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Marktberichte |
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Sotheby’s schließt die Londoner Auktion zur europäischen Malerei des 19. Jahrhunderts mit guten Ergebnissen ab und kann besonders mit idyllischen Landschaften und verträumten Figurenbildern punkten  Schlafend zum Erfolg

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 |  | Henri Gervex, Rolla, nach 1878 | |
Schlafend liegt die junge Frau im Bett. Ihre langen Haare schmiegen sich sanft fließend um ihr Haupt. Der zarte Hautton hebt sich deutlich von dem weißen Bettlaken und den darauf aufgetürmten Kissen ab, die die Assoziation an Wolken hervorrufen. Ihre Scham ist leicht vom Betttuch versteckt, die Brüste sind entblößt. Dennoch wirkt die Schlafende beinahe unschuldig. Die nackte in Szene gesetzte Frau erinnert in ihrer Positionierung an Alexandre Cabanels „Geburt der Venus“ von 1863. Dass es sich in Henri Gervex’ Ölgemälde „Rolla“ nicht um die Darstellung einer Göttin handelt, wird jedoch schnell klar. Gervex nimmt in der verkleinerten Replik seines 1878 entstandenen Skandalgemäldes, das im Musée des Beaux-Arts in Bordeaux hängt, Bezug auf das gleichnamige Gedicht des französischen Schriftstellers Alfred de Musset aus dem Jahr 1833. Musset erzählt die Geschichte des aus begüterter Familie stammenden Jacques Rolla, der nach seinem äußerst ausschweifenden Leben nun vor dem Bankrott steht. Nachdem er eine Nacht mit der Prostituierten Marion verbracht hat, beschließt Rolla, seinem Leben bald ein Ende zu setzen. Der französische Realist Gervex stellt die Szene am Morgen danach dar – kurz vor dem tödlichen Sprung aus dem Fenster. Während das Werk zu seiner Zeit viel Kritik erntete, landete es in der Auktion „19th Century European Paintings“ bei Sotheby’s mit einer Steigerung von 400.000 Pfund auf 1,15 Millionen Pfund nicht nur auf Platz Eins der Zuschlagsliste, sondern konnte auch den neuen Auktionsrekord des Künstlers verbuchen.
Die Finnin Helene Schjerfbeck knackte am 25. Mai in London ebenfalls die Millionen-Marke. Mit ihrem Gemälde „Das rothaarige Mädchen II“ von 1915 war in der Versteigerung eines ihrer bekannten weiblichen Figurenbilder vertreten, die sie während ihres Aufenthalts in Hyvinkää, einem Dorf nahe Helsinki, geschaffen hatte. Das Frauenprofil zeigt deutlich den charakteristischen Stil der Finnin, der aus einer Kombination von linearen eleganten Grafitstrichen mit der malerischen Textur der Ölfarbe besteht. Schjerfbecks Arbeit sorgte unter den Bietern für einen regelrechten Kampf, der erst mit 1 Million Pfund von der Gösta Serlachius Fine Arts Foundation in Finnland für sich entschieden werden konnte (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Das Ölgemälde „La laitière“ ihres Landsmanns Albert Edelfelt von 1889 zählt mit seinem realistischen Ruderszenario zu den Arbeiten, die dem „Goldenen Zeitalter“ der finnischen Kunst zugeordnet werden. Die ausgeprägte Trennung zwischen der rudernden Frau im Vordergrund und dem geschäftigen Hafen in der nebligen Ferne erinnert stark an die Freilichtmalerei seines Malerkollegen Anders Zorn. Mit 290.000 Pfund konnte das nordische Werk zwar nicht an die guten Ergebnisse von Gervex oder Schjerfbeck anknüpfen, belegte letztendlich aber den dritten Platz (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP).
