Arp Museum würdigt Gotthard Graubner Der 2013 verstorbene Gotthard Graubner gehört zu den medial präsenten zeitgenössischen Künstlern Deutschlands. Zwei große, mit „Begegnungen“ betitelte Gemälde schuf er 1988 vor Ort im Berliner Schloss Bellevue im Auftrag des damaligen Hausherrn Richard von Weizsäcker. Seitdem bilden sie den Hintergrund vieler staatstragender Ereignisse. Ihr sanfter, in den Raum tretender Schleier ineinanderlaufender Farben verleiht den Auftritten davor eine repräsentative, lebendige Würde, die charakteristisch für die atmenden Kissenbilder des Künstlers ist. Fünf Jahre nach dem Tod würdigt ihn nun das Arp Museum in Remagen mit einer Einzelschau unter dem Titel „Gotthard Graubner. Mit den Bildern atmen“.
1930 in im Vogtland geboren, studierte Gotthard Graubner zunächst an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, bevor er als Schüler von Georg Meistermann und Karl Otto Götz an die Düsseldorfer Kunstakademie wechselte. Nach einer kurzen Zeit als Kunsterzieher an einem Gymnasium wirkte er ab 1969 als Hochschulprofessor, zunächst in Hamburg, von 1976 bis 1996 an seiner Lehrstätte in Düsseldorf. Ab 1970 war er dem Künstlerbahnhof Rolandseck in Remagen sowie dem Werk von Hans und Sophie Taeuber-Arp eng verbunden. Nun laden seine Farbmagien im großzügigen Erweiterungsbau von Richard Meier dazu ein, das Motiv weicher Durchlässigkeit als zentrales meditatives Element intensiv zu erleben.
Ausgangspunkt der 51 Exponate zählenden Werkschau bilden zehn Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Fundus des Museums, die Gotthard Graubner 1976 während einer Reise nach Bhutan aufnahm. Sie zeigen in starken Hell-Dunkel-Kontrasten buddhistische Mönche beim rituellen Tanz. Ihre Verschmelzung von Körper und Raum bildet die Brücke zu Graubners farbgewaltigen malerischen Untersuchungen. Ausgehend von sechs Objekten aus dem Kontext des Buddhismus entfaltet sich die Auswahl von flachen grafischen Zeichnungen bis hin zu objekthaften Farbraumkörpern. Dabei steigert sich das Kolorit von frühen Abstufungen in Braun, Grau, Grün und Schwarz zu kraftvoll leuchtender Farbigkeit. Der subtile Auftrag diverser Farbnuancen in mehreren Schichten zeitigt eine erstaunliche, je nach Standpunkt und Lichtstimmung veränderte Wirkung. Graubners Objekt-Bilder und Farbraumkörper entfalten im Spiel zwischen der plastischen Tiefe des körperhaften Malgrundes und der scheinbar entmaterialisierten Farbfläche ihre einzigartige Kraft. Dabei bietet die lichte weiße Museumsarchitektur eine ideale Bühne für das Zusammenspiel von Kunst, Natur und Baugestalt.
Die Ausstellung „Gotthard Graubner. Mit den Bildern atmen“ ist bis zum 10. Februar 2019 zu sehen. Das Arp Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29,80 Euro.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
D-53424 Remagen
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