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Marktberichte |
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Das Heilbronner Auktionshaus Fischer schließt seine Glasauktion mit guten Einzelergebnissen, aber auch mit hohen Ausfällen ab  Mit grünem Auge davongekommen

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 |  | Johann Joseph Mildner, Zylinderbecher mit Zunftzeichen der Bäcker, um 1790 | |
Johann Joseph Mildner gehört zu den wichtigsten böhmisch-österreichischen Glaskünstlern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1765 als Sohn des Glasschleifers Franz Xaver Mildner in Kaltenberg im tschechischen Riesengebirge geboren, zog die Familie aufgrund wirtschaftlich schlechter Verhältnisse schon früh nach Gutenbrunn ins niederösterreichische Waldviertel und trat dort in den Dienst des Edlen Josef Weber von Fürnberg. Johann Joseph Mildner war der künstlerische Mittelpunkt des Familienbetriebs; er dekorierte und beschriftete die Gläser, für Schliff, Schnitt und das Einschneiden der Medaillons waren wohl sein Vater und seine Brüder zuständig. Seine Spezialität waren die mit Goldradierungen und farbigen Hintergründen gestalteten Pokale und Becher nach Art der Zwischengoldgläser. Dafür legte Mildner zwischen zwei passgenauen Glasschichten ein Blattgold ein, das er mit Wappen, Monogrammen, Portraits, Heiligendarstellungen oder Allegorien verzierte. So ein Becher war auch eines der Spitzenstücke beim Heilbronner Auktionshaus Dr. Fischer. Das um 1790 gefertigte Glas mit ornamentalen Schliffbordüren und einem Ovalmedaillon samt Zunftzeichen der Bäcker und dem Monogramm „JM“ verzehnfachte seinen Wert auf beeindruckende 16.000 Euro, die ein deutscher Bieter bewilligte.
Solche guten Einzelergebnisse bei der Frühjahrsauktion „Europäisches Glas und Studioglas“ am 12. März machten die Scharten wett, die etwa die reiche Glasproduktion des 19. Jahrhunderts oder Teile des Studioglases hinterließen. Denn in diesen beiden Segmenten hielten sich die Käufer recht häufig zurück und suchten sich die Stücke genau aus, so dass die losbezogene Zuschlagsquote bei gut 54 Prozent lag. Stark notierte dagegen das Formglas, das zu Beginn der Auktion durchaus gut bei den Teilnehmern ankam. So fuhr ein kleiner blaugrüner fränkischer Schalenbecher aus dem 6. oder 7. Jahrhundert hohe 2.200 Euro ein (Taxe 800 bis 1.200 EUR), ebenso ein deutsches Daumenglas des 17. oder 18. Jahrhunderts mit eingedrückten Noppen und Fadenauflage 2.000 Euro (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR).
Bei einem meeresblauen deutschen Maigelein des 17. Jahrhunderts mit vertikalen Rippen wollte der Hammer sogar erst bei 4.000 Euro aufs Pult schlagen (Taxe 800 bis 1.200 EUR). Das breite Interesse an dieser Gattung der Jagdbecher bezeugten vor allem die 11.000 Euro, die ein ähnliches Modell aus graustichigem Glas mit senkrecht eingeschmolzenen Fäden in Weiß und Kobaltblau im Wechsel mit Netzfäden einbrachte (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Ebenfalls in die Kategorie der Überraschungen lassen sich alpenländische Produkte, wohl aus Tirol, des 17. und 18. Jahrhunderts einordnen. Für die Schnapsflasche aus kobaltblauem Glas mit optischem Kreuzrippenmuster und Zinnschraubverschluss gab es 14.000 Euro (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR), für eine ebenfalls kobaltblaue Warzenflasche 15.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).
Besonders breit war die Offerte im Bereich des Schnittglases. Zur unteren Schätzung von 3.300 Euro verabschiedete sich ein vergoldeter Potsdamer Deckelpokal mit dem Profilportrait Friedrich Wilhelms I. von Preußen. Ebenso erging es einem Erotika-Pokal um 1730/35 mit interessantem Dekor von Elias Rosbach: In einer Landschaft liegt ein weiblicher Akt auf einem Bett, dahinter steht ein Jüngling mit einem Schlüssel in der erhobenen Rechten und über beiden die Inschrift „Auf das kein Schade geschehe“. Für 2.500 Euro fand er einen neuen Besitzer (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Auf 500 bis 600 Euro angesetzt, konnte der englisch-holländische Jubiläumspokal „De Goede Veriaring“ mit Krone und Spiegelmonogramm aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts seinen Wert auf 1.200 Euro verdoppeln. Der Walzenkrug eines Schäfers aus Sachsen oder Thüringen überzeugte durch seine bunte Emailmalerei eines Hirten mit seinem Hund und seinen Schafen. Das auf das Jahr 1801 datierte Objekt brachte es auf 2.000 Euro (Taxe 800 bis 1.200 EUR).
Aus dem Bereich des Farbglases ist der große Deckelpokal „Johann von Oesterreich“ zu nennen. Das um 1845 von Franz Anton Pelikan kunstvoll verarbeitete bernsteinfarbene Glas zieren in feinem Tiefschnitt ausgeführte Brustbildnisse des Erzherzogs Johann von Österreich mit seiner Ehefrau und seinem Sohn. Dieses besondere Stück wechselte für 3.500 Euro den Besitzer (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR). Weniger gefragt war das Glas des Historismus. Die meisten Objekte konnten kein Interesse wecken, zudem fanden viele Positionen lediglich im unteren Schätzbereich Abnehmer. Dazu zählt ein Pokal mit Delphinschaft der Rheinischen Glashütten-Actien-Gesellschaft aus Köln-Ehrenfeld um 1888, der gerade einmal 250 Euro kostete (Taxe 300 bis 500 EUR).
Beim Jugendstil kletterten vor allem zwei Gläser in die Höhe. Ein asiatischer Kunde interessierte sich für die Schale mit Veilchen der Daum Frères, die durch den Kontrast von Kobaltblau und Weißopal besticht, bei stolzen 7.800 Euro (Taxe 2.700 bis 3.200 EUR). Für eine grüne Vase mit bunter Teichlandschaft und Blumen der Firma Ludwig Moser & Söhne aus Karlsbad wurden dann 1.700 Euro bewilligt (Taxe 700 bis 850 EUR). Das kräftige Türkis einer Vase mit ägyptischer Lotusblume von Emile Gallé um 1895 konnte zu 3.000 Euro überzeugen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Von einer anderen Farbigkeit ist Gallés Tischlampe mit Ahornmotiven um 1902. Der grün-gelbe, reliefiert geätzte Dekor aus Zweigen, Früchten und Blättern erstreckt sich über die gesamte Lampe. Mit 4.300 Euro erzielte sie eine taxkonforme Summe.
Mit ihren dicht umsponnen blauen Bändern auf lachsfarbenem Grund, über die sich unregelmäßige Tupfen in Silbergelb streuen und aufregende Farbspiele entstehen lassen, erstrahlte die Vase „Cytisus“ von Lötz Witwe aus Klostermühle besonderes effektvoll. Gemäß der Schätzung von 5.500 bis 6.500 Euro erreichte das Gefäß von 1902 einen Wert von 6.000 Euro. Ein seltener Kristallglas-Koifisch der 1920/30er Jahre aus der Cristallerie Baccarat fuhr 2.500 Euro ein (Taxe 2.200 bis 2.600 EUR). Dem Art Déco ist zudem die nun 5.000 Euro teure Vase „Palmiers bleus“ der Verreries Schneider um 1927/29 mit ihren stilisierten blauen Bäumen und Hügeln zuzurechnen (Taxe 4.000 bis 4.800 EUR). In der Kategorie der Stängelgläser tat sich eine Ausführung von Meyr’s Neffe nach dem Entwurf von Otto Prutscher hervor. Das kobaltblau überfange Trinkglas von 1906 mit geometrischem Schliff steigerte sich auf 5.500 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).
Den letzten Bereich der Auktion bildeten das Glas nach 1930 sowie das Studioglas, das auch die teuersten Objekte hervorbrachte. Murano reüssierte mit einem Glasblock samt Schildkröten von Alfredo Barbini um 1960 bei 8.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder auch mit Paolo Veninis ungewöhnlich monochromer Vase „Murrine“ von 1954 aus dunkelgrauen Plättchen mit weißen Punkten bei 8.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Napoleone Martinuzzi gesellte sich mit seinem tiefgrünen Kaktus in „vetro pulegoso“ von 1928/30 bei 4.200 Euro hinzu (Taxe 2.200 bis 2.800 EUR), Fulvio Bianconi mit seinem farbenprächtigen Vogelpaar „Coppia di animali da cortile“ von 1954 bei 4.000 Euro (Taxe 4.000 bis 4.800 EUR). Ebenfalls die untere Schätzgrenze erreichte mit 8.000 Euro die braune Vase „Millepiedi“ von 1955/60 mit ihren verstreut eingeschmolzenen großen Murrine „Kiku“ nach einem Entwurf Ermanno Tosos, während sich seine bunte Zylindervase aus vielen kleinen „Kiku“-Murrinen zu 7.000 Euro aufmachte (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).
