Giorgio Vasari in München  |  | Giorgio Vasari, Gestürztes Pferd, um 1570 | |
Zum 450. Jubiläum der Veröffentlichung der zweiten Ausgabe der „Viten“ von Giorgio Vasari widmet ihm die Staatliche Graphische Sammlung München eine Schau. Neben der Renaissancepublikation wird der Maler und Architekt in der Pinakothek der Moderne auch als Zeichner vorgestellt. Begleitend sind Arbeiten von Antonio del Pollaiuolo und El Greco, die in Vasaris berühmter Zeichnungssammlung „Libro de’ disegni“ enthalten sind, zu sehen. Ein doppelseitiges Blatt von Michelangelo Buonarroti illustriert die in den „Viten“ beschriebene herausragende Stellung des Renaissancegenies.
Die erste Ausgabe der „Vite de’ più eccellenti pittori scultori ed architettori“ veröffentlichte Giorgio Vasari im Jahr 1550. Die zweite Publikation von 1568 ist eine verbesserte und wesentlich erweiterte Version. Vasari beschreibt in seinem Buch das Leben und Schaffen bedeutender Künstler vom 13. bis in das 16. Jahrhundert, darunter von Cimabue, Luca della Robbia, Raffael, Leonardo da Vinci und Lorenzo Ghiberti. Mit dieser Schrift avancierte Vasari zum „Vater der Kunstgeschichte“. In seiner Publikation berichtet er nicht nur von der Biografie der Künstler, sondern versucht auch zu ordnen und zu systematisieren. So war es Vasari, der die Begriffe „Gotik“ und „Manierismus“ in den Kunstdiskurs einführte. Die antike Kunst galt in seinen Augen als vollkommen. Ihr folgte eine Zeit des Verfalls. Erst seit dem 13. Jahrhunderts erlebte die Antike mit Cimabue eine Wiedergeburt, die „rinascita“ oder Renaissance.
Dieser Fortschritt spiegelt sich in den Lebensbeschreibungen der Künstler mit ihren Verdiensten. Den Höhepunkt dieser Entwicklung verkörpert der „Divino“ Michelangelo, der die Antike zu übertreffen wisse. Neben dem Epochenschema der Gotik und Renaissance nutzt Vasari zudem den Begriff des „disegno“. Die Übersetzung als „Zeichnung“ ist ungenügend, da der Autor darin auch den geistigen Entwurf, einen kreativen, intellektuellen Akt sieht, der höher einzustufen sei als die handwerklich perfekte Ausführung eines Kunstwerks. Beendet der „Divino“ die erste Ausgabe der „Viten“, so setzt Giorgio Vasari sich selbst ans Ende der zweiten Publikation im Bewusstsein, dass auch er etwa als Erbauer der Uffizien und Hofmaler der Medici zu den führenden Künstlern seiner Zeit zählt.
Die Ausstellung „Im Blick: Giorgio Vasari. Zum Jubiläum der zweiten Ausgabe der ‚Viten‘, 1568“ läuft bis zum 3. Juni. Die Pinakothek der Moderne hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, jeden Sonntag für alle 1 Euro.
Pinakothek der Moderne
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