Paul Goesch in der Sammlung Prinzhorn  |  | Paul Goesch, Ohne Titel (Selbstbildnis), 1923 | |
Die Heidelberger Sammlung Prinzhorn präsentiert mit über 120 Werken die bisher größte Einzelausstellung des Grenzgängers Paul Goesch. Viele der Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Trotz seines vielfältigen Gesamtœuvres von über 2000 Arbeiten, die die für den Expressionismus typische flächige und farbkräftige Malerei aufweisen, wurde dem 1885 in Schwerin geborenen Goesch eine Wertschätzung als Avantgarde-Künstler jedoch nur zögerlich zuteil. Grund hierfür ist die psychiatrische Erkrankung des Malers. Ab seinem 25. Lebensjahr suchte Goesch, der unter anderem Mitglied der Berliner Novembergruppe und des Arbeitsrates für Kunst war, regelmäßig Nervenheilanstalten auf. Ab 1921 blieb er fast ohne Unterbrechungen in den Kliniken Göttingen und Teupitz, bis der psychisch Kranke 1940 im Zuge des Euthanasieprogramms von nationalsozialistischen Ärzten im Alten Zuchthaus in Brandenburg an der Havel ermordet wurde.
1921 bis 1934 ist in der Göttinger Anstalt der größte Teil von Goeschs Œuvre entstanden. Er aquarellierte, zeichnete und malte auf allen ihm zur Verfügung stehenden Materialien. So entstanden Porträts, christliche und mythologische Szenen, gegenstandslose Kompositionen sowie phantastische Architekturzeichnungen auf Papier, Karton, Packpapier oder sogar Briefumschlägen. Während seiner Sanatoriumsaufenthalte hielt der Künstler stets Kontakt zu den avantgardistischen Kunstkreisen. So erhielt Goesch weiterhin Illustrationsaufträge und nahm bis 1929 immer wieder an Ausstellungen teil, wie der Großen Berliner Kunstausstellung.
Die Sammlung Prinzhorn beherbergt Kunst von Menschen mit psychischen Erfahrungen. Das Museum umfasst mehr als 14.000 Werke von Anstaltsinsassen zwischen 1840 und 1945, darunter von Else Blankenhorn, Karl Genzel und Adolf Wölfli. Paul Goesch, der ab 1904 in München, Karlsruhe und Berlin ein Architekturstudium absolviert hatte, zählt hier zu den ausgebildeten Künstlern der Sammlung. In seinen Architekturzeichnungen wird diese professionelle Ausbildung – besonders im direkten Vergleich zu den Werken kunstschaffender Laien – aufgrund der feingliedrigen Ornamentik deutlich.
Die Ausstellung „Paul Goesch – Zwischen Avantgarde und Anstalt“ läuft vom 12. Mai bis zum 18. September. Die Sammlung Prinzhorn hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog aus dem Verlag Das Wunderhorn kostet 29,80 Euro.
Sammlung Prinzhorn
Voßstraße 2
D-69115 Heidelberg
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