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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gemälde vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert aus der ehemaligen Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt warten bei Neumeister in München auf neue Besitzer

Ein Sammlerleben



Andrea Appiani d.Ä.,  Auguste de Beauharnais, Vizekönigin von Italien, mit ihren Töchtern Josephine und Eugenie, 1809

Andrea Appiani d.Ä., Auguste de Beauharnais, Vizekönigin von Italien, mit ihren Töchtern Josephine und Eugenie, 1809

Die Sammlung Schäfer hat in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts einen klangvollen Namen. Die versierte Sammeltätigkeit des 1925 verstorbenen Geheimrats Georg Schäfer übertrug sich auf seinen gleichnamigen Sohn, der die mit qualitätvollen Gemälden der Münchner Schule bestückte Kollektion seines Vaters innerhalb mehrerer Jahrzehnte zunehmend mit hohem Sachverstand ausbaute. Die Erben brachten den Kern der Sammlung 1997 in eine Stiftung ein, die seit dem Jahr 2000 im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt präsentiert wird. Mit rund 900 Gemälden und über 4.000 Pastellen, Aquarellen und Zeichnungen dokumentiert es die künstlerische Substanz der Sammelleidenschaft Schäfers und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Kaum ein anderes Museum entschlüsselt seither in so konzentrierter Form die deutsche Kunst zwischen 1780 und 1925. Andere Werke der Sammlung verblieben im Privatbesitz der Nachkommen. Bei einer Sonderauktion gelangen daraus nun rund 100 Positionen wieder auf den Kunstmarkt. Die Erben haben sich wie schon im Jahr 2005 dabei für das Münchner Auktionshaus Neumeister entscheiden, bei dem schon Georg Schäfer ab den 1950er Jahren regelmäßiger Kunde war und sich vom Seniorchef Rudolf Neumeister beraten ließ.


