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Marktberichte |
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Gute Ergebnisse bei nicht allzu hoher Zuschlagsrate für die Alten und Neueren Meister bei Lempertz in Köln  Unbekannt und trotzdem besser als Rubens

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 |  | Leonardo da Vinci, Leonardo da Vinci Umkreis, Madonna mit Kind in felsiger Landschaft | |
Die beiden Höhepunkte erlebte das Kölner Auktionshaus Lempertz auf seiner Versteigerung Alter und Neuerer Meister am 16. Mai gleich zu Beginn. Da war zunächst eine Darstellung der Madonna aus der Hand eines norditalienischen Meisters, der seine künstlerische Handschrift sichtlich im engen Umkreis Leonardo da Vincis geschult hat. Trotz Unsicherheiten in der Zuschreibung – insbesondere Andrea Solario wurde vorgeschlagen und wieder verworfen – entfachte sich um die 77 Zentimeter hohe Holztafel mit der Mutter Gottes samt Buch und nacktem Jesusknaben im Schoß vor einer fantasievollen felsigen Flusslandschaft mit Stadt ein heftiges Bietgefecht, das österreichischer Kunsthandel erst bei 240.000 Euro und damit zum Doppelten der Schätzung für sich entschied. Gleich darauf gelangte ein kompletter, wenn auch recht kleiner Flügelaltar des sogenannten Meisters von Hoogstraeten mit Otto Wesendonck-Provenienz zum Aufruf. Die Schätzung lag zwar schon bei 200.000 bis 240.000 Euro, doch für die von den Märtyrerinnen Katharina und Barbara flankierte Heilige Familie mit musizierender und dienender Engelschar in weiter sattgrüner Landschaft zahlte ein belgischer Sammler schließlich 260.000 Euro.
Zwei namentlich nicht bekannte Künstler setzten sich also an die Spitze der Ergebnisliste, die mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 43,5 Prozent doch einige Lücken aufwies. Da musste sogar ein Peter Paul Rubens bescheiden zurücktreten, wenngleich das in seiner Werkstatt gearbeitete Motiv „Angelika und der Eremit“ seine untere Bewertung durch Anstrengung englischen Handels auf 150.000 Euro verdoppeln konnte. Die gleiche Entwicklung machte Anthonis Mors Bildnis einer unehelichen Tochter Kaiser Karls V., Margarete von Parma mit Namen, für 140.000 Euro. Roelant Saverys im Hintergrund verblauende „Landschaft mit Hirten und Pferdewagen“ von 1609 erzielte mit 64.000 Euro ebenfalls etwa das Doppelte der Schätzung, markierte damit bei den altniederländischen Landschaften allerdings schon das obere Ende. Höher lagen zwei Stillleben: Balthasar van der Asts Blumenvase vor einer Nische mit allerlei Kleintieren ging zur unteren Schätzung von 100.000 Euro weg, und Pieter de Rings Arrangement aus Zitrone, Römer, Trauben, Kirschen und einem Schalentier kletterte von 50.000 bis 60.000 Euro auf 76.000 Euro.
Dirk van Delens prachtvolle Renaissancekircheninterieur mit großem Lettner, darüber aufgestellter Orgel und einer Darbringung im Tempel vom Ende der 1620er Jahre erreichte die unteren anvisierten 80.000 Euro. Bei dem Utrechter Caravaggisten Jan van Bijlert war das Kaufverhalten unterschiedlich. Während sein flötespielender junger Hirte mit 46.000 Euro im unteren Schätzbereich verharrte, engagierten sich die Kunden vor allem bei einem bisher unbekannten älteren Soldaten in Brustharnisch mit Bierkrug und hoben ihn auf 36.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Blieb Gabriel Metsus bäuerliche Genreszene „So die Alten sungen, so pfeiffen die Jungen“ zuletzt im Mai 2013 bei Lempertz mit einer Erwartung von 130.000 bis 140.000 Euro liegen, interessierten sich diesmal mehrere Sammler für die Großeltern mit dem kleinen Mädchen beim Musizieren und verbesserten die halbierte Erwartung auf 95.000 Euro. Die recht verwickelte Liebschaft zwischen Jupiter und Io aus Ovids Metamorphosen hat Gerbrand van den Eeckhout 1672 bildlich ein einem dreiteiligen Zyklus umgesetzt. Die Darstellung, in der Juno die zur Kuh verwandelte Io einfordert, konnte sich nun über taxkonforme 18.000 Euro freuen.
