Die Welt von morgen in Ludwigshafen In der Ausstellung „Wie leben?“ wendet sich das Wilhelm Hack Museum der Zukunft zu. Mit mehr als 300 Exponaten von über 100 Kunstschaffenden aus den Bereichen bildende Kunst, Architektur und Design präsentiert das Ludwigshafener Museum ältere und neue Lebensentwürfe. Sie reichen von den Visionen der russischen Avantgarde bis zu den Gedankengängen zeitgenössischer Künstler. Des Weiteren stehen die Wechselbeziehungen im Zentrum, die zwischen gesellschaftlichen und industriellen Entwicklungen und Herausforderungen sowie Innovationen in bildender Kunst, Architektur und Design existieren. Den Abschluss bilden Arbeiten, die zwischen virtuellem und realem Leben unsere aktuellen Bilder der Zukunft thematisieren. Einen Leitfaden bieten hierbei die Fragen „Wie wollen wir leben?“, „Wie wollen wir arbeiten?“ und „Wie wollen wir wohnen?“
Wie wollen wir arbeiten: Mit der Industrialisierung setzten sich mehrere Künstler mit den realen Bedingungen der Arbeits- und Lebenswelt auseinander. Die Fotografien August Sanders portraitieren den Menschen des 20. Jahrhunderts und fangen den Wandel zur Industriegesellschaft ein. Robert Häusser wendet sich in seinen Lichtbildern der industriellen Arbeitswelt zu. Die russischen Konstruktivisten setzten ihre Kunst gezielt in den Dienst der Revolution, wobei der Künstler zum Konstrukteur einer neuen Wirklichkeit erklärt wurde. In den 1970er Jahren findet eine Neudefinition des Arbeitsbegriffs statt. Harun Farocki gewährt mit der Videoinstallation „Eine Einstellung zur Arbeit“ einen aktuellen Einblick in die globale Arbeitswelt.
Wie wollen wir wohnen: Die Entwürfe für Bauwerke lassen einige Ziele der Architekten erkennen. So verweist etwa der zweckfreie Charakter der Arbeiten der russischen Konstruktivisten in ihrer fiktionalen Natur auf eine gesellschaftlich-ästhetische Utopie. Soziale Aspekte wie Krankheit und Wohnungsnot forderten gesundes und bezahlbares Wohnen für die gesamte Bevölkerung. Dies führte zu Siedlungs- und Wohnbauprojekten, die eine Typisierung des Bauens auszeichnet. Doch auch das Streben nach der Verbindung von Natur und Architektur zeichnet mehrere Architekten aus: die organisch-kristalline Formenwelt eines Hermann Finsterlin, die schwebenden Bauten Arata Isozakis als auch die Ansätze von Sou Fujimoto.
Wie wollen wir leben: Das Design bildet eine Schnittstelle zwischen Lebens- und Arbeitsbedingungen wie auch zu den futuristischen Ideen der Architektur. Sowohl das Bauhaus als auch die Hochschule für Gestaltung in Ulm wollten Produkte entwerfen, die in großer Zahl produzierbar waren. In der Mitte des 20. Jahrhunderts traten Designer auf, die Grenzen überschritten und das Experiment feierten. Arbeiten von Piet Mondrian, Gerhard Richter oder Verner Panton verdeutlichen die gegenseitige Beeinflussung von Industrie und Kunst. Die Gruppe ZERO erdachte sich eine Utopie der „Zero Zone“. Als Ort der Freiheit der Kunst steht sie den schweren Gedanken der Nachkriegszeit gegenüber.
Den Abschluss bilden unsere Gegenwart und Zukunft. Die Städte werden immer größer, so dass es an Raum mangelt und das soziale Gefüge überlastet wird. Lösungen hierzu sind ebenso notwendig, wie auch zum Klimawandel. Victor Papanek entwickelte in seinem Buch „Design fort he Real World“ aus den 1970er Jahren einen alternativen Designbegriff und sprach sich für soziale und ökologisch nachhaltige Gestaltungen aus. Do-it-yourself-Projekte wie der „Chair“ von Enzo Mari oder das „One-SQM-House“ von Van Bo Le-Mentzel gehen auf die richtungsweisenden Gedanken Papaneks zurück und symbolisieren eine am Benutzer orientierte Lebensgestaltung.
Die Ausstellung „Wie leben? – Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto“ läuft bis zum 28. Februar 2016. Das Wilhelm-Hack-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende bereits ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der im Museum 29,80 Euro kostet.
Wilhelm-Hack-Museum
Berliner Straße 23
D-67059 Ludwigshafen am Rhein
Telefon: +49 (0)621 – 504 30 45
Telefax: +49 (0)621 – 504 37 80
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