Balkrishna Doshi mit Pritzker-Preis ausgezeichnet  |  | Der Pritzker-Preis 2018 geht an Balkrishna Doshi | |
Der indische Architekt Balkrishna Doshi ist Träger des diesjährigen Pritzker-Preises. Die Jury billigte dem 90jährigen die von der Hyatt Foundation gestiftete Auszeichnung für sein Lebenswerk zu. Doshi habe, so hieß es zur Begründung, eine Architektur geschaffen, „die ernsthaft, niemals aufdringlich ist oder irgendwelchen Trends folgt“. Sein Werk sei von einem „tiefen Verantwortungssinn und dem Verlangen“ geprägt, seinem Land mit Architektur einen Beitrag zu leisten.
Der 1927 in der westindischen Stadt Pune geborene Doshi studierte ab 1947 an der Sir J. J. School of Architecture in Bombay. Zwischen 1951 und 1954 hielt er sich in Europa auf und arbeitete unter anderem im Büro von Le Corbusier. 1954 nach Indien zurückgekehrt, wirkte er bei Planung und Ausführung der Bauten in der neu gegründeten Stadt Chandigarh mit. Er ließ sich in Ahmedabad nieder und gründete 1956 sein eigenes Architekturbüro. Es entstanden erste eigenständige Werke wie 1957/60 eine Textilarbeitersiedlung in Ahmedabad oder 1963 das Indian Institute of Management in Bangalore. Seit 1962 wirkte Doshi mit Louis Kahn an Hochschulbauten in Ahmedabad zusammen und zeichnete unter anderem für das Institute of Indology verantwortlich.
Internationale Bekanntheit erlangte Balkrishna Doshi vor allem seit den 1980er Jahren mit einer Reihe großangelegter Stadtplanungen, insbesondere 1984/86 für Vidyadhar Nagar, einen Vorort von Jaipur. In zunehmender Loslösung von Le Corbusier, den er gleichwohl zeitlebens als sein großes Vorbild sehr verehrte, bezog Doshi in immer größerem Maße regionale Eigenarten und historische Bezüge der indischen Baukultur in seine Planungen ein. So erinnern seine Schöpfungen gelegentlich an Tempelanlagen oder greifen Straßen- und Hausstrukturen altindischer Stadtanlagen auf. Die Integration der Natur in seine Bauten und damit gewissermaßen eine Ökologisierung der Architektur waren ihm ebenfalls wichtig.
Doch nicht nur das: Auch in wirtschaftlicher Hinsicht schuf er passende Bauten für seine Landsleute, indem er den Wohnraum bezahlbar machte und trotz der gewaltigen Dimensionen der auf das rasante Bevölkerungswachstum abgestimmten Projekte möglichst individuelle Bedürfnisse zu befriedigen versuchte. Am bekanntesten ist der Aranya Low Cost Housing genannte, seit 1989 entstandene Wohnpark im indischen Indore mit über 6.500 Einheiten, in dem heute rund 80.000 Menschen unterschiedlichster Einkommensschichten leben. Bezeichnend für Doshis geradezu ethisches Selbstverständnis als Architekt ist auch, dass er sich mit Projekten auf internationaler Ebene vollkommen zurückhielt, sondern fast ausschließlich in und für seine indische Heimat wirkte.
Der Pritzker-Preis ist mit 100.000 Dollar dotiert und gilt als die weltweit wichtigste Auszeichnung für Architekten. 1979 wurde er erstmals an Philip Johnson vergeben. Es folgten beispielsweise James Stirling, Ieoh Ming Pei, Richard Meier, Hans Hollein, Kenzo Tange, Frank O. Gehry, Aldo Rossi, Renzo Piano, Norman Foster, Rem Koolhaas, Zaha Hadid, Richard Rogers, Peter Zumthor sowie als bislang einzige Deutsche 1986 Gottfried Böhm und 2015 posthum Frei Otto. Balkrishna Doshi ist der erste Inder, dem die Jury den Preis zuerkannte. |