Die Offerte startet zeitlich im ausgehenden Rokoko mit zwei heiteren Schäferszenen von Januarius Zick. Die Hirtengruppe an einem Brunnen in einer Parklandschaft und die brieflesende Schäferin mit ihren Begleitern am Karren sind als Pendants angelegt und jeweils moderat – wie das übrige Angebot auch – mit 18.000 bis 22.000 Euro angesetzt. Eine der edelsten Losnummern ist Andrea Appianis „Auguste de Beauharnais, Vizekönigin von Italien, mit ihren Töchtern Josephine und Eugenie“. Als Napoleon Bonaparte ihm 1805 den Titel des „Premier Peintre du Roi“ verlieh, folgten zahlreiche Aufträge für die kaiserliche Familie, was Appiani zu einem der wichtigsten Interpreten des französischen Klassizismus und der neuen Ikonografie in Portraitkunst werden ließ. So saß auch Auguste 1809 vor Appianis Staffelei und machte das Gemälde ihrem Gemahl Eugène de Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons, zum Geschenk. Die anmutige Adelige trägt ein rotes Empirekleid mit goldenen Applikationen und hat sich mit ihren zwei Töchtern im Kleinkindalter um eine Landkarte versammelt, wobei die zweijährige Josephine auf die Stadt Raab in Ungarn deutet. Hier hatten am 14. Juni 1809 die napoleonischen Truppen unter Führung Beauharnais’ den österreichischen Gegner besiegt. Staatsportrait und intimes Bildnis konnte Appiani hier klug miteinander verbinden (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Auch Josef Karl Stieler, der Hofmaler des bayrischen Königs, portraitierte Mitglieder der Adelsfamilie, so 1823 die jugendliche Josephine de Beauharnais, die in Appianis Darstellung noch Kleinkind war. Im Jahr der Eheschließung mit dem schwedischen Kronprinzen Oskar legte Stieler das Hüftbild vor Wolkenhintergrund im Oval an. Die blauen Augen Josephines sind hellwach und frontal zum Betrachter gerichtet, ihr weißes Kleid mit goldenen Bändern umspielt zart ihren Leib (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Spätestens als Friedrich von Amerling 1845 seine Italienreise antrat, eröffnete sich eine neue Welt ungeahnter Eindrücke. Von der Schönheit italienischer Frauen gefesselt, malte er vermutlich 1845 die „Italienerin (Chiaruccia) mit Spinnrocken“, die trotz ländlicher Tracht und abgewendetem Blick klassisch anmutet und anziehend wirkt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). In ihrer Schlichtheit charmant ist Franz von Lenbachs Ölstudie eines stehenden Hirtenknaben wohl aus den 1850er Jahren (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Passend zur aktuellen Catel-Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle hält der Katalog zwei Gemälde des Deutschrömers bereit. Besonders in der Mitte der 1820er Jahren beschäftigte sich Franz Ludwig Catel mit der populär werdenden Mönchsromantik und schuf eine felsige Kartäuserklause mit drei betenden Mönchen bei Mondschein (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Für seine stimmungsvollen Naturschilderungen aus Italien steht die Studie mit der Bucht von Palermo samt Blick auf den Monte Pellegrino aus dem Jahr 1846 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Carl Spitzweg tummelt sich reich in der Sammlung des Schweinfurter Industriellen; so konnte Georg Schäfer 1956 ein größeres Konvolut an Arbeiten des Münchner Biedermeiermalers erwerben. Spitzwegs „Gebirgsmühle“ zeugt von virtuoser, flinker Pinselführung, die die Natur auch in ihrer Erhabenheit einfängt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), während er bei dem „Mädchen mit Ziege“ seinen Blick auf die Figur konzentriert. Die in ein Dirndl gekleidete Magd, die inmitten von Felsen, Wald und Sträuchern ihre Körbe, gefolgt von einem Geißlein, den holprigen Weg entlangträgt, geht für 30.000 bis 40.000 Euro ins Rennen. Hans Thomas hügelige Landschaft „Taubertal mit Blick auf Rothenburg“, hauptsächlich in Brauntönen gehalten, gibt den Blick auf die Häusersilhouette der mittelalterlichen Stadt frei und steht für den friedlichen Einklang zwischen Natur und Menschengemachtem (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Johann Sperl war gleichfalls einer der Hausgötter bei Georg Schäfer, was die fünf Gemälde des Katalogs deutlich machen. Sie dokumentierten Sperls künstlerische Entwicklung vom talentierten Genremaler in seiner „Tanzpause“ mit einem jungen, sich zugeneigten Paar in ländlicher Tracht (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR) bis zum Schilderer der Landschaft um Kutterling mit einem weiten Blick über eine Wiese am Hang mit Gänsen und Kindern (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Die Genrekunst hat in Heinrich Bürkel und seinen im Steinbruch arbeitenden Menschen wohl aus den 1860er Jahren (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR) sowie in Franz von Defregger weitere bedeutende Vertreter. Letzterer ist für das „Tischgebet“ mit Großmutter und fünf Kinder in bäuerlicher Stube von 1874 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und den „Kleinen Soldaten“ verantwortlich (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Ein lebendiges, von vielen Kinderaugen verfolgtes „Kasperltheater“ in frischer Manier stammt von Hermann Kaulbach (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Julius Adam d.J. ließ 1876 eine Kinderschar am Waldrand Himbeeren pflücken (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), und Ludwig Knaus fing 1889 einen Vater mit seinen drei Kindern beim „Sonntäglichen Sparziergang“ vor sommerlichen Getreidefeldern ein (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Mythologisches steuert Jakob Philipp Hackert mit seinen „Badenden Nymphen“ von 1767 bei. Inspiriert von seinen Eindrücken auf einer Parisreise ab 1765, begann der Klassizist, seine an einer Idealvorstellung orientierten Landschaften zunehmend mit Personal zu füllen. Seine Nymphen fühlen sich ungestört, tummeln sich unbekleidet am Flussufer und verweilen in harmonischer Verbundenheit. Eine antikisierende Tempelarchitektur vervollständigt die Komposition (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Eine Idylle ohne symbolistischen Einschlag ist auch Arnold Böcklins „Kinderständchen“ mit vier musizierenden Putten, die im abendlich verdunkelten Buschwerk in ihr musikalisches Schaffen vertieft sind. Thematisch bei Böcklin weitgehend einzigartig, regte dieses Werk dennoch andere Kunstschaffende seiner Zeit zu vergleichbaren Kompositionen an (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Auf die Natur zentriert ist die „Teichlandschaft mit auffliegender Stockente“ von Karl Hagemeister, der durch die Reise nach Paris im Jahr 1883 die zeitgenössische Malerei Frankreichs studieren konnte. Beeindruckt von den Impressionisten schulte und veränderte er seine Wahrnehmung und damit seine künstlerische Formensprache. Mittels pastosem Farbauftrag entstanden schwungvolle Striche, Punkte und Linien, die sich zu bewegten Sträuchern und Ästen sowie zu einer spiegelnden Wasseroberfläche mit großen Seerosenblättern formieren (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Leo Putz’ 1909 entstandener „Langbürgner See“ zeigt die Phase des „dekorativen Impressionismus“, bei dem sich sattes Grün, vielerlei Braun und auflockerndes Blau zu einem flächigen Farbentanz der Seelandschaft vereinen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Wilhelm Trübner zeigt in seiner späten Arbeit „Stift Neuburg b. Heidelberg – Stiftsterrasse mit Aussicht auf Schlierbach“ seine unverwechselbare Herangehensweise, Essentielles aus einem Motiv zu erfassen. Einfache Linienführung kombiniert er mit einem kleinen Farbenspektrum bei dominierendem Grün zu einer modernen Bildsprache (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Noch recht klassisch ging Johann Amandus Winck 1809 bei seinem „Früchtestillleben mit Weinglas und Schmetterling“ auf einer Steinplatte ans Werk, da er sich im Aufbau und in der korrekten Darstellung der Lichtbrüche an tradierte Kompositionen hielt (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Mit biedermeierlicher Genauigkeit folgt ihm Gottfried Wilhelm Völcker 1817 bei seinem Porzellanbild einer Blumengirlande mit Schmetterlingen, die scheinbar der Schwerkraft enthoben vor einem grauen Hintergrund zu schweben scheint (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Carl Schuch nutzte seine Stillleben vorwiegend, um die Fähigkeiten von Hell und Dunkel als Stimmungsmotoren zu erforschen. Sein „Stillleben mit Gemüsekorb, Bierseidel und Äpfeln“ von 1885 bildet nicht einfach Gegenstände ab, vielmehr ist es das Zusammenspiel von tiefer Dunkelheit und lichten Akzenten sowie grobem Pinselstrich und sattem Farbauftrag, die eine lebendige Komposition schaffen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. Oktober um 18 Uhr. Eine Vorbesichtigung ist vom 23. bis zum 28. Oktober täglich von 14 bis 17 Uhr sowie montags bis 20 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.neumeister.com.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



