Hubbard, Birchler und Bove gestalten den Schweizer Pavillon  |  | Teresa Hubbard und Alexander Birchler gestalten den Schweizer Pavillon 2017 | |
Das Künstlerduo Teresa Hubbard und Alexander Birchler sowie Carol Bove werden im kommenden Jahr den Schweizer Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielen. Sie orientieren sich dabei am Konzept des Kurators Philipp Kaiser mit dem Titel „Women of Venice“. Kaiser bezieht sich hierbei auf die wenig bekannte Abwesenheit Alberto Giacomettis von der Kunstbiennale in Venedig. Mehrfach eingeladen, lehnte der Bildhauer stets eine Teilnahme ab. Er wollte von keinem Staat vereinnahmt werden, da er sich als internationaler Künstler verstand. Erst 1956 stellte der gebürtige Schweizer, der in Paris lebte, seine gipserne Figurengruppe „Femme de Venise“ im französischen Pavillon aus.
Die Filminstallation „Flora“ des Künstlerpaares Teresa Hubbard und Alexander Birchler und die skulpturale Konstellation von Carol Bove werden in dem 1952 vom Architekten Bruno Giacometti, Albertos Bruder, errichteten Pavillon aufgestellt. Neben der Auseinandersetzung mit Alberto Giacometti solle aus der gegenwärtigen Sicht die Geschichte des Schweizer Beitrags reflektiert wie auch neue, spezifische Kunstwerke initiiert werden, so Philipp Kaiser. Das Ziel sei die Auseinandersetzung mit nationalstaatlichen Identitätskonzepten und kulturpolitischen Kontexten.
Die Amerikanerin Teresa Hubbard, Jahrgang 1965, und der Schweizer Alexander Birchler, 1962 in Baden geboren, beziehen sich in „Flora“ auf die wenig bekannte amerikanische Künstlerin Flora Mayo. Sie studierte zeitgleich mit Alberto Giacometti in Paris der 1920er Jahre und war seine Geliebte. Hubbard und Birchler verwischen in ihrem Film die Grenzen zwischen fiktiven und dokumentarischen Sequenzen. Damit lassen sie Mayo wieder auferstehen, präsentieren ihr Leben und Werk, wie sie auch ihrem bisher unbekannten Sohn eine Stimme geben. Die Beziehung Flora Mayos und Alberto Giacomettis sowie die kreative Kraft, die daraus entsprang, spiegeln sich in den Porträtbüsten, die der junge Bildhauer von seiner Geliebten anfertigte.
Carol Bove inszeniert, laut der Mitteilung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, in ihren installativen skulpturalen Anordnungen „diskursive, verborgene Zusammenhänge und erkundet zugleich mit großer Leichtigkeit das Vokabular der Skulptur“. Die Grundlage bei diesem Projekt der 1971 in Genf geborenen Künstlerin bilden Alberto Giacomettis Figurenkonstellationen. Dabei spüre sie den „relationalen Kräften“ in den Figurengruppen Giacometti nach. Als eine Art Antwort auf die konsistente Abwesenheit des Bildhauers im Schweizer Pavillon wird Bove Skulpturen schaffen, die sich auf das Spätwerk Giacomettis beziehen.
Die 57. Biennale findet vom 13. Mai bis zum 27. November 2017 statt. Für den Schweizer Auftritt an der Kunstbiennale von Venedig ist die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia verantwortlich. |