Charles Wimar siegt in München  |  | Charles Wimar, Indianer mit Pferden, wohl 1851 | |
Charles Wimar gehört zu einer Gruppe von Malern, die im 19. Jahrhundert Deutschland mit Amerika verbanden. Als der 1828 im rheinischen Siegburg als Karl Ferdinand Weimer Geborene 16 Jahre alt war, wanderte seine Familie in die USA aus und ließ sich in St. Louis nieder. Die Stadt war wichtiger Handelsplatz für Pelze und wurde von Siedlern, Abenteurern und vielen Indianerstämmen besucht. Das muss den jungen Wimar fasziniert haben. Denn hier fand er sein Lebensthema: Die Darstellung des Indianerlebens. 1852 kehrte Charles Wimar noch einmal nach Deutschland zurück, um in Düsseldorf seine malerischen Fähigkeiten zu verbessern. Hier traf er auf den Deutsch-Amerikaner Emanuel Leutze, der in der Rheinstadt schon das Feuer für die Kultur der amerikanischen Ureinwohner entfacht hatte. Mit seiner gebräunten Haut und den dunklen Haaren soll Wimar einem Indianer geähnelt haben; er spielte diese Rolle auch gerne, indem er zur Freude seiner Düsseldorfer Kollegen „Indianertänze“ in Kriegsbemalung und wildem Geschrei aufführte.
1856 kehrte Charles Wimar in die USA zurück, blieb seinem Themenkomplex treu und unternahm dazu mehrere Expeditionen zu den Indianerstämmen im Quellgebiet des Missouri. Auch sein Gemälde „Indianer mit Pferden“, das am vergangenen Freitag zum Star bei Art & Auktionen in München mutierte, gehört in diesen Kanon. Wohl 1851 malte es Wimar als Vorstudie zu der größeren Version „Captive Charger“ von 1854 im Saint Louis Art Museum. Bis 1916 hingen die vier Indianer, die am Abend mit ihren Pferden durch sumpfiges Gebiet waten, bei der Gräfin Landberg aus Schloss Tutzing am Starnberger See. Dann ging es über eine Versteigerung in der Münchner Galerie Helbing an die Familie des heutigen Besitzers. Jetzt entbrannte beim Münchner Auktionshaus der Familie Scheublein ein internationaler Kampf um das auf 6.000 Euro geschätzte Bild. Mehrere Telefonbieter ließen die Drähte heiß laufen, bis der Hammer bei 115.000 Euro fiel. Sieger war ein Londoner Händler, der mit Aufgeld knapp 145.000 Euro zahlte.
In der Auktion überzeugten zudem noch Max Slevogts kleine flotte Ölskizze einer pfälzischen Landschaft mit Frau und Hund an einer Brüstung bei 18.000 Euro (Taxe 8.000 EUR) und Robert Griffiers kalte verschneite Winterlandschaft in einem Flusstal mit zahlreichen Personen beim „Eisvergnügen“ für 40.000 Euro (Taxe 28.000 EUR). Bei den Möbeln kam der Jugendstil gut an. Nicht allzu oft tauchen Entwürfe des Münchner Architektenduos Henry Helbig und Ernst Haiger im Kunsthandel auf. Ihr filigranes, vom Klassizismus inspiriertes Tagesbett machte bei 3.800 Euro den Anfang (Taxe 1.200 EUR), dann folgte ihr formverwandter Armlehnstuhl bei 2.000 Euro (Taxe 800 EUR). Beide Möbelstücke wurden vom selben Käufer ersteigert. Auch der Wiener Gustav Siegel ließ sich bei seiner sechsteiligen schwarzen Sitzgruppe aus Tisch, Bank und vier Stühlen mit ovalen Lehnen für 1.700 Euro nicht lumpen (Taxe 1.400 EUR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |