Britta Thie in Mönchengladbach Britta Thie bespielt seit letztem Wochenende mit der Ausstellung „Powerbanks“ das Museum Abteiberg in Mönchengladbach und geht zugleich über den geschützten Raum des Museums hinaus. Der Titel bezieht sich auf ihr gleichnamiges Projekt, in dem die 1987 in Minden geborene Künstlerin Kunst- und Nicht-Kunstorte, On- und Offline Spaces miteinander verbindet. So wird der Film „Powerbanks“, für den sie das Atelierstipendium der Stadt Mönchengladbach erhielt, gleichzeitig im Elektromarkt Saturn und in den Räumen des Museums präsentiert. Handlungsträger sind Jugendliche in Mönchengladbach, die ihre Freizeit im nahe am Museum Abteiberg gelegenen Einkaufszentrum verbringen. Thie stellt hier Fragen zur Selbstinszenierung, -medialisierung und -fiktionalisierung. Das Museum Abteiberg bereichert seine Ausstellung mit weiteren Arbeiten der Künstlerin und Schauspielerin, darunter mit installativen Projekten, dem Film „System of a doubt“ von 2017 und der Serie der „Talking Stills“ von 2016 bis 2018.
Das Museum Abteiberg beherbergt im Foyer und seinen Räumen für Wechselausstellungen das Setting des Einkaufszentrums als sozialen Ort der Jugendlichen mit Sitzinseln, kostenlosem W-Lan und Steckdosen. Durch diese Aufnahme der Raumstruktur des Drehortes wird das Museum zu einer Umgebung, „in der dessen Inhalt und Stimmung materiell und digital widerhallen. Die Mall ist für Thie ein mehrschichtiger Produktions- und Ausstellungsort. Sie stellt ein komplexes soziales Gefüge der städtischen Gemeinschaft, speziell ihrer Jugendlichen, dar“, so die Mitteilung des Museums. Das Einkaufszentrum sei ein halböffentlicher Raum, der von Unternehmen gesteuert und kommerziell definiert sei. Zeitgleich sei es ein Ziel und Zufluchtsort, der Potential für Fiktion eröffne. Der Ort der Mall – als Raum und Bild – wird durch Umwidmung, Veränderung und Appropriation der Jugendlichen geprägt, die hier ihre Zeit verbringen und zu Hauptdarstellern ihrer eigenen Geschichten zwischen einem Frozen Yoghurt-Stand, dem Bekleidungsgeschäft Forever 21 und großformatigen hochauflösenden Bildschirmen werden.
Themen des Films „System of a doubt“ sind Pubertät und Autofiktion, denen sich Britta Thie mit eigenem Archivmaterial zuwendet. In „Talking Stills“ werden Voice-Over Elemente aus ihren Filmen weiter erzählt. So setzt sich Thie hier mit dem Sound als eigenständigem Bestandteil ihrer Arbeiten auseinander. Die in Berlin lebende Filmkünstlerin studierte an der Kunstakademie in Münster und der Universität der Künste in Berlin, wo sie Meisterschülerin von Hito Steyerl war. Mit ihrer ersten Webserie „Translantics“, die sie 2015 im Auftrag der Schirn Kunsthalle in Frankfurt und des Senders Arte schuf, erregte sie internationales Aufsehen. Die Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes zeigte ihre Werke unter anderem bei den Anthology Film Archives in New York und im Mumok in Wien.
Die Ausstellung „Britta Thie. Powerbanks“ läuft bis zum 14. Oktober. Das Museum Abteiberg hat von Dienstag bis Freitag jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet, am Wochenende zusätzlich bis 18 Uhr. An jedem dritten Donnerstag im Monat ist das Haus zudem bis 22 Uhr zu besuchen. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro; für die Dauer der Schau ist der Besuch für Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren kostenlos.
Städtisches Museum Abteiberg
Abteistraße 27
D-41061 Mönchengladbach
Telefon: +49 (0)2161 – 25 26 31
Telefax: +49 (0)2161 – 25 26 59 |