Katinka Pilscheur in Berlin Das Haus am Lützowplatz widmet Katinka Pilscheur eine Schau im Ausstellungsraum der IG Metall in Berlin. Die 1974 in Herdecke an der Ruhr geborene Künstlerin, die in Berlin lebt und arbeitet, ist hier mit einer Skulptur und einer Auswahl an Bildtafeln vertreten. Der Zufall spielt eine entscheidende Rolle im Werk Pilscheurs, die von 1998 bis 2004 an der Universität der Künste in Berlin bei Rebecca Horn und Frank Badur studierte. Ihr Ausgangsmaterial bilden vorgefundene Dinge, oft industriell hergestellte Produkte, die sie meist monochrom fasst. Die zentralen Materialien in der Schau sind Vierkantrohre, Neonröhren, Messing und Autolack.
Katinka Pilscheur bezieht auch die Orte ein, in denen ihre Arbeiten stehen werden. Ihre Skulptur „13-09-2013“, die aus den geometrischen Formen des Quadrats, der Linie und des Kreises besteht, war ursprünglich für einen Ausstellungsraum in einem Altbau aus dem 19. Jahrhundert gedacht. So nahm die Künstlerin die dortigen Proportionen des Stuckquadrats an der Raumdecke auf. Die formal strenge Arbeit, die an die Minimal Art erinnert, steht nun aber im Dialog mit der Architektur Erich Mendelsohns und R.W. Reichels, die das IG Metall-Gebäude 1929 in Formen des Neuen Bauens entwarfen. Die raumgreifende Skulptur tritt nun in einen Dialog mit dem Bau. Die Elemente der Skulptur, stürzende Linien, Diagonalen, Bögen und die integrierten strahlenden Neonröhren verliehen der Arbeit Leichtigkeit und Dynamik. Pilscheur setzt in ihr Gerüst eine Tafel, die mit blauem BMW-Autolack bemalt und von einem Messingstab durchbohrt ist. Dies waren auch stilbildende Punkte für Mendelssohn, der 1926 schrieb: „Tagsüber füllt sich die Stadt mit Energie. Nachts sprüht sie alles Leben von sich. Im Webnetz der Autolichter im Lichtruf der Geschäftsreklame, in den Vertikalen der Hochhauslichter. Lichtzirkus, nur ganz selten, wie hier im Rhythmus der Architektur….“
Den zweiten Teil der Ausstellung bilden farbige Bildtafeln, die in streng serieller Reihung hängen. Die monochromen Arbeiten in Perlgrau, Grasgrün und Zinnoberrot sind in den Proportionen der Deutschen Industrienorm, den DIN-Formaten, gehalten. Sie sind Teil einer fortdauernden Untersuchung Katinka Pilscheurs und ein Ausschnitt aus einer Art internationaler Grammatik der Farben, an der sie arbeitet. Die Farbtöne der Gemälde stammen aus Kuba, wo Pilscheur die ortsspezifischen Autolacke sammelte. In Kuba wird eine andere Palette genutzt als in Europa, da die Töne in den Werkstätten und Lackierereien individuell abgemischt werden und damit aus keinem industriell reproduzierbaren Farbfächer stammen. Bestimmte Töne kommen jedoch immer wieder vor. So werden die Bilder auch zu einer Art atmosphärischem Porträt Kubas. Ferner sind sie auch ein Spiel mit der Geschichte der Farbfeld- und der seriellen Malerei.
Die Ausstellung „Katinka Pilscheur“ läuft bis zum 7. November. Der Ausstellungsraum in der IG Metall hat täglich außer am Wochenende von 9 bis 18 Uhr und am Freitag bis 14.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Ausstellungsraum der IG Metall
Alte Jakobstraße 149
D-10969 Berlin
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