Klingende Kunst in Berlin Was ist eine Partitur? Die Antwort scheint klar: Sie ist aufgezeichnete Musik, schriftliche Vorlage eines Kunstwerks, das eigentlich für das Erklingen geschaffen ist. Doch Partituren können auch anders gesehen werden, als grafisches Kunstwerk etwa, als individuelles Zeichensystem oder als Aufzeichnung von Handlungsanweisungen. Meist wird bei solchen Betrachtungen das Medium für Musik in ein Medium der bildenden Kunst transformiert. Eine Ausstellung in Berlin geht nun den anderen Weg: „Scores“ – der englische Begriff für die Partitur – stellt Zeichnungen, Objekte, Liedtexte, grafische, fotografische, filmische Notationen und Konzepte vor, die musikalische Ereignisse und Aufführungen generieren. Fast alle der in den Rieck-Hallen des Hamburger Bahnhofs großzügig präsentierten Werke sind als Auftragsarbeiten neu entstanden; sie werden Schritt für Schritt in den Räumen, in denen sie ausgestellt sind, aufgeführt.
Von Saâdane Afif wird die gemeinsam mit dem Komponisten Augustin Maurs entwickelte Arbeit „Vice de forme: Das Kabarett“ vorgestellt, die mit einem Konzert am letzten Tag der Ausstellung, am 13. November, verbunden ist. Christian Marclay hat das Comic-Heft „To Be Continued“ neu produziert, das das ensemBle baBel musikalisch zum Klingen bringt. Aus dem aktuell entstehenden, voraussichtlich achtteiligen Zeichnungs-Zyklus „Song of the Earth“ von Jorinde Voigt präsentiert die Ausstellung die ersten vier Kapitel „Radical Relaxation – Stress and Freedom“, „The Shift“, „Divine Territory“ und „The Farewell“. Ari Benjamin Meyers hat eine Serie von „Meta-Partituren“ entwickelt, inspiriert von Sol LeWitts „Instruction Pieces“, die täglich neu in der Ausstellung vom Komponisten Wojtek Blecharz und der Flötistin Susanne Fröhlich übersetzt und gespielt werden.
Das Projekt „Musikwerke Bildender Künstler. Scores: Saâdane Afif, Christian Marclay, Ari Benjamin Meyers, Jorinde Voigt“ ist eine Veranstaltung von Freunde Guter Musik Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie ist im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart bis 13. November zu erleben. Die Öffnungszeiten sind Dienstag, Mittwoch, Freitag von 10 bis 18, Donnerstag von 10 bis 20 und Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Tickets für die Konzerte am Abschlusstag, 13. November, um 18:30 Uhr und 20 Uhr kosten 14 Euro, ermäßigt 10 Euro und sind über www.reservix.de zu erhalten. Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre in Deutsch und Englisch zum Preis von 5 Euro.
Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
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