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Raus aus dem Atelier und hinein ins Leben: Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker, die Gründer der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, hatten Ende der 1950er Jahre genug von der artistischen Mutlosigkeit der Nachkriegszeit. Mit der Ästhetik des Raumfahrtzeitalters huldigten sie dem technischen Fortschritt und knüpften ein weltweites Netzwerk – jetzt zu besichtigen im Berliner Martin-Gropius-Bau

Wanderzirkus ZERO



ZERO in der Düsseldorfer Wohnung von Alfred Schmela, um 1965

ZERO in der Düsseldorfer Wohnung von Alfred Schmela, um 1965

„Fünf – vier – drei – zwei – eins - zero: Rakete flitzt hoch“, zitierte der Kritiker der Zeitung „Die Welt“ am 25. Juli 1961 aus der Zeitschrift „Zero“, die am Abend zuvor in der Düsseldorfer Avantgarde-Galerie Schmela einem illustren Publikum vorgestellt worden war. Mit Beiträgen von und über Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker, Arman, Yves Klein, Jean Tinguely oder Piero Manzoni zog die gleichnamige, international vernetzte Künstlergruppe erstmals Zwischenbilanz. Geboren wurde die neue, optimistische und fortschrittsgläubige Bewegung einige Jahre zuvor in einem zerbombten Atelierhaus in Düsseldorf-Unterbilk. Und das ist allein deshalb schon bemerkenswert, weil der künstlerische Diskurs im Nachkriegsdeutschland lange Zeit vom Informel geprägt war. Einer zwar auch international beachteten, abstrakten Kunst des Gestischen, Formlosen und Expressiven, die aber aus der Sicht der Jungen an ihrer weltabgewandten Innerlichkeit krankte.


Die Ausstellung „ZERO – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre“ im Berliner Martin-Gropius-Bau ist mit 43 Künstlern aus elf Ländern die bislang größte ZERO-Ausstellung weltweit. Rund 200 Werke – darunter Malerei, kinetische Objekte und Lichtkunst aus der Zeit zwischen 1957 und 1967 – sind auf 20 Ausstellungsräume und den Lichthof des Gropiusbaus verteilt. Zudem dokumentieren Fotos, Plakate und Zeitungsausschnitte den künstlerischen Aufbruchwillen der damaligen Zeit, der auch von den bürgerlichen Medien bis hin zur Boulevardpresse und dem Fernsehen zwar mit Verwunderung, aber insgesamt wohlwollend begleitet wurde. Dennoch: Trotz der Vielfalt des dargebotenen Materials wirkt die Schau übersichtlich und klar gegliedert. Die große, sich drehende Mondscheibe von Heinz Mack im Lichthof des Ausstellungshauses bildet ihr spektakuläres Zentrum.

Kurator Daniel Birnbaum – er ist der Direktor des Moderna Museet in Stockholm – wagt sich weit über den Kreis von Mack, Piene und Uecker hinaus. Er zeigt ZERO und seine Ableger als Grenzen überwindende, transnationale Bewegung, die in Belgien, Frankreich, Italien, den USA und sogar Japan eine enorme Wirkung entfaltete. Warum hält er gerade zum jetzigen Zeitpunkt eine derart umfassende Ausstellung zu ZERO für so wichtig? Birnbaum dazu: „Die Verbindung zu Wissenschaft und Forschung macht die Kunst von ZERO so besonders, und das ist auch einer der Gründe dafür, warum ZERO für viele heutige Künstler aktuell bleibt.“ Gerade zeitgenössische Künstler wie Olafur Eliasson, Carsten Höller oder der in Berlin lebende Argentinier Tomás Saraceno hätten, so Birnbaum, Fragestellungen von ZERO aufgegriffen und weiterentwickelt.

„Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang“, formulierten es die drei Gründer Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker 1963 in ihrem Manifest. Trotz der Null: Mit Nihilismus oder Verweigerungshaltung hatte ZERO nie etwas zu tun. Wenn der Countdown bereits abgelaufen ist, gibt es zwischendurch noch diese kurze Schrecksekunde, den reflektierten Moment des Innehaltens vor dem eigentlichen Start, in dem alles möglich ist oder, wie es die Gründungsväter der Bewegung ausdrückten: diese „unmeßbare Zone, in der ein alter Zustand in einen unbekannten neuen übergeht“.

Spiegelfolie, Alupaneele, Kunststoffe, Leuchtmittel aller Art, Elektromotoren. Manche der damaligen High-Tech-Materialien, die die ZERO-Künstler verwendeten, wirken heute angesichts des enormen technischen Fortschritts natürlich nicht mehr so frisch wie damals und verbreiten ein fast schon nostalgisches Flair. Dennoch vermittelt die Schau ein faszinierendes Gefühl des Aufbruchs und der Erneuerung. Nicht zuletzt die Bereitschaft der ZERO-Künstler zum gemeinschaftlichen Arbeiten und zu multipler Autorenschaft macht diese Bewegung angesichts des heutigen Kults um egomanische Künstlerstars so sympathisch.

Die Ausstellung „ZERO – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre“ ist bis zum 8. Juni zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 8 Euro; bis 16 Jahre ist er frei. Der 560seitige Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König mit 954 Farbabbildungen kostet in der Ausstellung 29,95 Euro, im Buchhandel 45 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07

Startseite: www.gropiusbau.de

www.4321zero.com



13.05.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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21.03.2015, ZERO - Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre

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Gruppenbild anlässlich der Ausstellung „NUL65“ im Stedelijk Museum Amsterdam, 1965

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in der Ausstellung „ZERO – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre“

in der Ausstellung „ZERO – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre“

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