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Les baigneurs, 1980/81 / Niki de Saint Phalle

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Möbel und Antiquitäten im Wiener Dorotheum

In Asien herrschen Frauen



Lodewijk van Schoor,  Tapisserie mit Allergorie Asiens, um 1700

Lodewijk van Schoor, Tapisserie mit Allergorie Asiens, um 1700

Zu den Kostbarkeiten der kommenden Versteigerung von Möbeln und Antiquitäten im Wiener Dorotheum gehört eine fünfeinhalb Meter breite Tapisserie mit einer allegorischen Darstellung des Kontinents Asien. Signiert ist das figurenreiche Ensemble mit einer Frauengruppe, darunter mehreren Herrscherinnen, Dienern, Kamel im Schatten von Palmen und einer Palastarchitektur von Lodewijk van Schoor, der um 1700 unter anderem für die Brüsseler Manufaktur Judocus de Vos’ arbeitete. Dieser wird auch der hervorragend erhaltene Teppich im Dorotheum zugeschrieben, der nun für 60.000 bis 80.000 Euro offeriert wird. Eine Reihe hübscher Kommoden des Rokoko und Frühklassizismus aus Frankreich mit floraler oder geometrischer Zier ist durch ihre Schöpfer signiert, unter anderem von Joseph Schmitz, Pierre Macret, Adrien Delorme und Pierre Garnier. Die Preise liegen zwischen 9.000 und 20.000 Euro.


Möbel

Für etwas ausgefallenere Möbeltypen ist dann etwa Jacques-Laurent Cosson verantwortlich, der seinen Toilettentisch um 1765/70 mit nach oben aufklappbaren Fächern ausgestattet hat. Innerhalb der Quadrat-, Blumen- und Musikinstrumentenmarketerie befinden sich noch die Porzellan- und Glasgefäße für Düfte, Pasten und Öle (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Zwei schlichte, mit Mahagoni furnierte Eckschränkchen des aus Deutschland nach Paris eingewanderten Martin Ohneberg um 1780 sollen 5.000 bis 7.000 Euro kosten. Eine aufwändigere Ecklösung stammt aus Italien, sind doch auf den Kästchen noch pyramidale Aufsätze angebracht (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Eine grün gefasste Wiege des 18. Jahrhunderts mit floralen Malereien haben die Experten des Dorotheum in Venedig lokalisiert (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Hochbarocke Pracht verströmt ein Portalrahmen mit korinthischen kannelierten Säulen, der ursprünglich in einem toskanischen Haus der Gegend um Florenz eingebaut war (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Auf deutscher Seite beeindruckt hier ein mächtiger Frankfurter Wellenschrank mit Nussfurnier von etwa 1720 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). In dem schwarzen Korpus eines Kabinettschranks des 19. Jahrhunderts verbergen sich fein geschnitzte Reliefintarsien wohl von Adam Eck aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die unter anderem mehrere antike Götter, die Herrschertugenden und die vier Jahreszeiten verbildlichen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Handwerklich meisterhaft sind auch die hochdekorativen Produkte der Historisten des späten 19. Jahrhunderts wie eine im Stil des Rokoko gehaltene Tischaufsatzvitrine von Gervais Maximilien Eugène Durand (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Aus der bombastischen Erstausstattung des von Ludwig II. von Bayern erbauten Schlosses Linderhof soll ein Ensemble üppiger Neorokokomöbel der Münchner Hofschreinerei Anton Pössenbacher stammen, darunter ein Paar wuchtiger, überreich geschnitzter und vollständig goldgefasster Kommoden für 30.000 bis 45.000 Euro.

Skulpturen

Neben einer anrührenden Pieta wohl des lombardischen Bildhauers Maffeo Olivieri um 1510 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und einer Tiroler Madonna von circa 1460 (Taxe 26.000 bis 20.000 EUR) sind bei den Skulpturen zwei Reliefs hervorzuheben, die in meisterlich feiner und dichter Schnitztechnik die Auferweckung des Lazarus und die Predigt Johannes des Täufers zeigen. Filippo Porri hat sie laut Signatur und Datierung 1671 geschaffen (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Johann Peter Schwanthaler d.Ä. ist für eine frühklassizistische Kreuzigungsgruppe mit der weinenden Maria Magdalena zu den Füßen Jesu um 1780 verantwortlich (Taxe 4.800 bis 5.000 EUR). Vom Wiener Heinrichshof, einem 1861/63 von Theophil von Hansen errichteten Ringstraßenpalast der Gründerzeit, der 1945 beschädigt und 1954 abgerissen wurde, stammt ein Paar Terrakottahermen in Gestalt muskulöser Männerkörper (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR). Bei den Einrichtungsgegenständen hat das Auktionshaus einen lebensgroßen neckischen weiblichen Marmorakt des italienischen Bildhauers Fortunato Galli eingeordnet, datiert 1886 und mit 30.000 bis 40.000 Euro bewertet.

