 |  | London, Rubin-Diamantring, 2000er Jahre | |
Wie bereits im März geht Neumeister in München mit der Versteigerung von Schmuck einen Tag vor den restlichen Losen der Alten Kunst an den Start, um mit der hochkarätigen Abendauktion die glitzernden Pretiosen besonders herausheben. Highlight ist ein neuwertiger Diamantring aus London für 55.000 bis 68.000 Euro, den ein pinkroter Burma-Rubin im facettierten Ovalschliff krönt. Aus dieser erlesenen Gruppe von Farbedelsteinen stammen auch die beiden burmesischen Saphire in Kornblumenblau, die als Tropfen ein Paar Ohrringen mit Brillanten aus den USA der 1940er Jahre für 7.500 bis 10.000 Euro zieren, oder ein dunkelblauer, thailändischer Saphir auf einem weißgoldenen Londoner Brillantring von 1961 für 13.000 bis 16.000 Euro.
Schmuck
Atemberaubend rein glitzert am 5. Juni ein Brillant-Solitär von zwei Karat auf einem ebenfalls Londoner Platinring aus den 1950er Jahren, den es für 20.000 bis 25.000 Euro gibt. In sattem Grün hebt sich hingegen der kolumbianische Smaragd gegen seine gelbgoldene Fassung und Diamantrahmen ab, den der Münchner Versteigerer mit 10.000 bis 15.000 Euro ansetzt. Abgerundet wird das Angebot von historischen Art Déco-Stücken wie dem kantig gestalteten Diamantcollier mit langer Pendilie und Tropfendiamant für 13.000 bis 16.000 Euro, einem mit Diamanten besetzten Entouragering, der mit einem blauen Ceylon-Saphir zum idealen Verlobungsgeschenk wird (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), oder den beiden eleganten französischen Diamantbroschen, eine verspielt mit floralen Ornamenten, die andere in streng geometrischer Form, für einen unteren Schätzwert von je 12.000 Euro.
Porzellan
Die Hauptauktion am 6. Juli startet mit Fayencen und Porzellan. Die Manufaktur in Meißen offeriert ein Koppchen mit Unterasse, das ein Hausmaler aus der Augsburger Seuter-Werkstatt um 1730 mit fernöstlichem Golddekor staffierte (Taxe 2.200 bis 2.300 EUR), oder eine musizierende holländische Bäuerin von Johann Friedrich Eberlein aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Etwas jünger ist bäuerliches Liebespaar mit Vogelnest nach einem Modell von Johann Wilhelm Lanz aus der Porzellanmanufaktur Frankenthal (Taxe 1.800 bis 1.900 EUR). Da die 1775 von Johann Caspar Geyger gegründete Würzburger Porzellanmanufaktur nur fünf Jahre bestand, sind Objekte von hier sehr selten. Neumeister hat zwei Figuren im Programm: Als der Frühling wird ein junger Kavalier neben einem Obelisken mit Blumen gedeutet, der in unbemalter Ausführung 2.500 bis 2.700 Euro verlangt, ebenso wie ein liebevoll geformter, farbig staffierter Putto mit Sonnenhütchen, der auf einem Krebs reitet.
Silber
Mit einer allegorischen Szene geht es auch beim Silber weiter. Eine reich ziselierte und mit üppigen Barockblumen geschmückte Schauplatte aus dem späten 17. Jahrhundert zeigt einen Vertragsabschluss mit Amor und gibt mit einer Schätzung von 2.200 bis 2.500 Euro den Ton der Sparte an. Dahinter zurück bleiben zum Beispiel ein mehr als 300 Jahre alter Henkelnapf von John Downes aus London, der mit seiner Form besonders für den Verzehr von Porridge geeignet ist (Taxe 1.500 bis 1.800 EUR), sowie ein mit Muschel- und Akanthusmotiven überzogenes Teekännchen von Albert Gaillard aus Haarlem in Birnform mit Knospenknauf von 1744 (Taxe 800 bis 1.000 EUR).
