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Auktions-Nachbericht: Gemälde und Antiquitäten im Palais Kinsky

Schlappe für Schiele



Henri de Toulouse-Lautrec,  Le divan Japonais, 1892/93

Henri de Toulouse-Lautrec, Le divan Japonais, 1892/93

Spektakuläre Ergebnisse gab es kaum bei der 34. Kunstauktion im Palais Kinsky in Wien. Besonders die beiden Toplose der Auktion von Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts am ersten Tag wurden empfindlich zurückgestuft und wechselten letzten Endes für rund die Hälfte der Schätzpreise die Besitzer. Ein Selbstportrait mit Maske von Egon Schiele, das die Entwicklung des Künstlers vom Jugendstil weg hin zum Expressionismus erkennen lässt und damit als Schlüsselwerk angesehen werden kann, wurde erst im Nachverkauf zum Preis von 6 Millionen Schilling an ein Museum verkauft. In der Auktion hätte es 9 bis 12 Millionen Schilling einbringen sollen. Auch eine zweite Papierarbeit, ein Blatt, das beiderseitig mit Zeichnungen mit den typischen ausgezehrten Figuren bedeckt ist, konnte „nur“ für 2,8 Millionen und nicht, wie erhofft, für 5 bis 7 Millionen Schilling veräußert werden.



Erfolgreich waren am 15. und 16. Mai zwei Rötelzeichnungen aus dem Nachlass von Schieles Lehrer Gustav Klimt (1862-1918). Entspannt zurückgelehnt ist die „Schlafende“ in dem einem Blatt, eine Studie zu einem Portrait von Adele Bloch-Bauer ist Thema des zweiten. Beide waren auf 50.000 bis 70.000 Schilling geschätzt worden und fanden für 80.000 einen Käufer. Eine dritte Zeichnung des Jugendstilkünstlers, die eine sitzende, beleibte Dame zeigt und wohl aufgrund der hier vorhandenen Signatur für 80.000 bis 120.000 Schilling angeboten wurde, blieb im Auktionshaus zurück.

Nachdem Henri de Toulouse-Lautrec schon zwei Cafés in der Rue de Martyrs mit Werbung ausgestattet hatte, gab 1892 auch Edouard Fournier, der Besitzer des „Divan Japonais“ ein Plakat bei diesem Künstler in Auftrag. Das Ergebnis dieses Auftrags zeigt eine Farblithographie, die ihre Schätzung von 80.000 bis 120.000 Schilling auf 200.000 Schilling steigern konnte. Schon die zeitgenössische Kritik konnte sich für die ironische und dennoch treffenden Milieu-Darstellungen begeistern, die auch ihre Werbewirkung nicht verfehlten.

Den höchsten Preis der Auktion erzielte ein Bild von Rudolf von Alt. Das Aquarell zeigt ein ländliches Motiv, eine alltägliche Szene um einen barocken Brunnen. Es dominieren jedoch nicht die Personen, sondern die Kronen der beiden Bäume, die das Geschehen einrahmen. Jedes einzelne Blatt scheint sichtbar, die Fülle und Schwere des Laubes sind das eigentliche Thema dieses Kunstwerkes. Erwartungsgemäß fiel der Hammer bei 950.000 Schilling (Taxe 800.000 bis 1.200.000 ATS).

Unbedingt erwähnenswert ist auch die Studie einer Schreitenden von Erika Giovanna Klien aus dem Jahr 1926. Die Künstlerin analysierte in diesem Aquarell in kubistischer Weise den Bewegungsverlauf und übersetzte ihn in geometrische Formen. Ihr Œuvre fand in diesem Jahr in Wien eine besondere Beachtung: Bereits zwei Ausstellungen zeigten Werke Kliens. Dem mag auch das große Interesse der Bieter an dieser Arbeit entspringen: das kleinformatige Bild war auf 50.000 bis 70.000 Schilling taxiert worden und verdreifachte sich auf 190.000 Schilling.

Die Gemäldeauktion am 15. Mai endete mit dem Aufruf von Bildern zum besonders niedrigen Preis. Hier fand eine kleine Hinterglasmalerei von Oskar Laske für 20.000 Schilling (Taxe 15.000 ATS) einen Liebhaber. Es zeigt eine „Orientalische Szene“, einen Herrn mit Turban, der ein Kind auf dem Arm trägt, im Hintergrund sieht man ein Kamel, einen Paradiesvogel, eine Moschee. Bemerkenswert ist,dass im Hauptteil der Auktion alle drei aufgerufenen Gemälde desselben Malers durchfielen.

Die Versteigerung wurde am nächsten Tag mit dem Antiquitätenangebot fortgesetzt. Am erfolgreichsten zeigte sich hier eine Moscheeampel aus dem Atelier des Glaskünstlers Philippe-Joseph Brocard, Paris. Diese Art von Gefäßen stellte Brocard zur Zierde her, orientierte sich dabei an Ampeln aus den Moscheen des 14. und 15. Jahrhunderts in Kairo. Die Leuchten kamen im Mode, Brocard fand viele Nachahmer und verkaufte schon zeitlebens an Museen. Das vorliegende Stück aus dem Jahre 1877 ist in sehr gutem Zustand. Der Korpus aus grünlichem Glas ist reich mit Gold, Emaillefarbe und Glasperlen verziert. Die Aufhängung besteht aus sechs Ketten aus Goldbronze und bunten Glasperlen. 700.000 Schilling war der Preis für das Schmuckstück, das auf 500.000 bis 1 Million Schilling taxiert worden war.

Besonders umkämpft war eine Standuhr, deren Ziffernblatt von Daniel Quare, London signiert ist und auf etwa 1700 datiert wird. Der Korpus ist möglicherweise geringfügig jünger und besteht aus Eichenholz, das mit Walnussholz furniert wurde. Er ist mit Intarsien aus Ahorn und verschiedenen Edelhölzern geschmückt, die ein kompliziertes Blumenmuster zeigen. Die Uhr wurde zunächst für 30.000 Schilling angeboten, das Bietgefecht endete erst bei 200.000 Schilling. Ähnliches Interesse fand ein Ranftbecher aus dem Wien des frühen 19. Jahrhunderts. Er zeigt das Bild eines Amors in einer Mondsichel, der „L’amour en croissant“, zunehmende Liebe, symbolisieren soll. Der Name des Künstlers ist Anton Kothgasser, das 11 Zentimeter hohe Gefäß wechselte zum Preis von 200.000 Schilling (Taxe 60.000 ATS) den Eigentümer.

Wiener Kunstauktionen
Palais Kinsky
Freyung 4
A-1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 532 42 00
Telefax: +43 (0)1 – 532 49 00

www.palais-kinsky.com



25.07.2001

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Julia Brodauf

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