Oberhausen schwelgt in britischer Pop Art Schrille, bunte und wilde Bilder bestürmen den Besucher seit dem Wochenende in der Ludwig Galerie in Oberhausen. Sie verweisen auf die Geburt der Pop Art in Großbritannien. Als 1942 amerikanische Truppen hierher kamen, wälzten deren Mode, Speisen, Musik und Jargon nicht nur die klassische Standesgesellschaft, sondern auch die Kunst um. Witzig strahlend und in der Form von Multiples, Druckgrafiken, Serien und Mappenwerken massenhaft für jedermann produziert, witterten viele aus unteren Schichten stammende Pop Art-Künstler das große Geschäft. Doch die britische Variante genießt weitaus weniger Reputation als die kommerziell erfolgreichere amerikanische Spielart. Erst zwei Ausstellungen, 1976 im Hamburger Kunstverein und 2016 im Kunstmuseum Wolfsburg, widmeten sich der Pop Art von der Insel. Nun stellt unter dem schlichten Titel „British Pop Art“ die Ludwig Galerie den neuen englischen Nachkriegsstil vor. Die Schau vereint 136 Exponate von 31 Künstlern, darunter von Derek Boshier, Patrick Caulfield, Ian Colverson, Michael English, Dick Higgins, David Hockney, Gerald Laing, Malcolm Morley, Tom Phillips, Colin Self und Joe Tilson, die vornehmlich aus der Kollektion des Düsseldorfer Rechtsanwaltes Heinz Beck stammen.
Als Ausgangspunkt und geistiger Ursprung gilt die ab 1952 agierende „Independent Group“ mit Künstlern, Architekten, Designern, Fotografen und Kritikern. Deren Hauptakteure Eduardo Paolozzi und Richard Hamilton zogen amerikanische Sammelalben und Hochglanzmagazine als Vorlagen für collagierte Arrangements alltäglicher Zivilisationssymbole heran. Noch ohne festgezurrte Bedeutung kam 1954 der Begriff Pop Art, abgeleitet von „Popular Art“, in den Diskurs. Zugeschrieben wird der Terminus dem Kunstkritiker Lawrence Alloway, der 1956 eine wegweisende Ausstellung zum Thema arrangierte. In ihrer strahlenden witzigen Flüchtigkeit und sexuellen Aufladung zielte die britische Richtung dieses Stils auf ein Massenpublikum.
Neben dem Starkult sind technische Neuerungen wie Fernseher, schnelle Autos, Kameras, Telefone, Staubsauger oder neue Konsumartikel die Hauptmotive. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre schlug sich die Begeisterung für Technik und Raumfahrt nieder. Der Weltraum, Astronauten und Mondraketen wurden zu beliebten Sujets. Alltagsgegenstände wurden in Kunstwerke integriert und erlangten selbst den Status eines Kunstwerkes, beispielsweise Plattenhüllen, allen voran das von Peter Blake und Jann Haworth 1967 veröffentlichte Cover des achten Beatles-Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts“. Gewandet in schrill bunten Militärkapellenjacken, sind die Beatles mit vielen Akteuren aus der Kunst- und Musikszene in ein Gruppenbildnis integriert. Ergänzt wird die Auswahl mit Fotografien des legendären Beatles-Konzert in der Essener Grugahalle im Jahr 1966 von Rudolf Holtappel. Ab 1960 greift die Pop Art-Bewegung in die USA über, wo sie die Regeln der Einweg-Massenkultur hinterfragt. Nicht die anspruchsvolle Collage, sondern das Plakat wird nun zum führenden Medium.
Die Ausstellung „British Pop Art“ ist bis zum 12. Mai zu besichtigen. Die Ludwig Galerie hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29,80 Euro.
Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
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