Jugendstil
Der Trumpf im Kunstgewerbe liegt eindeutig beim Glas des Jugendstil. Gleich einen ganzen Schwung an grün-gelb marmorierten Tiffany-Lampen in kunstvoller Bronzemontierung der Jahrhundertwende stehen zur Auswahl. Die teuerste ist mit 35.000 bis 50.000 Euro die Hängeleuchte „Dragonfly“, die wie der Name schon sagt von Libellen mit roten Glasaugen und durchbrochenen Flügeln geziert wird. Ebenfalls zum Aufhängen vorgesehen ist „Hydrangea“ mit ihren weiß abgesetzten, abstrahierten Hortensienblüten (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Gemüse oder Blume – diese Frage darf man sich bei zwei Tischlampen aus den Tiffany Studios stellen, deren Schirme bei „Arrowroot“ mit einer gelb akzentuierten Pfeilwurz-Bordüre und bei „Poppy“ von durchbrochen gearbeiteten goldenen Bronzeauflagen in Form von Klatschmohn gegliedert sind (Taxen 30.000 bis 40.000 EUR und 20.000 bis 25.000 EUR).
Möbel
Zum Stammeshäuptling kann man sich bei den Möbeln dank eines abenteuerlich geschnitzten Hartholzstuhl von Carlo Bugatti aus der Zeit um 1895 selbst ernennen, dessen Rückenlehne an einen asiatischen Gong erinnert und die Sitzfläche mit Pergament bespannt ist (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Nicht minder fantasievoll ist auch ein Grotten-Schaukelstuhl aus Oberitalien, der im ausgehenden 19. Jahrhundert seinen Besitzer mit dem muschelförmigen Sitz und den Seepferdchenarmlehnen zum Herrscher der Weltmeere werden ließ (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR). Klassischere Möbel sind beispielsweise ein oberösterreichischer Schrank mit der Datierung 1737, in dessen geschweiftem Bandelwerkdekor kleine Muschelornamente eingearbeitet sind (8.000 bis 12.000 EUR), oder die siebenteilige, etwas ramponierte Biedermeier-Salongarnitur aus champagnerfarben überzogenem Mahagonisofa und passenden Gondelstühlen aus dem ehemaligen Besitz Königin Karolines auf Schloss Biederstein (Taxe 3.000 bis 3.200 EUR).
Asiatika und Bronzen
Auch Asiatika fehlen im Kunstgewerbe nicht, allen voran das Cloisonné der Qianlong-Periode, in der die Qing-Dynastie ihren Aufschwung erlebte. Ein türkisstichig-blauer Fond mit wachsenden Pflanzenmotiven ziert das bronzene, balusterförmige Räuchergefäß für 5.000 bis 5.200 Euro, ebenso wie eine Schale mit vergoldetem Bronzedrachenkopf (Taxe 1.800 bis 2.000 EUR). Im tibetanischen Buddhismus ist hingegen ein vergoldeter Dorje Legpa aus dem 19. Jahrhundert verortet, eine zornvolle Gottheit, die mit Flammen im Gesicht, einem breitkrempigen Hut auf dem Kopf und auf einem Ziegenbock die Lehren Buddhas verteidigt (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR). Eher dem europäischen Geschmack dekorativer Kunst entsprechen die Bronzen zweier leicht verhüllter Mädchen von Hippolyte François Moreau und Luca Madrassi, die das Träumen und den Frieden verkörpern sollen (Taxen zwischen 1.000 bis 1.500 EUR). Den Vogel in dieser Kategorie schießt jedoch ein athletischer Bogenschütze im Adamsgewand von Ernst Moritz Geyger für 5.000 bis 6.000 Euro ab.