Eine in der Wiedergabe der Körperlichkeit ausgezeichnete Darstellung des jungen aufblickenden Sängers Orpheus, zugeschrieben dem neapolitanischen Frühbarock-Maestro di Baranello, schaffte trotz des etwas lädierten Zustandes der Leinwand 42.000 Euro, die ein italienischer Sammler bewilligte (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Hier rechtfertigte die künstlerisch-technische Qualität fraglos den Preis, während bei der Steigerung von 25.000 bis 35.000 Euro auf 82.000 Euro für ein nur zehn Zentimeter hohes ovales Selbstbildnis Francesco Albanis noch besondere Gründe mitgespielt haben müssen. Sogar großformatige Arbeiten des Lodovico Carracci-Schülers verharren normalerweise weit unterhalb dieser Grenze.
Freilich gestaltet sich die richtige Preisfindung bei Italienern der zweiten Garde aus dieser Zeit nie ganz einfach, wie auch der Unterschied zwischen den geschätzten 38.000 bis 44.000 Euro und den erzielten 115.000 Euro für Luca Giordanos figurenreiche Kupfertafel „Christus unter den Schriftgelehrten“ bewies. Zwei dekorative Veduten des Ripa Grande in Rom aus der Werkstatt Gaspar van Wittels konnte eine italienische Sammlerin auch erst bei 118.000 Euro übernehmen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Korrekturen nach oben gab es zudem für Pompeo Girolamo Batonis Bildnis eines jungen feschen Mannes im Oval von 1779 mit 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und für eine ebenfalls frühklassizistische Landschaft mit ruinösem Rundtempel, Wasserfall und Figurengruppe aus dem Umkreis Claude Joseph Vernets mit 56.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Bei den Papierarbeiten bestätigte Hans Bols 1587 datierte Gouache „Bauernhochzeit“ ihre Favoritenrolle bei taxgerechten 42.000 Euro. Eine breitformatige Federzeichnung Willem van de Veldes d.J. mit vor Anker liegenden Segelschiffen spielte mit 21.000 Euro etwa das Doppelte des Schätzpreises ein, was ähnlich auch auf einen François Boucher zugeschreibenen dahingesunkenen Männerakt für 28.000 Euro und die rasche Tusche- und Bleistiftzeichnung eines Kohlewagens von Théodore Géricault für 20.000 Euro zutraf. Die beiden ovalen Gouachen mit südlichen, teils arkadischen Landschaften von Louis Albert Guislain Bacler d’Albe platzierten sich mit 7.000 Euro genau in der Mitte des Schätzrahmens.
Bescheiden gegenüber den Alten Meisters traten ihrer jüngeren Kollegen aus dem 19. Jahrhundert auf. Immerhin manches Bild legte kräftig zu, so Johann Peter Hasenclevers genrehafte Szene „Arbeiter vor dem Stadtrat“ aus dem Revolutionsjahr 1848 für 70.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR) und Hans von Marées’ Ölstudie „Fünf Männer in einer Landschaft“ wohl aus den frühen 1870er Jahren für 43.000 Euro aus der Hand New Yorker Handels (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei Johann Wilhelm Schirmers sturmgepeitschter Landschaft, in der schon Bäume umgeknickt sind und Menschen sich zu Boden werfen müssen, kamen einträgliche 38.000 Euro heraus (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Der Belgier Jacob Jacobs verbuchte für sein noch nicht so geschäftiges Treiben im Hafen von Istanbul im goldenen Licht der frühen Morgensonne aus dem Jahr 1870 gute 24.000 Euro (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR), Andreas Achenbach für seinen 1885 gemalten Küstenstreifen in Holland mit einigen Fischern ebenfalls in den Morgenstunden 13.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).
