Kunstpreis Aachen an Franz Erhard Walther  |  | Der Kunstpreis Aachen 2016 geht an Franz Erhard Walther | |
Franz Erhard Walther erhält den Kunstpreis Aachen 2016. Die fünfköpfige, mit deutschen Museumsdirektoren besetzte Jury entschied sich für den 77jährigen Künstler, da er die „internationale Kunstszene mit wesentlichen Impulsen bereichert hat“. In ihrer Begründung führt sie weiter aus: „Franz Erhard Walther gehört fraglos zu den einflussreichsten Künstlern der vergangenen Jahrzehnte. Kaum ein Kunstschaffender hat die Definition, was Skulptur sein kann, derart frühzeitig und nachwirkend verändert wie er. Durch seine partizipativen Objekte und Textilskulpturen hat er das Verständnis von Kunst sowie das Verhältnis von Kunst und Betrachter einer grundlegenden Neubewertung und Erweiterung unterzogen. Nicht zuletzt auch durch seine langjährige Lehrtätigkeit hat er zahlreiche zeitgenössische Künstler ausgebildet und inspiriert.“
Geboren 1939 in Fulda, ging Franz Erhard Walther nach seinem Studium bei Karl Otto Götz an der Kunstakademie Düsseldorf 1967 nach New York. Bereits zwei Jahre später präsentierte er in einer Ausstellung im dortigen Museum of Modern Art seinen legendären „1. Werksatz“, eine 58teilige Arbeit, die heute zur Sammlung des Museums gehört. Das grundlegend Neue bei seinen Arbeiten der 1960er Jahre war die Einbeziehung des ursprünglich zur Kontemplation verdammten Betrachters in den skulpturalen Prozess. Die Ausstellungsbesucher hatten die Möglichkeit, die aus textilen Materialien bestehenden Werke zu benutzen, die als „Angebote“ vom Künstler in der Ausstellung präsentiert wurden. Die Arbeiten konnten aufgefaltet, neu arrangiert oder zwischen mehreren Besuchern aufgespannt werden. Entsprechend dieser Grundidee lautet der Titel von Walthers erster, 1968 erschienener Publikation „Objekte, benutzen“.
So rückte Franz Erhard Walther schon früh die Beziehung zwischen Werk, Künstler und Betrachter in den Fokus seines künstlerischen Schaffens und hinterfragte die Rolle des Rezipienten durch Interaktionen. Lange bevor Künstler wie Bruce Nauman ihren eigenen Körper als skulpturales Medium verwendet haben, hat Walther sich selbst und das Publikum als bildhauerisches „Material“ eingesetzt. „Der aktive Umgang mit einem künstlerischen Angebot, die Erfahrung der Haptik von Stoffen und Materialien, das Empfinden der eigenen Körperlichkeit und das daraus resultierende Handeln im Raum machen auch heute noch das Werk von Franz Erhard Walther zu einem außergewöhnlich zeitgenössischen Beitrag“, so die Jury. Seine Arbeit lasse sich als Synthese aus Prozesskunst, Minimal Art und Konzeptkunst deuten und stehe mit zahlreichen wichtigen Positionen der zeitgenössischen Kunst im Dialog.
Der Kunstpreis Aachen ist eine Stiftung der Freunde des Aachener Ludwig Forums für Internationale Kunst e.V. Er wird alle zwei Jahre an einen bildenden Künstlerin oder Künstler und ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Preisgeld ermöglichen die Stadt Aachen und die Aachener Wirtschaft. Der Geehrte erhält zudem eine Einzelausstellung im Ludwig Forum. Bisherige Preisträger waren Luciano Fabro (1983), A.R. Penck (1985), Richard Long (1988), Ilya Kabakov (1990), On Kawara (1992), Christian Boltanski (1994), Katharina Fritsch (1996), Richard Tuttle (1998), Michael Asher (2000), Tacita Dean (2002), Andreas Slominski (2004), Roman Signer (2006), Aernout Mik (2008), Pawel Althamer (2010), Phyllida Barlow (2012) und zuletzt 2014 Paulina Olowska. |