoch nicht zu einem Besitzerwechsel hinreißen, darunter Richard Riemerschmids 31teiliges Kaffeeservice „Blaue Rispe“ von 1903/05, Johann George Humberts silbernes Kandelaberpaar von etwa 1825 oder aus dem Bereich der Malerei Christian Wilhelm Ernst Dietrichs Parkszene „Reunion Galante“ für jeweils 15.000 Euro. Fast sensationell war dagegen der Auftritt eines Desserttellers von KPM aus dem Service Friedrichs II. Für überschaubare 400 Euro bot Spik den mit blauem Zierband, goldradierter Lorbeergirlande und farbigem Blumenbukett geschmückten Teller an. Nicht zuletzt seine Herkunft tat ihr Übriges zu einem überraschenden Hammerschlag bei 6.600 Euro, der dem schmucken Geschirr zu einem unverhofften Glanzauftritt verhalf.
Porzellan und Silber
In den Schatten geriet aufgrund des königlichen Tellers ein golden gefasster Krater auf schwarzer Standplatte, der bei KPM umlaufend mit einer feinlinig ausgeführten Flusslandschaft samt Hirten bemalt wurde. Das 30 Zentimeter hohe Gefäß stammt aus den Jahren zwischen 1817 und 1823. Die klassische Erscheinung reichte nicht ganz für einen Ausnahmeauftritt aus, und so nutze ein gewiefter Bieter die Gelegenheit, sich das Gefäß schon bei 5.000 Euro zu sichern (Taxe 6.000 EUR). Ein gutes Ergebnis gab es für die „Braut als Europa auf dem Stier“ aus der Werkstatt Adolph Ambergs. Die weibliche Hauptfigur aus dem Tafelaufsatz, den Amberg 1904 für die Hochzeit des deutschen Kronprinzenpaars entworfen hatte, verließ für 2.600 Euro die Versteigerung (Taxe 2.000 EUR). Beim Silber überzeugte eine schlichte ovale Schale des Dresdner Meisters Carl Gottlob Schrödel um 1816 die Kundschaft, die dafür 2.200 Euro spendierte (Taxe 1.500 EUR). Die aufwändiger gestalteten Objekte, wie Johann George Hossauers Samowar mit Rechaud um 1845/47 aus dem Besitz der Gräfin von Rechteren-Limpurg-Speckfeld für taxkonforme 2.000 Euro und das Rokoko-Leuchterpaar des Augsburger Meisters Philipp Caspar Scheppich für 2.200 Euro, hatten hier das Nachsehen (Taxe 3.000 EUR).
Gemälde
Teuerstes Werk bei den Gemälden wurde der von weiter Landschaft umgebene „Jardin à la française“ aus dem Umreis Jean Cotelles d.J. Der noch nach barocker Manier gestaltete Garten aus dem 17. Jahrhundert ist durch zahlreiches Bildpersonal, wie Höflinge, Kutschfahrer, Lakaien und eine Gouvernante mit kleinem Kind belebt und kam auf 7.500 Euro (Taxe 8.500 EUR). Ihm folgte bei taxgerechten 6.000 Euro der „Golf von Neapel und Vesuv“ Ferdinand Konrad Bellermanns. In warme Mittagssonne getaucht, zieht sich die Küstenstadt an der von hellblauem Wasser gefüllten Bucht entlang. Eine vielfältig begrünte Felsanhöhe in der rechten Bildseite unterstreicht die zielgerichtete Sicht auf die Stadt.
Erfolgreich wechselte auch der „Herbsttag im Spreewald“ von Walter Moras den Besitzer. Das anmutige Arrangement aus einem romantischem Bauernhaus, der ruhigen Wasseroberfläche des Flusses, der Bäuerin, die einen Kahn steuert, und der die Szene umgebenden Natur aus großen Bäumen, grünen Wiesen und friedlichen Enten konnte 5.000 Euro erzielen (Taxe 4.000 EUR). Diesen Wert gab es zudem für Jan Frans van Sons Stillleben mit zwei geschlossenen Tulpenblüten und Orangenblütenzweig in einer godronierten Balustervase (Taxe 5.000 EUR). Fedot Vasilevich Sychkovs „Zwei Freundinnen“ stechen durch ihre bunten Bauerntrachten ins Auge, die sich lebhaft von der weißen Schneelandschaft abheben. Mit ihren roten Bäckchen lächelten sich die zwei Mädchen, an ein Gatter gelehnt, zu einem Preis von 5.400 Euro hoch und ließen damit die Taxe von 4.500 Euro hinter sich.
Möbel
Im Bereich der Möbel legten vor allem Dresdner Kommoden einen starken Auftritt hin. Ein dreischübiges Werk aus Nussbaum mit eingelegten Maserholzfeldern, leicht geschweifter Front und geschwungenen Seitenkanten stammte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Für das gute Stück investierte ein Kunde schließlich 6.000 Euro (Taxe 2.500 EUR). Ein vergleichbares, etwas kleineres und kantigeres Exemplar schoss gar von 1.500 Euro auf 7.000 Euro. Star der Möbelsuite wurde indes eine Kommode aus dem Schloss Bärenstein im Erzgebirge. Der geschweifte zweischübige Korpus aus Nussbaum mit Zierfriesen und Maserholzfeldern wurde ebenfalls um 1740/50 in einer Dresdner Werkstatt gefertigt und verbesserte sich deutlich auf 9.400 Euro (Taxe 4.000 EUR).