23.10.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Veranstaltung vom:


29.10.2015, Sonderauktion Alte Kunst: Gemälde des 18. bis 20. Jahrhunderts aus der ehemaligen Sammlung Dr. Georg Schäfer, Schweinfurt

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Mütterliche Erhabenheit

Kunstwerk:

Januarius Zick, Schäferszene am Brunnen (Die Werbung), 1770
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Kunstwerk:

Carl Schuch, Stillleben mit Gemüsekorb, Bierseidel und Äpfeln, 1885
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Ludwig Knaus, Sonntäglicher Spaziergang, 1889
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Johann Sperl,
 Tanzpause
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Johann Sperl, Landschaft bei Kutterling
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Julius Adam d.J., In den Himbeeren, 1876
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Januarius Zick,  Schäferszene am Brunnen (Die Werbung), 1770

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Taxe: 18.000 - 22.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 1

Arnold Böcklin,  Kinderständchen

Arnold Böcklin, Kinderständchen

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Losnummer: 33

Johann Sperl,  Tanzpause

Johann Sperl, Tanzpause

Taxe: 10.000 - 14.000 EURO

Zuschlag: 9.500,- EURO

Losnummer: 73

Hans Thoma,  Taubertal mit Blick auf Rotenburg, 1882

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Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 52

Franz von Defregger,  Der kleine Soldat, Ende 1890er Jahre

Franz von Defregger, Der kleine Soldat, Ende 1890er Jahre

Taxe: 18.000 - 22.000 EURO

Zuschlag: 48.000,- EURO

Losnummer: 80

Leo Putz, Langbürgner See, 1909

Leo Putz, Langbürgner See, 1909

Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 41.000,- EURO

Losnummer: 96

Franz Ludwig Catel,  Felsige Kartäuserklause mit betenden Mönchen, 1820er Jahre

Franz Ludwig Catel, Felsige Kartäuserklause mit betenden Mönchen, 1820er Jahre

Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 24

Ludwig Knaus,  Sonntäglicher Spaziergang, 1889

Ludwig Knaus, Sonntäglicher Spaziergang, 1889

Taxe: 7.000 - 9.000 EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

Losnummer: 71

Wilhelm Trübner,  Stift Neuburg b. Heidelberg. Stiftsterrasse mit Aussicht auf Schlierbach, 1913

Wilhelm Trübner, Stift Neuburg b. Heidelberg. Stiftsterrasse mit Aussicht auf Schlierbach, 1913

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 13.000,- EURO

Losnummer: 97

Gottfried Wilhelm Völcker,  Blumengirlande mit Schmetterlingen, 1817

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 9

Januarius Zick,  Brieflesende Schäferin mit Karren, 1770

Januarius Zick, Brieflesende Schäferin mit Karren, 1770

Taxe: 18.000 - 22.000 EURO

Zuschlag: 19.000,- EURO

Losnummer: 2

Franz Ludwig Catel,  Die Bucht von Palermo mit Blick auf den Monte Pellegrino, 1846

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Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

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Losnummer: 25

Carl Spitzweg,  Gebirgsmühle

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

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Losnummer: 42




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