Grafiken aus der DDR Das Sprengel Museum in Hannover zeigt aktuell Grafiken aus der ehemaligen DDR und versteht die Schau als Fortsetzung der Ausstellung „Zeichnung Ost“, die im Jahr 2014 zu sehen war. 1988 erwarb das Land Niedersachsen 413 Objekte aus der Sammlung des Diplomaten Georg Girardet. Girardet war zwischen 1978 und 1985 Referent der Ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin, was ihm einen engen Kontakt mit den Künstlern in der DDR ermöglichte. Dank weiterer Ankäufe besitzt das Sprengel Museum nun als eines der wenigen westdeutschen Museen eine große Sammlung von DDR-Kunst. Daraus präsentiert es rund 130 Druckgrafiken und Künstlerbücher unter anderem von Uwe Pfeifer, Dagmar Ranft-Schinke, Max Uhlig, Lutz Dammbeck, Angela Hampel, Michael Morgner, Wolfram Adalbert Scheffler und Martin Hoffmann.
Die Grafik spielte in der DDR eine herausragende Rolle, so die Kuratorin Karin Orchard. In den 1970er und 1980er Jahren habe sie sich zu einem „Refugium der Künste“ wie auch zu einem „Medium der Freiheit“ entwickelt, da die SED-Kulturpolitik dieser Kunstgattung kein sonderliches Interesse entgegenbrachte. An den Fach- und Hochschulen genoss das Lernen der notwendigen technischen Fähigkeiten für Grafik einen hohen Stellenwert. Drucke waren zudem wichtig für die Gründung künstlerischer Sub- und Gegenkultur.
Wolfgang Mattheuers surreal anmutender Linolschnitt „Verlorene Mitte“ von 1981 zeigt menschliche Extremitäten, die um eine Leere kreisen. Dieses fragmentierte Wesen wird durch nichts zusammengehalten. Die unterschiedlich gestalteten Arme und Beine, mal plastisch mit Schattierung, mal nur als eine Art schwarzer Scherenschnitt und in unterschiedlichen Größen, lassen vermuten, dass das Konstrukt bald auseinanderbrechen muss. Der Kopf, der die losen Elemente noch zusammenhalten könnte, ist lediglich als kleiner weißer Kreis angedeutet. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das sich rasch fortbewegende Wesen inmitten der mit unregelmäßigen Linien charakterisierten Landschaft auseinanderfällt.
Die Ausstellung „Grafik Ost“ läuft bis zum 7. Januar 2018. Das Sprengel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr. Es bleibt am 31. Oktober, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag und Silvester geschlossen. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, jeden Freitag ist er kostenlos.
Sprengel Museum Hannover
Kurt Schwitters Platz
D-30169 Hannover
Telefon: +49 (0)511 – 168 438 75
Telefax: +49 (0)511 – 168 450 93 |