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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Gute Zuschlagsquoten, aber auch Ausfälle im hohen Preissegment prägten die Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Koller in Zürich

Auch in der Schweiz überrunden die Jungen die Alten



Als Cuno Amiet im Juli 1961 im Alter von 93 Jahren starb, hinterließ er ein Gesamtwerk von so bedeutendem Umfang, dass eine Schweizer Auktion klassisch-moderner Kunst ohne ihn heute eigentlich undenkbar wäre. Gewöhnlich bewegen sich die Preise für nicht allzu exzeptionelle Arbeiten des Meisters, der den Ausklang des Impressionismus noch mitgestaltete und in seinen letzten Lebensjahren den rasanten Aufstieg der Pop Art noch erlebt hat, im fünfstelligen und selten im sechsstelligen Bereich. Zwischendurch aber sind seine kleineren Schöpfungen auch für Überraschungen gut, wie sich kürzlich auf der Versteigerung des Zürcher Auktionshauses Koller zeigte. Dort gelangte als Losnummer 3042 ein „Weiblicher Akt“ zum Aufruf, hinter dem sich die junge Hilda Trog verbirgt, die Amiet noch häufiger auf Leinwand bannte. Das 1912 entstandene Gemälde aus der Zeit seiner Mitgliedschaft bei der „Brücke“ war auf 50.000 bis 80.000 Franken angesetzt, entfachte aber einen rasanten Bietwettbewerb und konnte erst bei 235.000 Franken zugeschlagen werden.


Schweizer Kunst

Es war damit einer der Höhepunkte der beiden Auktionstage Ende Juni, die nicht immer den Erwartungen des Auktionshauses entsprachen. Gut startete die Schweizer Kunst mit Landschaften des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter dem um 1778 von Caspar Wolf gemalten Panorama „Muntiggalm über den Seebergsee auf die Stockhornkette und den Meniggrat“ aus dem Berner Oberland für 150.000 Franken (Taxe 80.000 bis 130.000 SFR) oder Alexandre Calames wirklichkeitsnaher Ansicht des Reichenbachfalls „Torrent dans une gorge, arbres“ von circa 1850 für 32.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Schon der Auftakt der Auktion am 26. Juni gestaltete sich mit dem weiten biedermeierlichen Blick Abraham Sigmund August von Bonstettens auf die weißen Berner Alpen bei Sinneringen an einem Sommertag des Jahres 1827 mit 12.000 Franken einträglich (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Auch Albert Ankers in Kohle fein gezeichneter „Großvater mit dem schlafenden Knaben“ von circa 1888 erfüllte bei 85.000 Franken ganz die Erfordernisse (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Das Hauptlos aber, Ferdinand Hodlers symbolistisch-heroischer Männerakt unter dem Titel „Urkraft“ von 1908/09, wurde trotz fast marktfrischer Herkunft bei 400.000 bis 500.000 Franken an den Einlieferer zurückverwiesen. Ebenso erging es seinem meditierenden Greis von circa 1885 bei 190.000 bis 250.000 Franken, Cuno Amiets Rosen in einer Vase von 1911 bei 150.000 bis 200.000 Franken oder Hermann Scherers nackten „Badenden am Bergbach“ um 1923 bei 120.000 bis 150.000 Franken.

Augusto Giacomettis flirrend-buntes Hafenbild „Marseille II“ von 1930 musste sich mit 300.000 Franken aus Schweizer Hand bescheiden (Taxe 350.000 bis 450.000 SFR). Zwei weitere Arbeiten des Meisters, das farbleuchtende Aquarell „Mein Geburtshaus“ um 1914 und ein pastoser „Zweig mit roten Beeren“ von 1911, erreichten taxgerecht 60.000 Franken und 80.000 Franken. Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 58 Prozent konnte ein Gutteil der Schweizer Kunst losgeschlagen werden, wenngleich heftige Wettbewerbe ausblieben, so bei Gottardo Segantinis neoimpressionistischer Idylle „Primavera“ von 1938 für 60.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR) oder Félix Vallottons kühlem Stillleben-Interieur „Hortensia et citron“ von 1923 für 110.000 Franken (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Der 1898 geborene Max Gubler reüssierte mit der stark abstrahierten expressiven „Nachtlandschaft mit Gaswerk Schlieren“ aus der Zeit um 1955 bei guten 42.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), sein sieben Jahre älterer Bruder Eduard Gubler konnte sich über 50.000 Franken für ein neusachliches „Stillleben mit Korb“ von 1924 freuen (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), und Aimé Barraud über 16.000 Franken für seine vollerblühten „Œillets de poète“ in bunter Keramikvase um 1951 (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR).