Christliches Kunsthandwerk und Tapisserien
Das christliche Kunsthandwerk führt eine bleiverglaste Glasscheibe mit Schwarzlotmalerei an, die dem Typus des Bibelfensters angehört. Zu sehen ist die bunt kolorierte Szene der Geißelung Achiors durch den Feldherrn Joab. Die nahezu quadratische Glasscheibe stammt wohl aus der Straßburger Thomaskirche und bekommt von Neumeister einen Wert von 30.000 bis 50.000 Euro zugesprochen. Daneben wartet die Sparte noch mit einem spätbarocken Altarengel aus Lindenholz mit polychromer Fassung aus der böhmischen Werkstatt von Ignaz Franz Platzer auf, der ehemals in der Sammlung Otto Horn in Meißen beheimatet war (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Das Leben Jesu veranschaulichen im Schnelldurchlauf eine streng frontal thronende Madonna aus dem Spanien des 15. Jahrhunderts, ehemals ebenfalls Sammlung Horn (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), zwei ebenfalls von dort stammende Laubholzreliefs mit der Geißelung und der Kreuztragung Christi um 1600 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) sowie eine böhmisch-österreichische Kreuzigungsgruppe aus Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem heiligen Nepomuk und einem Putto, der die Krone des Ewigen Lebens auf einem Kissen darbietet (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Auf einer frühbarocken spanischen Tapisserie sind kunstvoll das Wappen Luis de Salcedos sowie Rollwerk, korinthisch-gewundene Säulen und eine Stadtsilhouette eingewebt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).
Druckgrafik und Malerei
Die Arbeiten auf Papier und Leinwand markieren den abschließenden Höhepunkt der Auktion „Alte Kunst“. Emil Pracht und Albert Paul Guillaume zeigen, wie unterschiedlich zur selben Zeit Feste gefeiert wurden. Prachts elf kolorierte Lithografien entstanden 1829 anlässlich der Geburtstagsfeier der russischen Zarin, ehemals Prinzessin Charlotte von Preußen, unter dem Motto „Der Zauber der weißen Rose“ und dokumentieren den ersten Teil der Festlichkeiten, Formationen für ein den mittelalterlichen Spielen nachempfundenes Schaureiten (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Guillaume zelebriert mit seinem plakativen Gemälde einer Vergnügungsszene der Belle Époque an einem Bachlauf die Ausgelassenheit des Lebens (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Zum Affentheater wird all die Freude bei einer Affenfamilie, die sich über einen Kirschzweig freut, auf einem charakteristischen Gemälde Gabriel von Max’ aus dem Jahr 1912 (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).
Die Faszination gegenüber den Primaten erfasste auch Studienkollege Franz von Defregger, was in einer großformatigen Genrestudie im Wirtshaus mit Schaulustigen bei der „Affendressur“ resultierte (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Zum Knuddeln sind auch die Wollknäuel auf dem Tisch von Adolf Eberles „Jäger und Dirndl mit Dackelfamilie“, einem seiner um die Jahrhundertwende sehr beliebten humorvollen Jägerbilder (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Tierisch geht es weiter mit zwei barocken Ölgemälden von Philipp Peter Roos. Seine Pendants mit Zicklein und Ziegenbock mit Schaf im südlichen Felsgebirge sind für 12.000 bis 15.000 Euro haben. Nicht minder bekannt und geliebt als Tiermaler war Johann Elias Ridinger, von dem es ebenfalls Gegenstücke zu erstehen gibt, diesmal mit Rehen auf fein ausgestalteten Waldlichtungen für 8.000 bis 9.000 Euro. Rustikaler und zugleich atmosphärischer wird es mit Heinrich von Zügels impressionistisch ausgeleuchteter Lüneburger Heide, auf der ein Schäferhund über grasende Heidschnucken wacht (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), sowie mit einer Nahansicht eines Widderkopfs in kräftigem Pinselduktus aus dem Spätwerks Zügels (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).
