Arken Museum zeigt „Danish Girl“  |  | Gerda Wegener, A Summer Day, 1927 | |
In deutschen Kinos läuft derzeit der Film „The Danish Girl“, der das Leben zweier bewegender Künstlerpersönlichkeiten aus der Moderne thematisiert. Das Museum Arken vor den Toren Kopenhagens bietet dazu das Pendant und präsentiert das umfassende künstlerische Werk der Protagonisten Gerda Wegener. Die 1885 geborene Malerin gilt als herausragende Figur der dänischen Kunst. Sie stellt die Schönheit, das Einfühlungsvermögen und die Lust der Frau in ihren Gemälden dar. Flirtende Mädchen, glamouröse Diven und sinnliche Frauen gehören zu ihrem Repertoire. „Sie hat dazu beigetragen, die Grenzen der weiblichen Geschlechtsidentität zu sprengen“, so der Kunsthistoriker und Museumsdirektor Christian Gether. Wegener, sagt er, sei in allen Bereichen eine Pionierin gewesen.
Wegeners ambivalente Sexualität und die Geschichte ihres Ehepartners Einar Wegener waren nur schwer für die Menschen der damaligen Zeit zu verstehen. Sie brach die Grenzen von Geschlecht und sexueller Identität auch in ihrem Werk auf. Das Thema Transgender ist nach über 85 Jahren immer noch aktuell, in den Medien präsent, wie nie zuvor, und Persönlichkeiten wie Laverne Cox und Caitlyn Jenner geben dem eine Stimme. Gerda Wegener und ihr Mann nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein. Im Jahr 1904 heiratete sie den Landschaftsmaler Einar Wegener, der heute als Lili Elbe bekannt ist. Einar sprang für seine Frau als weibliches Modell ein und wurde von da an als „Lili“ zu ihrer Lieblingsmuse. Einar fühlte sich mehr und mehr zur weiblichen Identität hingezogen und konnte diese in „Lili“ ausleben. Im Jahr 1930 unterstützte Gerda Wegener ihren Ehegatten, der als erster in der Geschichte eine Reihe von geschlechtsverändernden Operationen durchführen ließ, um sowohl physisch als auch rechtlich eine Frau zu werden. Nur ein Jahr nach dem dritten schweren Eingriff starb Lili Elbe 1931 in Dresden an den Komplikationen in Folge der letzten Operation.
Gerda Wegener ist vom Spiel mit Identität, Verkleidung, Masken und Theater fasziniert. Gerade in den Darstellungen von Lili wird dies deutlich, sie stellt sie mit unterschiedlichstem Make-up, Perücken und Kleidern dar. Lili ist in zahlreichen Bildern zu finden: „Lili with a Feather Fan“ von 1920, „Queen of Hearts (Lili)“ von 1928, „Two Cocottes with Hats (Lili and friend)“ circa 1925. Die Kunst Gerdas konnte Lili weiblicher darstellen, als sie zu diesem Zeitpunkt war; viele der Werke sind vor ihrer Geschlechtsumwandlung entstanden. 1912 gingen beide nach Paris, und Gerda avancierte zu einer beliebten Porträtmalerin. Ihre Gemälde wie auch die zahlreichen Illustrationen zeigen selbstbewusste und eigenständige Frauen in sinnlicher Atmosphäre. Durch helle Töne und fließende Farben wirken die Bilder fast süßlich. Nach zahlreichen Präsentationen in Paris stellte sie dort auch im französischen Pavillon auf der Weltausstellung im Jahr 1925 aus und gewann zwei Goldmedaillen. Das Pariser Leben mit vielen Festen ist immer wieder in ihren Gemälden zu finden. Aber auch andere Medien wie Illustrationen, vor allem für erotische Literatur und Modezeitungen, nutzte sie, um ihre Kunst zu vermarkten. Zudem gestaltete sie Glasmosaike für Pariser Geschäfte und Häuser wohlhabender Kunden. Nach dem Krieg geriet ihre Kunst in Vergessenheit. Im Arken Museum wird nun erstmals eine Retrospektive von Gerda Wegener gezeigt und ihr aufregendes Leben thematisiert.
Die Ausstellung „Gerda Wegener – The unusual story of a love between painter and muse that transcends gender boundaries“ ist bis zum 16. Mai zu sehen. Das Arken Museum hat dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr, am Mittwoch zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 110 Kronen und ermäßigt 90 Kronen, Kinder bis 17 Jahre können das Museum kostenfrei besuchen. Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalog.
Arken – Museum of Modern Art
Skovvej 100
DK-2635 Ishøj
Telefon: +45 (0)43 – 54 02 22 |