Sächsischer Provenienz war zudem ein großer Barockschrank um 1730, der durch Pilaster, Kranzgesims und Bastionsfüllungen architektonisch gegliedert war. Er erreichte 5.000 Euro (Taxe 3.500 EUR). Um diese Zeit fertigte wohl Johann Christoph Schwartze in Dresden einen Aufsatzsekretär nach englischem Vorbild. Mit seinem Nusswurzelfurnier, dem hohen, verspiegelten Aufbau und dem gesprengten Giebel gefiel den Kunden auch dieses Möbel, die dafür 7.500 Euro bewilligten (Taxe 5.000 EUR). Jean Holthausen stempelte seine schicke Kommode aus Veilchenholz und Königsholz, die mit einer überstehenden grau-weißen Marmorplatte bedeckt ist. Das um 1765 in Paris gefertigte Stück erzielte in der Berliner Auktion solide 5.600 Euro (Taxe 5.000 EUR). Ein Paar kleiner klassizistischer Holzkommoden sorgte ebenfalls für zufriedene Momente. Die rechteckigen Mahagoni-Schränkchen verfügen über drei Schubkästen, die seitlich von Halbsäulen aus weißem Marmor flankiert werden. Die zierlichen Berliner Stücke aus der Zeit um 1820 konnten die veranschlagten 2.400 Euro leicht überwinden und gaben sich erst mit 5.000 Euro zufrieden.
Asiatika, Tapisserien und Schmuck
Bei den Asiatika erfreute sich vor allem eine zwölfteilige Kupferstichfolge von Isidore Stanislas Helman guten Zuspruches. Der „Feldzug des Qianlong-Kaisers“, der nach Vorlagen der Jesuitenpater und kaiserlichen Hofmaler Giuseppe Castiglione, Ignatius Sichelbarth, Jean-Denis Attiret und Jean Damascene in den 1780er Jahren in Paris gestochen wurde, spielte 4.600 Euro ein (Taxe 2.400 EUR). Ein flämischer Wandteppich aus gewirkter Wolle und Seide mit einer Jagdgesellschaft bei der Rast ließ sich dem neuen Besitzer für 5.000 Euro übergeben (Taxe 6.000 EUR). Die Schmuckabteilung steuerte schließlich das teuerste Objekt der Auktion bei, einen Ring mit einem Brillantsolitär von rund 4,21 Karat. Hier musste sich der Einlieferer allerdings mit 20.000 Euro begnügen (Taxe 28.000 EUR).
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Leo Spik Kurfürstendamm 66 DE-10707 Berlin |
 | Telefon:+49 (030) 8836170 | Telefax:+49 (030) 8839734 |  |
04.03.2015 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 24 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (21) |  | •  | Veranstaltung vom: 04.12.2014, Auktion
652 |  | •  | Bei: Leo Spik Berlin
|  | •  | Bericht: Wohnen auf Sächsisch
|  |  | •  | Kunstwerk:  Paar Kommoden, Berlin, um 1820 |  | •  | Kunstwerk:  Walter Moras, Herbsttag im Spreewald |  | •  | Kunstwerk:  Dessertteller aus dem Service Friedrichs II., KPM, um
1786 |  |  | •  | Kunstwerk:  Jupiter im Himmelswagen, Meißen, um 1860 |  | •  | Kunstwerk:  Carl Gottlob Schrödel, Ovale Schale, Dresden um 1816 |  | •  | Kunstwerk:  Ring mit Brillantsolitär |  |  |
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 Flämisch,
Wandteppich, wohl
17. Jahrhundert |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 1945 |  |  |  |  |  | 
 Ferdinand Konrad
Bellermann, Golf von
Neapel und Vesuv |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 6.000,- EURO Losnummer: 5 |  |  |  |  |  | 
 Johann Christoph
Schwartze, Johann
Christoph Schwartze
zugeschrieben,
Aufsatzsekretär,
Dresden um 1730 |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 7.500,- EURO Losnummer: 1379 |  |  |  |  |  | 
 Carl Gottlob
Schrödel, Ovale
Schale, Dresden um
1816 |  | Taxe: 1.500,- EURO Zuschlag: 2.200,- EURO Losnummer: 838 |  |  |  |  |  | 
 Krater mit
Landschaftsmalerei,
KPM, um 1817/23 |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 564 |  |  |  |  |  | 
 Dresden, Kommode, um
1760 |  | Taxe: 1.500,- EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 1388 |  |  |  |  |  | 
 Jean Holthausen,
Kommode, Paris um
1765 |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 5.600,- EURO Losnummer: 1391 |  |  |  |  |  | 
 Isidore Stanislas
Helman, Der Feldzug
des
Qianlong-Kaisers,
1783-1786 |  | Taxe: 2.400,- EURO Zuschlag: 4.600,- EURO Losnummer: 1916 |  |  |  |  |  | 
 Jan Frans van Son, Jan
Frans van Son
zugeschrieben,
Stillleben |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 209 |  |  |  |  |  | 
 Sachsen, Schrank, um
1730 |  | Taxe: 3.500,- EURO Zuschlag: 5.200,- EURO Losnummer: 1377 |  |  |  |  |  | 
 Ring mit
Brillantsolitär |  | Taxe: 28.000,- EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 1200 |  |  |  |  |  | 
 Dessertteller aus
dem Service
Friedrichs II., KPM,
um 1786 |  | Taxe: 400,- EURO Zuschlag: 6.600,- EURO Losnummer: 525 |  |  |  |  |  | 
 Adolph Amberg,
Europa auf dem Stier,
um 1904/05 |  | Taxe: 2.000,- EURO Zuschlag: 2.600,- EURO Losnummer: 625 |  |  |
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