Eine eigene Sitzung hatte Lempertz den rund 75 Skulpturen gewidmet, die mit 53,3 Prozent verkaufter Lose die beste Zuschlagsrate aufwies. Als teuerste Arbeit ging eine thronende Madonna nordfranzösischer Herkunft um 1360/80 aus Kalkstein für 76.000 Euro von der Auktionsbühne in belgischen Handel (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Ein ausdrucksvoller heiliger Sebastian, geschnitzt aus Lindenholz um 1500 von einem Ulmer Meister, ließ sich erst bei überraschend hohen 46.000 Euro bitten (Taxe 22.000 bis 26.000 EUR). Jeweils taxgerechte 40.000 Euro kamen für eine hübsche schwäbische Holzmadonna von circa 1470/80 und einen heiligen Georg aus Bayern oder Tirol zusammen. Große Aufmerksamkeit erregten die Offerten einer rheinischen Privatsammlung, die sich auf Elfenbeinfiguren unterschiedlichster Provenienz konzentriert hat. Ein „Guter Hirte“ des 17. oder 18. Jahrhunderts aus dem indischen Missionsgebiet wurde von 7.000 bis 10.000 Euro auf 70.000 Euro gehoben und übertraf damit sogar eine weitere Sebastians-Statuette, die dem Wiener Meister Matthias Steinl zugewiesen wird und sich mit 54.000 Euro begnügen musste (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Kunsthaus Lempertz Neumarkt 3 DE-50667 Köln |
 | Telefon:+49 (0221) 92 57 290 | Telefax:+49 (0221) 92 57 296 |  |  | E-Mail: info@lempertz.com |
05.06.2015 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 31 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (29) |  | •  | Bei: Kunsthaus
Lempertz |  | •  | Bericht: Guter Hirt aus
Indien |  | •  | Kunstwerk:  Anthonis Mor, Bildnis der Margarethe von Parma |  |  | •  | Kunstwerk:  Meister von Hoogstraeten, Heilige Familie mit Engeln und die Heiligen Katharina und
Barbara |  | •  | Kunstwerk:  Heiliger Sebastian, Ulm, um 1500 |  | •  | Kunstwerk:  Andreas Achenbach, Holländische Strandlandschaft, 1885 |  |  | •  | Kunstwerk:  Jacob Jacobs, Geschäftiges Treiben im Hafen von Istanbul, 1870 |  | •  | Kunstwerk:  François Boucher zugeschrieben, Männlicher Akt |  | •  | Kunstwerk:  Pompeo Girolamo Batoni, Bildnis eines
jungen Mannes mit weißem Kragen, 1779 |  |  |
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 Gaspar Adriaensz van
Wittel, Gaspar
Adriaensz van Wittel
Werkstatt, Ansicht
des Hafen von Ripa
Grande – Ansicht der
Strada di Marmorata
in Ripa Grande |  | Taxe: 40.000 - 50.000 EURO Zuschlag: 118.000,- EURO Losnummer: 1127 |  |  |  |  |  | 
 Gabriel Metsu, So die
Alten sungen, so
pfeifen die Jungen |  | Taxe: 60.000 - 70.000 EURO Zuschlag: 95.000,- EURO Losnummer: 1080 |  |  |  |  |  | 
 Johann Peter
Hasenclever,
Arbeiter vor dem
Stadtrat, 1848 |  | Taxe: 30.000 - 35.000 EURO Zuschlag: 70.000,- EURO Losnummer: 1216 |  |  |  |  |  | 
 Matthias Steinl,
Matthias Steinl
zugeschrieben,
Heiliger Sebastian |  | Taxe: 15.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 54.000,- EURO Losnummer: 1569 |  |  |  |  |  | 
 Théodore Géricault,
Der Kohlenwagen |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 1193 |  |  |  |  |  | 
 Meister von
Hoogstraeten,
Heilige Familie mit
Engeln und die
Heiligen Katharina
und Barbara |  | Taxe: 200.000 - 240.000 EURO Zuschlag: 260.000,- EURO Losnummer: 1009 |  |  |  |  |  | 
 Jacob Jacobs,
Geschäftiges
Treiben im Hafen von
Istanbul, 1870 |  | Taxe: 10.000 - 14.000 EURO Zuschlag: 24.000,- EURO Losnummer: 1229 |  |  |  |  |  | 
 Ulm, Heiliger
Sebastian, um 1500 |  | Taxe: 22.000 - 26.000 EURO Zuschlag: 46.000,- EURO Losnummer: 1528 |  |  |  |  |  | 
 Goa, Guter Hirte,
17./18. Jahrhundert |  | Taxe: 7.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 70.000,- EURO Losnummer: 1567 |  |  |  |  |  | 
 Dirk van Delen,
Kircheninterieur
mit der Darbringung
im Tempel |  | Taxe: 80.000 - 100.000 EURO Zuschlag: 80.000,- EURO Losnummer: 1075 |  |  |  |  |  | 
 Andreas Achenbach,
Holländische
Strandlandschaft,
1885 |  | Taxe: 5.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 1233 |  |  |  |  |  | 
 Gerbrand van den
Eeckhout, Juno,
Jupiter und Io, 1672 |  | Taxe: 18.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 1100 |  |  |
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