Pariser Art Déco-Grafik in Hamburg Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) widmet sich in seiner aktuellen Schau dem Grafikdesign des Art Déco aus Paris. Dieser Stil der dekorativen Künste, dessen Anfänge in der französischen Hauptstadt um 1910 liegen, sprach eine weltoffene und wohlhabende Elite an. Die opulenten geschwungenen Formen des Art Déco lassen oft an exquisite Möbel oder raffinierte Kleider denken, seltener an Druckgrafik. In diesem Medium aber erfolgten bemerkenswerte Leistungen, die der Kurator Jürgen Döring am Beispiel von Werken George Barbiers, A. M. Cassandres, Studio Dorlands, Natalja Gontscharowas, Fernand Légers oder Gerda Wegeners anspricht. Die etwa 250 Exponate stammen aus der 700 Blatt starken Sammlung des MKG mit Plakaten, Illustrationen, Pochoir-Drucken und Anzeigen aus Zeitschriften wie der „Vogue“ und „L’Illustration“. Einen der Höhepunkte bildet Paul Colins Mappenwerk „Le Tumulte noir“ zu Josephine Bakers Tanzcompagnie und ihrer „Revue nègre“.
Nach dem Ersten Weltkrieg kann sich die Anzeige in bebilderten Großformaten für Zeitschriften als neue, dem Plakat ebenbürtige Werbung etablieren. Führende Künstler entwerfen sie und spiegeln Themen ihrer Zeit wider, etwa das Auto, französische Chansons oder die Haute Couture. Auch der Tanz und das Cabaret spielen eine wichtige Rolle im damaligen Paris. So lud die Vereinigung russischer Künstler in Paris 1925 zum Ball des Sternbilds der „Großen Bärin“. Hierfür schuf Auguste Herbin ein Werbeplakat, das sich aus roten und schwarzen Polygonen mit der weißen Wagenform des Sternbilds herausbildet. Die 1920er Jahre gelten als ein Höhepunkt in der Plakatgeschichte. Zentral wird eine möglichst spektakuläre Bilderfindung, etwa Roger Pérots Arbeit für die Automobilfirma Delahaye von 1932. Den Effekt eines rasch heranfahrenden eleganten Autos mit begleitender Aureole weiß Pérot mit einer gekippten Froschperspektive zu erwirken.
Eine Pariser Besonderheit ist die Pochoir-Drucktechnik, die sich auch auf das Genre der gehobenen und eleganten Illustration bezieht. Ihre Themen waren vorwiegend die Mode und dezente Erotik, etwa Georges Lepapes Tafel „Man beobachtet uns – Neue Muffs für den Winter“ von 1913 für „La Gazette du Bon Ton“ oder Charles Loupots elegante Reiterin „Die blaue Amazone“ von 1924 für dasselbe Modejournal. Pochoir, wörtlich Schablonendruck, war eine aufwendige Mischung diverser Techniken mit unterschiedlichem Anteil von Handarbeit. Eine Massenanfertigung zu billigen Preisen war damit nicht möglich. 1925 endet die Zeit des Pochoir-Drucks, den bereits 1920 die erste Ausgabe der französischen Vogue mied.
Die Ausstellung „Art Déco. Grafikdesign aus Paris“ läuft bis zum 30. September. Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 24,95 Euro.
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
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