Moderne Kunst

Ganz im Zeichen der älteren Franzosen stand die Sektion „Impressionismus und Klassische Moderne“. Nach guten Anfängen im preislichen Mittelfeld mit 40.000 Franken für das stimmungsvolle Seestück „Rochers sur la mer“ von Henri Martin im Farbspiel der untergehenden Sonne (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR) oder 62.000 Franken für Camille Pissarros kleinen „Paysage à La Varenne-Saint-Hilaire“ von 1863 flaute das Interesse merklich ab (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). So standen am Ende nur 41 verkaufte von 89 angebotenen Positionen auf der Ergebnisliste, und die beiden Hauptlose der Auktion, Pierre-Auguste Renoirs junge „Bergère“ in farbenfroher Weidelandschaft von circa 1902 für 1 bis 1,5 Millionen Franken und Marc Chagalls lyrisch nachtblaue „Famille du pêcheur“ von 1968 für 2,5 bis 3 Millionen Franken bleiben unverkauft. Zwei Spätwerke Renoirs von 1917 ließen sich dann in Schweizer Sammlungen allerdings jeweils etwas unterhalb der Schätzungen weitervermitteln: Bei 230.000 Franken sein „Bouquet d’anémones“ und bei 170.000 Franken die „Baigneuse assise, de dos“.

Auch ein Meisterwerk der abstrakten Malerei, eine nicht näher betitelte Komposition mit locker übereinander gelegten Farbflächen und Linien von Ben Nicholson aus dem Jahr 1933, musste mit 125.000 Franken um mindestens 25.000 Franken zurückstecken. Oftmals orientierten sich die Kunden an der unteren Taxgrenze, etwa bei Jean-François Raffaëllis klarem Sonnentag bei „Nôtre Dame de Paris, vue de quai Saint-Michel“ von etwa 1900 mit 80.000 Franken, bei Maurice Utrillos Eingangstor zum berühmten „Maison du Docteur Blanche“ von 1922 mit 50.000 Franken oder bei Maurice de Vlamincks Stillleben aus Gefäßen, Büchern, Tageszeitung und einem Obstteller wohl von 1919 mit 95.000 Franken. Gewinnbringend waren die Zuschläge für Antoine de La Rochefoucaulds pointillistischer grün-rosafarbener Acker- und Waldlandschaft mit 13.000 Franken (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR) und vor allem für die beiden Gemälde Brassaïs. Der als Fotograf berühmte Ungar betätigte sich zu Beginn seiner Laufbahn malerisch und ließ sich in den 1920er Jahren von kubistischen Tendenzen beeinflussen. Das honorierten die Kunden mit 12.000 Franken für ein Stillleben mit Keramikgefäßen und Weinflasche (Taxe 2.500 bis 3.500 SFR) und gar mit 33.000 Franken für ein Selbstportrait von 1923 (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR).

Die qualitätvolle und mit prominenten Künstlernamen wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Henri Matisse bestückte Offerte an Papierarbeiten erwies sich dann wieder als zu ambitioniert taxiert. Pablo Picassos 1906 zart in Bleistift gezeichnetes Portrait einer jungen Frau, Marie Gabrielle de Vien mit Namen und gern gesehenes Modell in den Pariser Ateliers, blieb an 70.000 Franken hängen (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Eine Wertsteigerung gelang mit einer kleinen, aber kraftvollen Winterlandschaft Alfons Waldes aus den mittleren 1920er Jahren, die sich von 60.000 bis 80.000 Franken auf 90.000 Franken verbesserte, ebenso mit Oskar Mulleys typisch gespachteltem Bauerngehöft in den Bergen um 1925 bei 30.000 Franken (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Solide im Rahmen der Erwartungen landeten Marianne von Werefkins expressionistischer Dorffriedhof an „Allerseelen“ von circa 1930 für 110.000 Franken sowie zwei Arbeiten Bernard Buffets, „Le Pont“ von 1993 für 65.000 Franken und „Fleurs dans un vase“ von 1996 für 55.000 Franken.