Vor allem im Segment des Studioglases fanden etliche der hochpreisigen Objekte keine Abnehmer, darunter beispielsweise die skulpturalen Arbeiten „Head-Girl“, „Taking off“ und „Space III“ von Jaroslava Brychtová und Stanislav Libensky, die jeweils zwischen 30.000 und 40.000 Euro taxiert waren, oder die „Madonna“ von Vladimíra Klumpar aus dem Jahr 2005 (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR). Nur den unteren Schätzwert von 13.000 Euro musste ein amerikanischer Sammler für die fünfteilige Arbeit „Fire red basket set“ aus orangerotem Glas von Dale Chihuly aus dem Jahr 1996 aufwenden. Mit 20.000 Euro kam für sein großes blau- und orangefarbenes muschelartiges Schalenobjekt „Macchia with yello lip“ aus dem Jahr 1996 immerhin die Mitte des Schätzrahmens zusammen. Mit einem „grünen Auge“ kam dann Fischer doch noch davon. Denn den Spitzenwert der Auktion von 44.000 Euro gab es für die Glasskulptur „Green eye of the pyramid“ des tschechischen Künstlerpaares Libensky und Brychtová aus dem Jahr 1993. Ein Dreieck füllt dabei das grüne Glasquadrat aus, in dessen Mitte sich der Umriss eines Auges abzeichnet (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR).
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
02.05.2016 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 17 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (15) |  | •  | Veranstaltung vom: 12.03.2016, 246. Auktion: Europäisches Glas &
Studioglas |  | •  | Bei: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner
Auktionshaus |  | •  | Kunstwerk:  Johann Joseph Mildner, Zylinderbecher
mit Zunftzeichen der Bäcker, um 1790 |  |  | •  | Kunstwerk:  Vase mit Teichlandschaft und Blumen, Ludwig Moser &
Söhne, Karlsbad um 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Alfredo Barbini, Glasblock mit Schildkröten, um 1960 |  | •  | Kunstwerk:  Otto Prutscher, Stängelglas, 1906 |  |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Cytisus“, Johann Lötz Witwe, Klostermühle 1902 |  | •  | Kunstwerk:  Emile Gallé, Vase mit ägyptischer Lotusblume, Nancy um 1895 |  | •  | Kunstwerk:  Schale mit Veilchen, Daum Frères, um 1900 |  |  |
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 Otto Prutscher,
Stängelglas, 1906 |  | Taxe: 4.000 - 5.000 EURO Zuschlag: 5.500,- EURO Losnummer: 650 |  |  |  |  |  | 
 Jaroslava
Brychtová,
Jaroslava Brychtová
und Stanislav
Libensky, Green eye
of the pyramid, 1993 |  | Taxe: 40.000 - 45.000 EURO Zuschlag: 44.000,- EURO Losnummer: 823 |  |  |  |  |  | 
 Alpenländisch,
Warzenflasche,
Alpenländisch/Tirol,
2. Hälfte 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 60 |  |  |  |  |  | 
 Alfredo Barbini,
Glasblock mit
Schildkröten, um
1960 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 8.000,- EURO Losnummer: 701 |  |  |  |  |  | 
 Schalenbecher,
Fränkisch, 6. oder 7.
Jahrhundert |  | Taxe: 800 - 1.200 EURO Zuschlag: 2.200,- EURO Losnummer: 4 |  |  |  |  |  | 
 Johann Lötz Witwe,
Vase „Cytisus“,
Klostermühle 1902 |  | Taxe: 5.500 - 6.500 EURO Zuschlag: 6.000,- EURO Losnummer: 547 |  |  |  |  |  | 
 Ludwig Moser & Söhne,
Vase mit
Teichlandschaft und
Blumen, Karlsbad um
1900 |  | Taxe: 700 - 850 EURO Zuschlag: 1.700,- EURO Losnummer: 608 |  |  |  |  |  | 
 Paolo Venini, Vase
„Murrine“, 1954 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 8.500,- EURO Losnummer: 731 |  |  |  |  |  | 
 Daum Frères, Schale
mit Veilchen, um 1900 |  | Taxe: 2.700 - 3.200 EURO Zuschlag: 7.800,- EURO Losnummer: 457 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase mit
ägyptischer
Lotusblume, Nancy um
1895 |  | Taxe: 2.500 - 3.000 EURO Zuschlag: 3.000,- EURO Losnummer: 478 |  |  |  |  |  | 
 Mitteldeutschland,
Maigelein,
Mitteldeutschland
oder Niederlande,
17. Jahrhundert |  | Taxe: 1.500 - 2.500 EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 52 |  |  |  |  |  | 
 Dale Chihuly,
Schalenobjekt
„Macchia with yello
lip“, 1996 |  | Taxe: 18.000 - 22.000 EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 892 |  |  |  |  |  | 
 Franz Anton Pelikan,
Deckelpokal „Johann
von Oesterreich“, um
1845 |  | Taxe: 3.500 - 5.000 EURO Zuschlag: 3.500,- EURO Losnummer: 328 |  |  |
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