Glas

„Wer’s Glück hat, führt die Braut heim“ heißt es als Unterschrift unter einem bunten Glasbildfenster des Frankfurter Meisters Alexander Linnemann. Freilich ist das Glück wankelmütig, wie die auf einer Glaskugel balancierende Allegorie der Fortuna erahnen lässt (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Sein Sohn Otto Linnemann verfolgte 1914 bei seiner „Beweinung Christi“ dann schon einen deutlich moderneren, expressiveren Zugriff auf seine Thematik. Das Musterfenster einer Friedhofskapelle präsentierte er auf der berühmten Werkbund-Ausstellung 1914 in Köln (Taxe 3.600 bis 5.000 EUR). Klassische Glaswaren hält der Katalog mit einem Becher samt mehreren Goldmedaillons von Johann Joseph Mildner aus dem Jahr 1769 (Taxe 4.500 bis 6.000 EUR) oder mit mehreren Ranftbechern Anton Kothgassers bereit. Die mit Wiener Veduten oder biedermeierlichen Sinnsprüchen gestalteten Gläser sollen bis zu 12.000 Euro einspielen.

Porzellan

Die Verherrlichung des Kurfürstentums Sachsen machte Johann Joachim Kändler 1765 zum Gegenstand einer großen Meißner Figurengruppe, in deren Zentrum das Portrait der damals bereits verstorbenen Gemahlin Augusts III., Maria Josepha von Österreich, auf einem hochovalen Medaillon prangt (Taxe 36.000 bis 50.000 EUR). Neben zahlreichen weiteren Porzellanfiguren, etwa dem Kändler-Modell „Liebespaar mit Mops in einer Laube“ um 1765 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), hat die Porzellanmanufaktur Meißen eine frühe Teekanne in rotbraunem Böttger-Steinzeug um 1708 mit asiatischem Dekor zu bieten (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auch die Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien meldet sich in der Auktion recht zahlreich zu Wort, etwa mit der Figur des Brighella aus der commedia dell’arte um 1750 (Taxe 2.400 bis 3.000 EUR), dem gleichaltrigen, aber unstaffierten Kollegen Pulcinella (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), einem Deckeltopf mit Imari-Dekor aus dieser Zeit (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), zahlreichen Tassen aus dem Klassizismus für bis zu 5.000 Euro oder einem fünfteiligen Solitär aus den frühen 1790er Jahren, das in Brauntönen mit Veduten aus Apulien bemalt ist (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Unter den Porzellanbildern verdient ein gemäldehaftes Arrangement mit Wiener Veduten aus der Zeit um 1860 Hervorhebung (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Mit russischem Publikum rechnet das Dorotheum für das Hauptlos der Auktion: Ein Paar St. Petersburger Kratervasen von circa 1830, die mit etruskischen Motiven geschmückt sind, wird für stolze 150.000 bis 170.000 Euro offeriert. Sie gehörten einst zur Ausstattung des damals gerade neugebauten Zarinnen-Pavillons. Mit mehr als einem Meter Höhe besitzt eine Deckelvase der Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg von circa 1825/55 stattliche Dimensionen, auf der umlaufend eine prachtvolle Landschaft mit Versatzstücken aus Neapel und Umgebung zu sehen ist (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). 24.000 bis 28.000 Euro soll ein 1843 datierter St. Petersburger Teller mit einem Militärmotiv kosten. Andere Manufakturen tun sich gegen diese Übermacht schwer. Zu nennen sind noch Frankenthal mit den Pendants „Dame mit Muff“ und „Kavalier mit Muff“ von Johann Friedrich Lück um 1760 (Taxe 3.000 bis 3.600 EUR) und Sèvres mit den 16 Teilen aus dem bisher weitgehend verschollenen Dessertservice für den Marquis de Durfort, das Charles-Louis Méreaud d.J. um 1765 mit Glockenblüten, Lorbeerranken und Blütengirlanden verziert hat (Taxe 14.000 bis 20.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 22. April um 14 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.dorotheum.com einsehbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



18.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Solitär mit Veduten aus Apulien, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, 1792/94
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 Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Vasenpaar mit etruskischem Dekor, 1830

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 Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, Tasse mit Untertasse „Vue de Marie-Zell dans la Stirie“, 1819/20

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 Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, Solitär mit Veduten aus Apulien, 1792/94

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