Zeitgenössische Kunst und Grafik

Mit einer losbezogenen Verkaufsrate von 61,5 Prozent klangen die Zeitgenossen wieder deutlich besser als die Klassiker an. Die beiden Hauptlose, Hans Hartungs wuchtiges braun-schwarzes Strichbild „T1958-18“ und Fernando Boteros körperlich ebenfalls sehr ausladendes Menschenpaar „Mother and Child“ von 2003, rissen mit 330.000 Franken und 340.000 Franken die unteren Grenzen ihrer annähernd identischen Schätzungen. Tom Wesselmanns unverwechselbar sachlich daherkommende Farbzeichnung „Embossed Nude 1“ von 1965/69 verbuchte mit 63.000 Franken einen deutlich Wertzuwachs (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR). Eine stilllebenhafte Assemblage aus Gefäßen, Besteck und anderen Gelegenheitsgegenständen, die Daniel Spoerri 1969 nach einem kleinen Gelage auf der blauen Tischplatte festfrieren ließ, konnte erst bei 36.000 Franken außer Haus getragen werden (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR).

Wilfrid Mosers wilde Collagemalerei „Métro violet“ von 1963, in der er Wortfragmente mit einem Ausbruch an Farbe und Gestik impulsiv zusammenführte, schloss bei 24.000 Franken im oberen Schätzbereich ab, ebenso Urs Lüthis ironische Selbstmotivierung „Therapy IV“ von 1999 bei 14.000 Franken. Bei Francesco Clemente war das Kaufverhalten uneinheitlich. Während die beiden doppelgesichtigen Aquarelle „Self-Portrait with Alba“ von 1982 auf 20.000 Franken und 18.000 Franken stiegen (Taxe je 6.000 bis 8.000 SFR), blieb sein ein Jahr älteres Fresko „Caryatia“ mit einem neuartigen Menschenbild bei 34.000 Franken knapp hinter seinen Möglichkeiten zurück. Erfolgreich stellten sich noch Antoni Tàpies’ gespritzte Kreuzform mit einem collagierten Stück Papier von 1976/78 bei 10.000 Franken (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR), Josef Staubs akkurate Chromstahlspirale „Hurrican“ von 1994 bei 20.000 Franken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR) und Zoltán Keménys kleinteilig gefaltetes braunes Metallrelief „Air and Air“ von 1956 bei 16.000 Franken auf der Ergebnisliste ein (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR).

Die höchste Zuschlagsquote gelang Koller mit der Abteilung „Grafik, Multiples & Fotografie“ bei 63 Prozent. An erster Stelle positionierte sich bei 56.000 Franken ein Portfolio mit 29 Farblithografien, die nach Pablo Picassos Zyklus von fantasievollen Menschendarstellungen auf Wellpappe aus dem Jahr 1969 entstanden (Taxe 40.000 bis 50.000 SFR). Der Jahrhundertkünstler stieß zudem mit seinem linienbetonten Linolschnitt „La pique cassée“ von 1959 bei 28.000 Franken (Taxe 14.000 bis 18.000 SFR) und mit seiner schwarzweißen Lithografie „Jacqueline lisant“ von 1958 bei 24.000 Franken auf Gegenliebe (Taxe 18.000 bis 22.000 SFR). Bei Cy Twomblys titelloser skripturaler Offsetlithografie von 1971 sprangen 22.000 Franken heraus (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR), bei Andy Warhols bekannter Goethe-Adaption 42.000 Franken (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR). Poppig blieb es mit Tom Wesselmanns später Farbserigrafie „Monica nude with Lichtenstein“ von 2002 für 29.000 Franken (Taxe 10.000 bis 20.000 SFR) und Niki de Saint Phalles Multiples der voluminösen „California Nana“ von 1999 bei 22.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Richard Serras 1999 gedruckter schwarzer Farbkreis „B.B. King“ mit einigen Farbspritzern kletterte auf 14.000 Franken (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR), Jesús Rafael Sotos vibrierendes „Carré blanc intérieur“ von 1995 auf 26.000 Franken (Taxe 17.000 bis 22.000 SFR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



26.07.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

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