Ähnliche Zuschlagshöhen brachten auch der Spanier Joaquín Sorolla y Bastida mit seinen in warmem Licht gehaltenen Fischerbooten an der „Playa de Valencia“ von 1910 mit 265.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP) sowie der Franzose Jean-Baptiste Camille Corot mit seinem erfrischenden Landschaftsbild „Ville d’Avray: L’étang, la maison de M. Corot père et son kiosque“ von 1825 mit 250.000 Pfund ein (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Sotheby’s erwirtschaftete mit der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts bei einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 70 Prozent insgesamt 5.205.875 Pfund. Neben Sorolla trugen unter anderem noch zwei weitere Spanier zu diesem Ergebnis bei. So kam Hermenegildo Anglada-Camarasas farbenfrohes Ölbild der Flamenco tanzenden Zigeunerin um 1907 unter dem Titel „Gitana poniéndose flores“ auf taxgemäße 120.000 Pfund, Santiago Rusiñols etwa gleichaltrige, in der Abendsonne liegende Gartentreppe „Pedres velles, Raixa“ mit ihren warmen harmonischen Farben auf rentable 110.000 Pfund (Taxe 70.000 bis 90.000 GBP).
Für positive Überraschungen sorgten diverse Figurenbilder aus Italien, Deutschland und Österreich. Die impressionistische Pastellarbeit „Au théâtre“ des in Paris lebenden Italieners Federico Zandomeneghi war einem Kenner mit 135.000 Pfund fast das Dreifache des unteren Schätzpreises wert. Franz von Stucks Ölbild einer Maskenballbesucherin in einem schwarzen „Domino“ um 1898 kletterte von 40.000 Pfund auf 100.000 Pfund, und der kecke „Verstohlene Blick“ einer jungen Venezianerin des Österreichers Eugen von Blaas bezirzte bei 75.000 Pfund einen neuen Besitzer (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP). Jean-Eugène Clarys schwarz gewandete Schönheit „Au Jardin des Tuileries“ von 1884 blickte für 16.000 Pfund etwas melancholisch in die Ferne (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP), während in Bertha Wegmanns „Zärtlichen Momenten“ die natürliche Vertrautheit und Fröhlichkeit zwischen Mutter und Tochter zu 55.000 Pfund bezwang (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP).
Einigen der Werke gelang es jedoch nicht, ihre Schätzwerte zu steigern. So verfehlten das träumerische orientalische Landschaftspastell „Les Roses d’Ispahan“ des Franzosen Lucien Lévy-Dhurmer um 1900 mit 11.000 Pfund (Taxe 12.000 bis 18.000 GBP) sowie Emile Claus’ impressionistischer „Coucher de soleil sur la Tamise“ mit 22.000 Pfund knapp ihren unteren Schätzwert (Taxe 25.000 bis 30.000 GBP). Bei William Degouve de Nuncques’ herbstlicher Flusslandschaft samt Schwänen (Taxe 6.000 bis 8.000 GBP) oder bei Modest Huys’ pointillistischer „Paysage“ blieben die Gebote gänzlich aus (Taxe 7.000 bis 10.000 GBP). Auch das zu Beginn mit 500.000 bis 700.000 Pfund hoch angesetzte, menschenleere Interieur mit Ofennische von Vilhelm Hammershøi ging leer aus, ebenso Giovanni Boldinis furios gemalte elegante „Signora Diaz Albertini“ von 1909 bei 250.000 bis 350.000 Pfund oder Raffaello Sorbis lustiges Bockspringen einiger Erwachsener in „Saltarello Cavallucio“ von 1887 bei 100.000 bis 150.000 Pfund. Zudem fiel Oswald Achenbachs fast schon nächtlicher Golf von Neapel mit rauchendem und Lava verströmendem Vesuv bei 50.000 bis 70.000 Pfund durch.
Auch die Stillleben fanden geteilten Zuspruch. Während der Däne Johan Laurentz Jensen mit seinem farbenfrohen voluminösen Blumenarrangement von 1848 bei 45.000 Pfund die Erwartungen erfüllte (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP), erreichte Henri Fantin-Latours Stiefmütterchengesteck mit dem gleichen Ergebnis sogar den oberen Schätzwert. Hendrik Reekers hingegen konnte mit seinen toten Vögeln, Blumen und Früchten von 1853 nicht überzeugen (Taxe 15.000 bis 25.000 GBP). Dass die Bieter mehr Passion lebenden Tieren entgegenbrachten, bewies das lukrative Ergebnis von Alexander Koester. So schwammen seine Enten im herbstlichen Schilfambiente mit 85.000 Pfund fast das Dreifache ihres unteren Schätzwertes ein. Verdreifachen konnte sich zudem Wladyslaw Maleckis weiter Blick über Felder auf den Wawel mit der Kathedrale in Krakau. Für das querformatige Gemälde des polnischen Nationalheiligtums aus dem Jahr 1879 kamen 25.000 Pfund zusammen.
