Sohrab Hura mit Videonale-Preis geehrt Der mit 5.000 Euro dotierte Videonale-Preis der Fluentum Collection geht in diesem Jahr an den in Neu-Delhi ansässigen Sohrab Hura. Der 1981 im Westbengalen geborene Inder überzeugte die Jury mit „The Lost Head & the Bird“. Zunächst gelang es ihm, in die 29 Finalisten vorzustoßen, die aus insgesamt 1.100 Einsendungen aus 66 Ländern gewählt wurden. Die Jury erklärt, dass „The Lost Head & the Bird“ ein furioses Video sei, das sich der Realität der indischen Gesellschaft (und nicht nur dieser) stelle.
Die Foto-Video-Arbeit des Autodidakten Sohrab Hura beginnt mit einer Kurzgeschichte: Eine Frau verliert ihren Kopf und macht sich auf die Suche nach einem neuen. Zu sehen ist das Foto eines verrenkten menschlichen Aktes. Mit dem Ende des Märchens über das kopflose Mädchen Madhu setzen viele Bilder ein, die Hura als „Found Footage“ aus Fotos und Videos aufbaut. Hierbei verbindet der ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler immer zwei Bilder miteinander, so dass ein Drittes entsteht. Der Bildfluss nimmt sukzessive an Geschwindigkeit zu und zeigt immer gewalttätigere Motive, die Hannes d’Hoine und Sjoerd Bruil mit einem „treibendem Soundtrack“ begleiten.
„Wie eine überdrehende Maschine verselbstständigt sich die Geschichte von der Frau ohne Kopf in den brutalen Social-Media-Bildern, und ausgehend von diesen wird ein ganzes Gesellschaftsbild gezeichnet. Der 1981 geborene Künstler entwickelt in seinem Video eine überzeugende Bildsprache für die Problematik der sexuellen, religiösen und politischen Gewalt in der indischen Gesellschaft. Die teils voyeuristischen Bilder spielen dabei mit dem Voyeurismus der Betrachter. Der handgeschriebene Abspann erwähnt alle verwendeten Quellen und fungiert quasi als Repeat-Taste des Films“, so die Jury. Für Stefan Panhans’ Mini-Serie „Hostel“ sprach sie zudem eine lobende Erwähnung aus.
Die 17. Videonale, das Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen in Bonn, wendet sich ab heute unter dem Titel „Refracted Realities“ der Frage zu, wie und mit welchen Mitteln Realität(en) gegenwärtig konstruiert und distribuiert werden. Die Ausstellung zur Videonale präsentiert die Arbeiten der 29 Künstler, darunter von Monira Al Qadiri, Zanny Begg und Oliver Ressler, Shu Lea Cheang, Marianna Christofides, Chto Delat, Saara Ekström, Laure Prouvost, Tris Vonna-Michell, Clemens von Wedemeyer und Andrew Norman Wilson. Sie stellen Fragen nach den Möglichkeiten, die Medien im Allgemeinen und die künstlerischen Medien im Besondern haben, um sich kritisch mit der eigenen Rolle für die Bildung von Meinung und Öffentlichkeit auseinanderzusetzen.
Das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen, Vorträgen, Performances, Diskussionsrunden, Führungen, Workshops und Vermittlungsprogrammen läuft vom 21. bis zum 24. Februar im Kunstmuseum Bonn sowie im Künstlerforum Bonn. Die Ausstellung „Videonale.17 – Refracted Realities“ ist bis zum 14. April zu sehen. Das Kunstmuseum Bonn hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. An Weiberfastnacht und Rosenmontag bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Der begleitende Katalog kostet 21,90 Euro. Das Programm ist unter www.videonale.org abrufbar.
Kunstmuseum Bonn
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