Riemenschneiders Kollegen in Würzburg  |  | Niklaus Weckmann und Werkstatt, Hl. Georg, Ulm 1496/99 | |
Das Mainfränkische Museum in Würzburg präsentiert in seiner aktuellen Schau Skulpturen aus dem Umkreis Tilman Riemenschneiders und kann sich dabei auf die Sammlung des Frankfurter Liebieghauses stützen. Vor dem Hintergrund der in Würzburg aufbewahrten Werke Riemenschneiders ermöglicht die Ausstellungen den Vergleich mit 20 Arbeiten aus dem 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts, darunter Skulpturen von Hans Multscher, Michel Erhart, Hans Leinberger sowie anonymer Meister. Die Epochengrenze vom Mittelalter zur Neuzeit war trotz sozialer und politischer Unruhen eine für Bildhauer günstige Zeit, da viele Altarskulpturen, Flügelaltäre und Grabdenkmäler in Auftrag gegeben wurden. Das Ende dieser Hochphase beginnt mit der Reformation und den Bilderstürmen, die 1531 mit dem Übertritt Ulms zum Protestantismus zu mehreren abgebrochenen Kirchen wie auch zur Entfernung oder Zerstörung von mehr als 100 Altären führten.
Der „Schlüsselfelder Altar“, der als Leihgabe im Würzburger Museum mit sieben Tafeln steht, wird nun um drei erhaltenen Reliefs bereichert. Der zweifach wandelbare Flügelaltar thematisiert neben der Passion Jesu das Leben Johannes des Täufers und das Martyrium des heiligen Kilian. Das fränkische, wohl in Bamberg entstandene Flachrelief von circa 1480 präsentiert die Geburt des Täufers. Dabei legt die junge Maria das Neugeborene in die Arme seiner Mutter Elisabeth, der Frau des Priesters Zacharias. Die Fassung in Gold mit Einsprengseln von Blau und Rot ist weitgehend original. Die Gewänder des Personals kennzeichnen viele weiche Falten, die auch Elisabeths Bettdecke durchziehen und den Leib eher erahnen lassen. Ohne Fassung steht ein „Heiliger Georg“ in Rüstung und als junger Mann mit prächtigen Locken über dem besiegten Drachen. Das Ulmer Werk von Niklaus Weckmann und seiner Werkstatt wurde zwischen 1496 und 1499 aus Eichenholz geschnitzt. Der Heilige ist eine der Skulpturen, die für den Hochaltar der Klosterkirche Ochsenhausen, ein Hauptwerk Weckmanns, entstand.
Einen anderen Ton schlägt Daniel Mauchs um 1520 datierte „Nackte Alte“ an. Wie bei Riemenschneiders Adam und Eva ereiferte sich Mauch an einem Akt. Mauch beschönigt ihn kaum: die vertrockneten alten Brüste hängen hinab, der Bauch liegt in schlaffen Hautfalten, und auch das Antlitz mit Falten, Schlupfliedern und einer löchrigen Zahnreihe fängt das fortgeschrittene Alter ein. Die Greisin ist sich ihres Alters jedoch nicht bewusst, obwohl sie in ihrer rechten Hand einen Spiegel hielt und in ihn blickte. So posiert sie wie eine junge Frau im Kontrapost und hält an der jugendlichen Frisur mit offenem wallendem Haar fest. Diese wohl für eine private Kunstsammlung geschaffene Skulptur behandelt das Thema der alternden Venus, die als Zeichen der Vergänglichkeit gilt.
Die Ausstellung „Meisterwerke der Riemenschneider-Zeit aus der Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt a.M.“ läuft bis zum 12. Februar 2017. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr. Das Haus bleibt an Heiligabend und zu Silvester geschlossen. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.
Mainfränkisches Museum Würzburg
Festung Marienberg
D-97082 Würzburg
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