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Sotheby’s London 34-35 New Bond Street GB-W1A 2AA London |
 | Telefax:+44 (020) 72 93 59 24 | Telefon:+44 (020) 72 93 51 84 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
12.08.2016 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Annemarie Knatz |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 20 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (18) |  | •  | Veranstaltung vom:
25.05.2016, 19th Century European Paintings |  | •  | Bei: Sotheby's
|  | •  | Kunstwerk:  Henri Fantin-Latour, Pensées |  |  | •  | Kunstwerk:  Alexander Koester, Enten im Herbst |  | •  | Kunstwerk:  Johan Laurentz Jensen, Stillleben mit Päonien, Mohn
und Geißblatt, 1848 |  | •  | Kunstwerk:  Bertha Wegmann, Zärtliche Momente |  |  | •  | Kunstwerk:  Wladyslaw Malecki, Der Wawel mit
der Kathedrale in Krakau, 1879 |  | •  | Kunstwerk:  Eugen von Blaas, Ein verstohlener Blick, 1896 |  | •  | Kunstwerk:  Emile Claus, Coucher de soleil sur la Tamise, 1919 |  |  |
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 Bertha Wegmann,
Zärtliche Momente |  | Taxe: 30.000 - 50.000 GBP Zuschlag: 55.000,- GBP Losnummer: 31 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Boldini,
Signora Diaz
Albertini, 1909 |  | Taxe: 250.000 - 350.000 GBP Losnummer: 7 |  |  |  |  |  | 
 Vilhelm Hammershøi,
Interieur mit
Marmornische, 1914 |  | Taxe: 500.000 - 700.000 GBP Losnummer: 4 |  |  |  |  |  | 
 Eugen von Blaas, Ein
verstohlener Blick,
1896 |  | Taxe: 30.000 - 50.000 GBP Zuschlag: 75.000,- GBP Losnummer: 18 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Eugène Clary,
Au Jardin des
Tuileries, 1884 |  | Taxe: 10.000 - 15.000 GBP Zuschlag: 16.000,- GBP Losnummer: 45 |  |  |  |  |  | 
 Albert Edelfelt, La
laitière, 1889 |  | Taxe: 300.000 - 500.000 GBP Zuschlag: 290.000,- GBP Losnummer: 2 |  |  |  |  |  | 
 Emile Claus, Coucher
de soleil sur la
Tamise, 1919 |  | Taxe: 25.000 - 30.000 GBP Zuschlag: 22.000,- GBP Losnummer: 14 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Baptiste
Camille Corot, Ville
d’Avray: L’étang, la
maison de M. Corot
père et son kiosque,
1825 |  | Taxe: 250.000 - 350.000 GBP Zuschlag: 250.000,- GBP Losnummer: 5 |  |  |  |  |  | 
 Henri
Fantin-Latour,
Pensées |  | Taxe: 35.000 - 45.000 GBP Zuschlag: 45.000,- GBP Losnummer: 35 |  |  |  |  |  | 
 Franz von Stuck,
Domino, um 1898 |  | Taxe: 40.000 - 60.000 GBP Zuschlag: 100.000,- GBP Losnummer: 28 |  |  |  |  |  | 
 Johan Laurentz
Jensen, Stillleben
mit Päonien, Mohn und
Geißblatt, 1848 |  | Taxe: 30.000 - 50.000 GBP Zuschlag: 45.000,- GBP Losnummer: 38 |  |  |  |  |  | 
 Santiago Rusiñol,
Pedres velles. Raixa |  | Taxe: 70.000 - 90.000 GBP Zuschlag: 110.000,- GBP Losnummer: 8 |  |  |  |  |  | 
 Alexander Koester,
Enten im Herbst |  | Taxe: 30.000 - 50.000 GBP Zuschlag: 85.000,- GBP Losnummer: 36 |  |  |
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