Eine besondere Rolle nimmt auch der kleine Dackel auf Carl Friedrich Moritz Müllers spannungsgeladenem Ölbild „Verfolgt“ ein, der einen Wilddieb auf frischer Tat in der Berghütte einer Sennerin ertappt und sich in der Türe bellend postiert, bis der Jäger über die Alm gestürzt kommt (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Zum Showdown kommt es auch im Vordergrund von Johann Heinrich Tischbeins d.Ä. Standesbild mit dem Porträt des Hofmalers und seiner ersten Gattin, in dem ein kleiner schwarzer Spitz wild um eine weiße Katze herumspringt, die ihn stoisch von ihrem Stuhl aus ignoriert (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).
Echte Dramatik fängt ein Gemälde eines brennenden und qualmenden Schiffs auf hoher See im Sonnenuntergang ein, das von Neumeister dem deutsch-amerikanischem Landschaftsmaler Albert Bierstadt zugedacht wird (Taxe 12.000 bis 15.000). Idyllischere Gewässer kann man auf Ferdinand Konrad Bellermanns „Blick auf Puerto Cabello“ von 1849 und Carl Friedrich Heinzmanns „Blick auf den Staffelsee“ von 1844 genießen, die von einem erhöhten Standpunkt die Weite der jeweiligen Täler und Küsten festhalten und sie in das warme Licht einer Sommersonne tauchen (Taxen 40.000 bis 60.000 EUR und 10.000 bis 12.000 EUR). So gar keine Urlaubsstimmung mag sich hingegen auf Claes Molenaers diesiger Winterlandschaft im Stil der Haarlemer Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts einstellen, auf dem Bauern eislaufen, Schlitten entladen und sich gegen die Kälte schützen (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).
Ein Musterbeispiel für das Augsburger Rokoko ist der in meisterlicher Perspektive und kräftigem Kolorit ausgeführte Entwurf für ein Fresko der Wallfahrtskirche Violau bei Welden von Johann Georg Dieffenbrunner (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Nicht minder stilbildend waren die Porträts des Renaissancemalers Bartholomäus Bruyn d.Ä., aus dessen Umkreis zwei Holzflügel mit dunkel und gottesfürchtig gehaltenen Stifterbildnissen eines Patrizierpaares für 24.000 bis 30.000 Euro versteigert werden. Auch der flämische Landschaftsmaler Marten Ryckaert ist kein Unbekannter, der eine übersichtlich aufgebaute „Felsenlandschaft mit Reitern“ vor naturalistischer Landschaft in gedämpften Farben in der Tradition der Antwerpener Malerei für 30.000 bis 40.000 Euro beisteuert.
Eine biedermeierliche Ölskizze ist ebenfalls mit von der Partie; Carl Spitzweg ist der Schöpfer des verliebten Burschens, der unter ihrem Balkon stehend seiner Liebsten ein Ständchen trällert (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Den Rundumschlag macht ein hölzerner Fächer, der in seinen Blättern gleich elf Künstler in schmalen Ölbildchen vereint, darunter alte Bekannte wie Defregger mit dem Porträt eines jungen Dirndls oder von Max mit einem über die Schulter blickendem Mädchen mit Lorbeerkranz im Haar, aber auch Karl Raupps Sitzende am Ufer, Józef Brandts Kosaken zu Pferd oder Hugo Kotschenreiters alten Bauern mit Pfeife (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Eine Vorschau in die zunehmend abstraktere Naturdarstellung im frühen 20. Jahrhundert liefern Oskar Mulleys mit Farbe dick bespachtelte Gemälde einer kraftvoll wiedergegebenen Tiroler Bergwelt, einmal die Nahansicht eines Bauernhofes für 20.000 bis 25.000 Euro und zum anderen eine hell angeleuchtete Kapelle für 12.000 bis 15.000 Euro.
Die Schmuck-Auktion beginnt am 5. Juli um 18 Uhr, am Tag darauf folgt ab 17 Uhr die Versteigerung der Alten Kunst. Die Besichtigung ist vom 30. Juni bis 4. Juli täglich von 9 bis 17:30 Uhr möglich, am Montagabend zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr. Der Katalog listet die Objekte unter www.neumeister.com. |