Polke und die 70er in Siegen Das Museum für Gegenwartskunst in Siegen nimmt den Erwerb von 85 Fotos von Sigmar Polke durch die Sammlung Lambrecht-Schadeberg zum Anlass, ihm und seinem künstlerischen Umfeld eine Ausstellung zu widmen. Neben eigenen Fotografien des Künstlers werden auch zahlreiche fotografische Arbeiten aus dem Netzwerk Polkes gezeigt, beispielsweise von Katharina Sieverding oder Urs Lüthi. Magazine, Künstlerbücher und Filme ergänzen dabei die Schau zu einem vielfältigen Überblick über Sigmar Polke und die Produktivität seines Milieus. Außerdem werden die einzelnen Stationen seines Lebens wie die Künstlerkommune in Willich bei Düsseldorf, der Wohnort seiner Partnerin Katharina Steffens in Zürich und die Galerie Toni Gerber in Bern thematisiert.
Polkes Werke sind durch die Aufbruchsstimmung der 1970er Jahre bestimmt, die in Deutschland aber auch in der Schweiz vorherrschte. Die Kritik an der bürgerlichen Ordnung übertrug er dabei auf das eigene Leben und vermischte den revolutionären Zeitgeist mit seinem Alltag. Auch die Aktivitäten der feministischen Künstlerinnen spielten für ihn eine Rolle. Polke verewigte mit seiner Kamera sein Leben, das er zu einer Performance inszenierte. Auf einer Fotografie von 1974, die er mit Gelb und Violett übermalte, hielt Polke ein Treffen mit Einheimischen während seiner Reise durch Pakistan fest. Eine andere von 1975 zeigt ein Auto mit vier Männern im Gaspelshof, dem Ort der Künstlerkommune. Einer von ihnen hält seine Kamera vors Gesicht und scheint, den Fotografen zu fotografieren. Teilweise hat Polke die Bilder nachträglich durch unterschiedliche Belichtung, mit Farbe oder Kaffeeflecken bearbeitet.
Sigmar Polke wurde 1941 in Oels in Schlesien geboren. Die Familie floh 1945 nach Thüringen und in den 1950er Jahren nach Willich bei Mönchengladbach. In Düsseldorf-Kaiserswerth absolvierte Polke eine Glasmalerlehre. In den 1960er Jahren studierte er dann an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. 1963 gründete Polke zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Lueg den „Kapitalistischen Realismus“. Als Professor war er von 1977 bis 1991 an der Hochschule für bildende Künste im Hamburg tätig. Prägend wirkten sich die sechs Jahre im Gaspelshof in Willich aus, wo sich zusammen mit anderen Kunstschaffenden eine Kommune entwickelte. Polke war auf der Documenta 5 bis 7 vertreten und erhielt in der jüngeren Vergangenheit den Auftrag zur Erneuerung der Glasfenster des Züricher Grossmünsters. 2007 ehrte die Stadt Siegen ihn mit dem Rubenspreis. Der Anhänger des postmodernen Realismus starb 2010 in Köln.
Die Ausstellung „Sigmar Polke und die 1970er Jahre“ läuft bis zum 10. März 2019. Das Museum für Gegenwartskunst Siegen hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Donnerstag zusätzlich bis 20 Uhr. An Heiligabend und Silvester bleibt das Museum geschlossen. Am Neujahrstag ist es von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5,90 Euro, ermäßigt 4,60 Euro und ist für Studierende frei. Im Frühjahr 2019 erscheint der Katalog zur Ausstellung.
Museum für Gegenwartskunst Siegen
Unteres Schloss 1
D-57072 Siegen
Telefon: +49 (0)271 – 405 77 10
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